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MigrantenverbÀnde fordern Schutz vor möglicher AfD-Regierung

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 11:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
MigrantenverbĂ€nde fordern von Bund und LĂ€ndern Vorkehrungen zum Schutz von Minderheiten fĂŒr den Fall einer AfD-gefĂŒhrten Regierung in Sachsen-Anhalt.

"In Sachsen-Anhalt könnte in den kommenden Wochen erstmals eine Partei mitregieren, deren Landesverband vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird", heißt es in einem offenen Brief an Kanzler Friedrich Merz (CDU) und die Regierungschefs der LĂ€nder. "Ein Konzept zum Schutz der Menschen aber, die von einer solchen Regierung bedroht wĂ€ren, gibt es bis heute nicht."

Warnung vor GefÀhrdung von Menschen

Absender des Schreibens, das bewusst vor der MinisterprĂ€sidentenkonferenz am Donnerstag verschickt wurde, sind die TĂŒrkische Gemeinde in Deutschland, die Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (BKMO), der Dachverband der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland und das Landesnetzwerk Migrant*innenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA).

"Die GefĂ€hrdung der Demokratie ist in aller Munde. Die GefĂ€hrdung der Menschen, die nicht in das völkische Weltbild passen, spĂŒren dagegen vor allem die Betroffenen selbst, und zwar in ihrem Alltag", warnen die VerbĂ€nde und verweisen auf Juden, Menschen, die als Muslime wahrgenommen werden, Sinti und Roma, queere Menschen sowie Menschen mit Migrationsgeschichte. "Wir haben Angst", sagte die BKMO-Vorsitzende Karen Taylor. "Der Schutz unserer Grundrechte darf nicht von unserer Postleitzahl abhĂ€ngen."

Betroffene berichten von mehr Diskriminierung

In dem Schreiben heißt es: "Seit den Wahlerfolgen der AfD erleben diese Menschen und ihre Organisationen Ablehnung und Hass in einer IntensitĂ€t, die es lange nicht gab." In den Verbands-GeschĂ€ftsstellen gingen Hassmails und Drohbriefe ein, Mitarbeiter wĂŒrden am Telefon und auf der Straße beschimpft. Das Netzwerk LAMSA habe allein im laufenden Jahr 85 BeratungsfĂ€lle zu rassistischen Bedrohungen verzeichnet, mehr als im ganzen Vorjahr. Dabei wĂŒrden Fragen gestellt wie: "Werden Sicherheitsbehörden, deren Handeln die AfD politisch verantwortet, kommen, um uns zu schĂŒtzen?"

Konkret fordern die Verfasser des Schreibens eine Bund-LĂ€nder-Kommission zum Schutz von Minderheiten, die klĂ€ren soll, welche GefĂ€hrdungen es fĂŒr Menschen in Sachsen-Anhalt durch eine AfD-Regierung geben könne und Gegenmaßnahmen entwickelt. "Sie macht vorab deutlich, wie der Rechtsstaat reagiert, wenn eine Landesregierung die Grenzen der Verfassung zu testen versucht."

VerbÀnde fordern Schutzfonds

Zudem sollen Wohnsitzauflagen etwa fĂŒr Asylsuchende aufgehoben werden, damit diese wegziehen können, wenn sie an ihrem Wohnort rassistische Gewalt fĂŒrchten. Der Bund mĂŒsse klarstellen: "Eine konkrete rassistische, antisemitische, antiziganistische, antimuslimische oder rechtsextrem motivierte GefĂ€hrdung ist ein HĂ€rtefall und ermöglicht auch einen Wechsel in ein anderes Bundesland."

Daneben soll der Bund mit einem Schutzfonds bedrohte gemeinnĂŒtzige Einrichtungen, Vereine, Beratungsstellen, Gemeinden und Initiativen, die rassistisch bedroht werden, unterstĂŒtzen - zum Beispiel bei der Entwicklung von Notfallkonzepten oder baulichen Maßnahmen. Als Blaupause nennen die VerbĂ€nde die 22 Millionen Euro, die der Bund nach dem Anschlag von Halle 2019 zur Sicherung jĂŒdischer Einrichtungen zur VerfĂŒgung stellte. Taylor beklagte KĂŒrzungen beim Bundesprogramm "Demokratie leben". Dies fĂŒhre unweigerlich zu weniger Beratungsmöglichkeiten.

"Das Grundgesetz gilt in Sachsen-Anhalt wie ĂŒberall in Deutschland. Damit dieses Versprechen trĂ€gt, braucht es Vorkehrungen, bevor es auf die Probe gestellt wird. Setzen Sie Grenzen und sagen Sie heute, wie Bund und LĂ€nder sie durchsetzen werden", verlangen die Absender, die um eine schriftliche Antwort binnen vierzehn Tagen bitten.

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