Produktion/Absatz, Konjunktur

Experte: Russland fĂŒr westliche Firmen weiterhin attraktiv

01.04.2025 - 05:22:51

Russland kann nach einem Ende des Ukraine-Kriegs nach EinschĂ€tzung eines Experten mit der RĂŒckkehr westlicher Unternehmen rechnen.

Der Markt mit seinen fast 150 Millionen BĂŒrgern sei viel zu interessant, um sich auf Dauer zu verabschieden, sagte der Russland-Experte des Wiener Instituts fĂŒr Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), Vasily Astrov, der Deutschen Presse-Agentur.

Gerade fĂŒr deutsche Autokonzerne, die bis 2022 in Russland Fabriken betrieben hĂ€tten, böte sich das an. "Aktuell stammt in Russland die HĂ€lfte aller Neuwagen aus China", sagt Astrov. Neben deutschen Marken wie VW DE0007664039, Mercedes-Benz DE0007100000 und BMW DE0005190003 hatten auch Hersteller aus Frankreich, Japan und SĂŒdkorea erhebliche Marktanteile.

Die GeschÀfte des Westens mit Moskau scheinen vielfach auf Eis zu liegen. Sanktionen sind das beherrschende Thema. Aber bei den aktuellen Kontakten zwischen den USA und Russland spielt die Wiederherstellung wirtschaftlicher Beziehung eine wesentliche Rolle.

Viele Unternehmen sind in Russland geblieben

Die Zahl der Firmen, die Russland wegen des Kriegs und der Sanktionen verlassen hĂ€tten, werde meist ĂŒberschĂ€tzt, so der Experte. Nur zwölf Prozent der vor dem Ukraine-Krieg in Russland tĂ€tigen auslĂ€ndischen Firmen hĂ€tten das Land komplett verlassen. Das gelte vor allem fĂŒr manche große Konzerne. "Die mittelstĂ€ndischen Unternehmen sind eher geblieben, machen davon aber wenig Aufhebens", sagte Astrov.

Zu bedenken sei dabei, dass Russland den Abschied auslĂ€ndischer Firmen schon bald erschwert und spĂ€testens seit Herbst 2024 weitere besonders hohe HĂŒrden eingefĂŒhrt habe. Auch fĂŒr die etwaige RĂŒckkehr deuteten sich nun Bedingungen seitens Moskau an.

Die wirtschaftlichen Aussichten Russlands, das bisher den Schaden westlicher Sanktionen begrenzen konnte, sieht der Ökonom zwiespĂ€ltig. "Die globale grĂŒne Energiewende ist natĂŒrlich eine schlechte Nachricht fĂŒr Russland", sagt der Fachmann mit Blick auf die große AbhĂ€ngigkeit des Landes von Einnahmen durch Öl- und Gasexporte.

FachkrÀfte fehlen in Russland

Auch die massenhafte Abwanderung besonders qualifizierter FachkrĂ€fte gerade aus dem IT-Bereich sei eine Hypothek. Von den schĂ€tzungsweise eine Million Fachleuten, die aus Angst vor Repressionen und Einberufung zum MilitĂ€r das Land verlassen hĂ€tten, sei zwar ein Teil inzwischen wieder zurĂŒckgekehrt. "Aber es fehlen weiter Hunderttausende", sagte Astrov.

Eine Industriepolitik - wie zum Beispiel durch Förderung bestimmter Branchen - betreibe Moskau seit Jahrzehnten eher wenig erfolgreich. Wichtiger konjunktureller Impuls sei der Konsum. Die Löhne seien 2024 real um neun Prozent gestiegen. Russland, die viertgrĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft der Welt, könne schon allein durch den Binnenmarkt wachsen, erlĂ€uterte Astrov.

@ dpa.de | DE0005190003 PRODUKTION/ABSATZ