Putin hÀlt Rede zur Weltlage - Selenskyj nennt ihn illegitim
20.06.2025 - 06:35:02Petersburg vor groĂem Publikum seine Sicht auf die politische und wirtschaftliche Weltlage erlĂ€utern. Die Rede des Kremlchefs in seiner Heimatstadt und eine Podiumsdiskussion mit internationalen GĂ€sten wird jedes Jahr als Höhepunkt des Forums inszeniert.
Dieses Mal dĂŒrften der Krieg zwischen Israel und dem Iran sowie der Krieg, den Putin gegen die Ukraine fĂŒhrt, im Mittelpunkt stehen. Die Moskauer FĂŒhrung nutzt die Konferenz mit 20.000 GĂ€sten aus 140 LĂ€ndern, um sich der Welt in einem guten Licht zu prĂ€sentieren und der vom Westen angestrebten internationalen Isolation zu trotzen.
Auch in der Nacht vor diesem Ereignis griff die russische Armee das Nachbarland wieder aus der Luft an. Aus der ostukrainischen Stadt Charkiw wurden Explosionen und BrĂ€nde gemeldet. Auf das Gebiet Sumy wurden Gleitbomben abgeworfen. AuĂerdem ortete die ukrainische Luftwaffe einmal mehr ganze SchwĂ€rme russischer Kampfdrohnen am Himmel.
Selenskyj: Putin hat sein Mandat schon lange ĂŒberschritten
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj konterte unterdessen ĂuĂerungen Putins, der ihm in St. Petersburg erneut die LegitimitĂ€t als Staatsoberhaupt abgesprochen hatte. In einer Videobotschaft sagte Selenskyj: "Ich bin bereit, mich in jedem Format mit denjenigen zu treffen, die (...) entsprechende AutoritĂ€t haben, einschlieĂlich Putin, auch wenn er sein verfassungsmĂ€Ăiges Mandat um mindestens drei Amtszeiten ĂŒberschritten hat."
Der Kremlchef hat sich offiziell zwar zu GesprĂ€chen mit Selenskyj bereit erklĂ€rt, um den seit mehr als drei Jahren andauernden Krieg zu beenden. Er stellt aber dessen LegitimitĂ€t infrage, weil die Amtszeit des Ukrainers 2024 abgelaufen sei. In der Ukraine darf allerdings unter Kriegsrecht nicht gewĂ€hlt werden - so wie es das Grundgesetz in Deutschland im Verteidigungsfall auch untersagen wĂŒrde. Putin hat sich seine Macht gesichert, indem Gegner nach und nach von der politischen BĂŒhne verschwunden und Wahlen in Russland immer weniger frei geworden sind. Er lenkt faktisch seit der Jahrtausendwende die Geschicke Russlands.
Bei der Verteidigung gegen den groĂen Nachbarn ist die Ukraine besonders auf die Hilfe der Regierung von US-PrĂ€sident Donald Trump angewiesen. "Es ist wĂŒnschenswert, den Krieg noch in der (bis Anfang 2029 laufenden) Amtszeit von PrĂ€sident Trump zu beenden", sagte Selenskyj in Kiew. "Ich rechne fest mit seiner Hilfe. Ich zĂ€hle auf den Einfluss der Vereinigten Staaten." Nötig seien Sanktionen genauso wie Diplomatie.
Das VerhĂ€ltnis zwischen Trump und Selenskyj ist gespannt. Die mit groĂem Selbstbewusstsein angekĂŒndigten BemĂŒhungen des US-PrĂ€sidenten um ein Ende des Krieges sind bislang ins Leere gelaufen.
Neuer Heereskommandeur der Ukraine diente in Wiesbaden
Zum neuen Kommandeur der ukrainischen Bodentruppen ernannte Selenskyj den Brigadegeneral Hennadij Schapowalow. Dieser diente zuletzt als Verbindungsoffizier im Nato-Stab in Wiesbaden, der MilitĂ€rhilfe fĂŒr die Ukraine koordiniert. Die Umbesetzung im Heer wurde notwendig, nachdem der bisherige Kommandeur Mychajlo Drapatyj Anfang Juni um Entlassung gebeten hatte. Er ĂŒbernahm die Verantwortung fĂŒr den Tod von zwölf Soldaten, die bei einem russischen Raketenangriff auf einen TruppenĂŒbungsplatz im Gebiet Dnipropetrowsk ums Leben gekommen waren.
Kiew: Wir haben Leichen russischer Soldaten bekommen
Bei der RĂŒckgabe Tausender Soldatenleichen aus Russland hat die Ukraine nach Angaben von Innenminister Ihor Klymenko auch tote Russen ĂŒberstellt bekommen. In einem Post auf Telegram machte der Minister aber keine Angaben, wie viele derartige FĂ€lle es gebe.
"Der Feind erschwert uns absichtlich die Identifizierung der Toten, stiftet Chaos und vermischt die Leichen der russischen Soldaten mit denen der Ukrainer", schrieb Klymenko. Fotos zeigten den angeblichen Wehrpass und die Identifikationsmarke eines toten russischen Soldaten, der an die Ukraine ĂŒbergeben worden sein soll. UnabhĂ€ngige BestĂ€tigungen dazu gab es nicht.
Russland hat der Ukraine in den vergangenen Tagen mehr als 6000 Leichen von Soldaten ĂŒberstellt. Moskau bekam mehr als 50 Tote zurĂŒck. Dies gehörte - wie ein Austausch von Gefangenen - zu humanitĂ€ren Gesten, die beide Kriegsparteien Anfang Juni in Istanbul vereinbart hatten.

