ROUNDUP, Moskau

Moskau beklagt GesprĂ€chsausschluss und schießt - Nacht im Überblick

17.01.2024 - 06:35:00

Russland hat mit scharfer Kritik auf die GesprĂ€che ĂŒber eine Friedenslösung in der Ukraine beim Weltwirtschaftsforum in Davos reagiert.

Ohne russische Beteiligung seien solche Verhandlungen "sinnlos und schĂ€dlich", sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa am Dienstag in Moskau. "Die "Friedensprinzipien fĂŒr die Ukraine", welche die Organisatoren herauszuarbeiten versuchen, sind a priori nicht lebensfĂ€hig, weil sie auf der absurden und inakzeptablen "Formel (Wolodymyr) Selenskyjs" basieren." Die Formel des ukrainischen PrĂ€sidenten enthalte zudem noch ein Verbot fĂŒr Friedensverhandlungen mit Russland, klagte sie.

Selenskyj hatte den RĂŒckzug russischer Truppen aus der Ukraine gefordert, die Bestrafung der fĂŒr den Krieg Verantwortlichen und russische Reparationszahlungen. Dies sei realitĂ€tsfern, sagte Sacharowa.

Der seit fast zwei Jahren andauernde russische Angriffskrieg in der Ukraine geht unterdessen unvermindert weiter. In der Nacht zum Mittwoch wurden bei einer russischen Attacke mit Angriffsdrohnen auf die Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer offiziellen Angaben zufolge mindestens drei Menschen verletzt. In vielen Regionen des Landes gab es Luftalarm. In den sĂŒdlichen Gebieten Mykolajiw und Cherson waren Berichten zufolge Explosionen zu hören. Bei einem russischen Raketenangriff in Charkiw waren am Dienstagabend bereits 17 Menschen verletzt worden.

Russland wehrte eigenen Angaben zufolge in der Nacht erneut ukrainische Angriffe im Grenzgebiet ab.

MilitÀrverwaltung: Verletzte nach russischem Beschuss von Odessa

Russland attackierte nach Angaben der regionalen MilitĂ€rverwaltung von Odessa die gleichnamige ukrainische Hafenstadt am Schwarzen Meer mit Angriffsdrohnen. Bei dem Angriff in der Nacht seien WohngebĂ€ude beschĂ€digt und mindestens drei Menschen verletzt worden, teilte die MilitĂ€rverwaltung bei Telegram mit. Ein 62 Jahre alter Mann habe eine Schrapnellwunde erlitten, zwei 1955 und 1995 geborene Frauen seien ebenfalls verwundet worden. Rund 130 Zivilisten hĂ€tten zudem aus beschĂ€digten Wohnungen evakuiert werden mĂŒssen, hieß es weiter. Die Angaben ließen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig prĂŒfen.

Viele Verletzte nach russischem Raketenangriff auf Charkiw

Bei einem russischen Raketenangriff auf Charkiw waren bereits zuvor mindestens 17 Menschen verletzt worden. "Zwei Frauen davon sind schwerverletzt", teilte der MilitĂ€rgouverneur der Region Charkiw, Oleh Synjehubow am spĂ€ten Dienstagabend auf seinem Telegram-Kanal mit. Zwölf weitere Personen seien ins Krankenhaus eingeliefert worden. Demnach sind zwei umfunktionierte Flugabwehrraketen vom Typ S-300 im Stadtzentrum der Millionenstadt eingeschlagen. Die Raketen hĂ€tten einen Ort getroffen, an dem es viele WohnhĂ€user gibt, klagte BĂŒrgermeister Ihor Terechow. Die Behörden sprechen zudem von SchĂ€den an ziviler Infrastruktur.

Russland: Ukrainische Raketen und Drohnen ĂŒber Belgorod abgewehrt

Russland will indes nach eigenen Angaben in der Nacht zum Mittwoch erneut mehrere ukrainische Geschosse ĂŒber der Grenzregion Belgorod abgewehrt haben. Dabei habe es sich um sieben Raketen und vier Drohnen gehandelt, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau in den frĂŒhen Morgenstunden bei Telegram mit. Auch diese Angaben ließen sich nicht unabhĂ€ngig prĂŒfen. Über SchĂ€den und Verletzte war zunĂ€chst nichts bekannt. Bereits in der Nacht zum Dienstag hatte die russische Luftwaffe mehrere Geschosse ĂŒber Belgorod sowie ĂŒber dem Gebiet Woronesch abgewehrt.

