Rüstungsindustrie unter Beschuss: Papperger erhält Kanzler-Schutz
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Deutschland verschärft den Schutz seiner Rüstungsindustrie. Nach konkreten Hinweisen auf russische Anschlagspläne steht Rheinmetall-Chef Armin Papperger unter Personenschutz auf Kanzler-Niveau. Auch ein Mittelständler aus Bayern war offenbar Ziel eines Attentats.
Schutz für Spitzenmanager der Rüstungsbranche
Der 63-jährige Papperger zeigt sich trotz der Bedrohungslage gelassen. Ein Rückzug komme für ihn nicht infrage, ließ er wissen. Sein Vertrag läuft noch dreieinhalb Jahre. In der Vergangenheit gab es bereits Vorfälle in seinem privaten Umfeld: Ein Gartenhaus brannte, vor seinem Wohnsitz demonstrierten Aktivisten.
Rheinmetall beliefert rund 120 Regierungen weltweit mit Militärtechnik. Der Konzern gilt als einer der wichtigsten Rüstungspartner der Ukraine.
Attentat auf Mittelständler vereitelt
Doch nicht nur Großkonzerne sind betroffen. Beim bayerischen Unternehmen Donaustahl soll ein Anschlag auf Geschäftsführer Stefan Thumann (39) verhindert worden sein. Die Ermittler gehen auch hier von russischer Beteiligung aus. Zwei Verdächtige sitzen in Haft: Sergey N. soll die Wohnadresse des Unternehmers gefilmt haben, Alla S. spähte das Umfeld aus. Gegen beide liegen Haftbefehle wegen Agententätigkeit vor.
Donaustahl produziert Kamikazedrohnen für die Ukraine. Der Umsatz lag 2025 bei rund 100 Millionen Euro. Um die Produktion auszubauen, nahm das Unternehmen eine Anleihe über 8 Millionen Euro auf – der Zinssatz stieg zuletzt von 5,9 auf 8,4 Prozent.
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Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig-Halle
Die Gefahr kommt aber auch aus der Luft. Am 5. August entdeckten Beamte am Flughafen Leipzig-Halle eine Drohne, bestückt mit den Sprengstoffen Semtex und PETN. Vier Stunden lag das Fluggerät unentdeckt auf dem Gelände. Die Bundesanwaltschaft ermittelt. FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sieht russische Akteure hinter dem Vorfall.
Auch über dem Bundeswehrstandort Mechernich in Nordrhein-Westfalen kreisten Drohnen. Sechs Überflüge registrierte die Bundeswehr – über einer unterirdischen Instandsetzungsanlage für Patriot-Flugabwehrsysteme. Der eingesetzte Drohnentyp Fly-380 VTOL hat fast vier Meter Spannweite und schafft 400 Kilometer Reichweite.
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Sicherheitslücken an deutschen Flughäfen
Die Vorfälle offenbaren massive Schutzlücken. Sieben von acht deutschen Großflughäfen haben keine stationäre Drohnenabwehr. Nur Frankfurt ist ausgerüstet. Verbände wie der BDSW und der BDLS fordern einheitliche Standards und klare rechtliche Befugnisse.
Am 7. August tagte deshalb der Nationale Sicherheitsrat unter Kanzler Merz. Thema: der Schutz von über 30.000 Betreibern kritischer Infrastruktur mit rund 150.000 Liegenschaften.
Milliarden-Nachrüstung geplant
Das Bundeskriminalamt erfasste 2025 mehr als 1.000 Drohnenüberflüge über sensiblen Bereichen. Jetzt plant die Regierung eine Nachrüstung der wichtigsten Flughäfen bis Ende 2026. Kostenpunkt: 160 bis 240 Millionen Euro.
Papperger fordert mehr Tempo. Deutschland sei aktuell nicht ausreichend gegen solche Bedrohungen geschützt, warnte er. Ob die neuen Maßnahmen ausreichen, wird sich zeigen – spätestens beim nächsten Vorfall.
