Russland senkt Nuklearschwelle - Neue Doktrin in Kraft
19.11.2024 - 13:30:51Ausgehend von der Lage im Krieg und der Krise im VerhÀltnis zum Westen zÀhlt das Dokument neue Bedrohungsszenarien auf, in denen Russland zu Nuklearwaffen greifen könnte. Die neue Doktrin löst die Fassung von 2020 ab und wurde auf der Webseite des Kremls veröffentlicht.
Neu ist, dass Moskau die Aggression eines nichtnuklearen Staates, der aber von AtommĂ€chten unterstĂŒtzt wird, als deren gemeinsamen Angriff auf Russland wertet. Dies richtet sich dagegen, dass die Ukraine von den AtommĂ€chten USA, GroĂbritannien und Frankreich militĂ€risch unterstĂŒtzt wird.
Reaktion auf Freigabe von US-Waffen fĂŒr Ukraine?
Putin hat in den zweieinhalb Jahren Krieg mehrmals Drohungen zum Einsatz von Atomwaffen ausgestoĂen. Auch die seit Monaten angekĂŒndigte VerschĂ€rfung der Atomdoktrin lĂ€sst sich als DrohgebĂ€rde verstehen. Die Veröffentlichung folgt auch kurz auf die von Medien berichtete Entscheidung der USA, der Ukraine den Einsatz weittragender Waffen gegen russisches Gebiet zu erlauben.
Russland droht mit nuklearer Vergeltung nicht nur fĂŒr den Fall eines Atomangriffs. Eingeschlossen ist auch ein konventioneller Angriff auf Russland oder den VerbĂŒndeten Belarus, wenn er "eine kritische Bedrohung fĂŒr deren SouverĂ€nitĂ€t und/oder deren territoriale Unversehrtheit darstellt". Die ErwĂ€hnung von Belarus ist ebenfalls neu gegenĂŒber der Fassung von 2020.
Klar gegen Erweiterung der Nato
Die atomare Abschreckung gilt demnach auch fĂŒr den Fall, dass sich potenziell feindliche MilitĂ€rbĂŒndnisse bilden, erweitern oder mit ihrer Infrastruktur an Russland heranrĂŒcken. Dies richtet sich gegen das Bestreben der Ukraine, in die Nato aufgenommen zu werden. Als möglichen Auslöser eines Atomschlags wĂŒrde Russland auch Versuche werten, ihm den Zugang zu bestimmten Teilen seines Staatsgebietes zu verwehren. Dies könnte die Ostsee-Exklave Kaliningrad betreffen, aber auch die 2014 annektierte ukrainische Halbinsel Krim.