Putin warnt Ukraine vor Ende ihrer Staatlichkeit

Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin hatte zuvor am Dienstag die Friedensformel der Ukraine zurĂŒckgewiesen und Kiew zu territoriellen ZugestĂ€ndnissen aufgefordert.

Niemand könne Russland zum Verzicht auf die bisher eroberten Gebiete zwingen, sagte Putin dazu. "Alle verstehen, dass das nicht möglich ist." Der Kremlchef bezeichnete die Gegenoffensive der Ukraine zur RĂŒckeroberung von Gebieten erneut als gescheitert.

Putin warf den ukrainischen StreitkrĂ€ften vor, russische Grenzregionen wie zuletzt das Gebiet Belgorod zu beschießen, um vom eigenen Scheitern abzulenken. Zudem solle den westlichen Sponsoren, die Geld, Waffen und Munition geben, so gezeigt werden, dass die Ukraine in der Lage sei, auf die russischen Angriffe zu antworten. Der ukrainischen Staatlichkeit drohe durch das Handeln der FĂŒhrung in Kiew ein "irreparabler Schlag", sagte Putin am Dienstag bei einem vom Staatsfernsehen ĂŒbertragenen Treffen mit Vertretern von Kommunen.

Selenskyj wirbt weiter um internationale Hilfe

Zuvor hatte PrĂ€sident Selenskyj bei seinem Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum im Schweizer Kurort in Davos eindringlich vor einem "Einfrieren" des russischen Kriegs gegen sein Land gewarnt. Zugleich bekrĂ€ftigte er Hoffnungen auf einen Nato-Beitritt der Ukraine. Beim Werben um weitere Milliarden und Waffenlieferungen bekam Selenskyj UnterstĂŒtzung aus der EU und von Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg.

Selenskyj trifft sich mit Polens PrÀsident Duda in Davos

Weitere UnterstĂŒtzung sagte auch Polens PrĂ€sident Andrzej Duda zu, den Selenskyj am Abend in Davos traf. Dabei kĂŒndigte Duda eine Reise des neuen polnischen Regierungschefs Donald Tusk in die Ukraine an. Dieser werde "in ein paar Tagen Kiew" besuchen, um ĂŒber Details der weiteren Zusammenarbeit zu sprechen. Ein weiteres Thema der Unterredung mit Duda sei die Abstimmung der beiden LĂ€nder vor dem Nato-Gipfel in Washington gewesen, teilte Selenskyj auf seinem Telegram-Kanal mit. Die Ukraine wird in ihrem Anliegen, der MilitĂ€rallianz beizutreten, von Polen unterstĂŒtzt.

Macron sagt Ukraine UnterstĂŒtzungsabkommen und weitere Waffen zu

Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron stellte der Ukraine zudem ein UnterstĂŒtzungsabkommen in Aussicht, Ă€hnlich wie es Großbritannien vor einigen Tagen mit dem von Russland angegriffen Land besiegelt hat. Frankreich plane mit der Ukraine eine vergleichbares Vereinbarung, und er werde in diesem Zusammenhang im Februar in die Ukraine reisen, sagte Macron am Dienstagabend in Paris. Frankreich werde die Ukraine weiter militĂ€risch unterstĂŒtzen, unter anderem mit der Lieferung von 40 weiteren Marschflugkörper vom Typ Scalp, Hunderten Bomben sowie von Caesar-Haubitzen. Russland dĂŒrfe den gegen die Ukraine gestarteten Krieg nicht gewinnen, sagte Macron.

Scholz und Biden telefonieren zu Ukraine

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und US-PrĂ€sident Joe Biden telefonierten nach Angaben ihrer Regierungen miteinander, um sich unter anderem ĂŒber die andauernde UnterstĂŒtzung der Ukraine auszutauschen. Man sei sich einig gewesen, dass es notwendig sei, das von Russland angegriffene Land finanziell, militĂ€risch und humanitĂ€r weiter zu unterstĂŒtzen, teilte ein Sprecher der Bundesregierung am Dienstag mit.

Was am Mittwoch wichtig wird

Im Kriegsgebiet dauern die KÀmpfe ungeachtet der winterlichen VerhÀltnisse an. Die ukrainischen StreitkrÀfte konzentrieren ihre KrÀfte nach MilitÀrangaben vor allem darauf, Verteidigungsanlagen zu befestigen, um russische Angriffe abzuwehren.

@ dpa.de