RV Proaktiv: Rentenversicherung berĂ€t Versicherte in Vulkaneifel und PrĂŒm
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Deutsche Rentenversicherung Rheinland-Pfalz hat mit dem Programm âRV Proaktivâ ein individuelles und kostenloses Beratungsangebot fĂŒr Versicherte ins Leben gerufen, die mit gesundheitlichen und beruflichen EinschrĂ€nkungen konfrontiert sind. Die Initiative setzt darauf an, Betroffene frĂŒhzeitig zu unterstĂŒtzen und Wege zur Stabilisierung der ErwerbsfĂ€higkeit aufzuzeigen.
Gezielte Ansprache in Modellregionen
Im Rahmen des Vorhabens schreibt der RentenversicherungstrĂ€ger derzeit gezielt Versicherte in den Regionen Vulkaneifel und PrĂŒm an, die in den vergangenen Jahren vermehrt arbeitsunfĂ€hig krank gemeldet waren.
Die Teilnahme an den Beratungen ist unverbindlich und begrĂŒndet keinerlei Verpflichtungen fĂŒr die Betroffenen. Im Fokus steht die KlĂ€rung von Hilfebedarfen; bei Bedarf erhalten die Versicherten unmittelbare UnterstĂŒtzung bei der Beantragung von medizinischen oder beruflichen Rehabilitationsleistungen.
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund eines anhaltend hohen Bedarfs an beruflicher Wiedereingliederung und PrĂ€vention. Nach Angaben der Nationalen PrĂ€ventionskonferenz wurden fĂŒr das Jahr 2024 in Deutschland insgesamt 147,3 Millionen krankheitsbedingte Fehltage verzeichnet. Zudem sind 42 Prozent aller Erwerbsminderungsrenten auf psychische Erkrankungen zurĂŒckzufĂŒhren.
Wachsende Belastungen im Arbeitsleben
Die Notwendigkeit frĂŒhzeitiger Beratungsangebote unterstreichen auch Erhebungen der Krankenkassen. Laut DAK-Gesundheit stellten psychische Erkrankungen im ersten Halbjahr 2026 bei 2,2 Millionen BeschĂ€ftigten erstmals den hĂ€ufigsten Grund fĂŒr Krankschreibungen dar.
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Demnach entfielen 184 Fehltage auf je 100 Versicherte, was einem Anstieg von 9 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr entspricht. Zudem dauerten Krankschreibungen aufgrund psychischer Diagnosen im Jahr 2025 durchschnittlich gut 34 Tage, wĂ€hrend der Mittelwert ĂŒber alle Krankheitsursachen hinweg im ersten Halbjahr 2026 bei 9,7 Tagen lag.
Erschwert wird die Situation hÀufig durch lange Versorgungswege. Nach Daten der Bundespsychotherapeutenkammer betrÀgt die Wartezeit vom ersten GesprÀch bis zum tatsÀchlichen Behandlungsstart im Durchschnitt 142 Tage.
Auch auf europĂ€ischer Ebene zeigen sich gesundheitliche Herausforderungen fĂŒr Ă€ltere Arbeitnehmer: Daten von Eurostat belegen, dass die Zahl der gesunden Lebensjahre ab dem 65. Lebensjahr in Deutschland zwischen 2015 und 2024 um 3,3 Jahre auf nur noch 8,6 Jahre gesunken ist.
Der europĂ€ische Durchschnittswert liegt demgegenĂŒber bei 10,3 Jahren, wĂ€hrend LĂ€nder wie Schweden und Norwegen 14 Jahre erreichen. Ăltere Frauen in Deutschland verbringen laut Eurostat durchschnittlich 12,4 Jahre mit eingeschrĂ€nkter Gesundheit, bei MĂ€nnern sind es 10,1 Jahre.
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Forderungen nach Reformen und Ausbau der Reha
SozialverbĂ€nde mahnen angesichts dieser Kennzahlen eine deutliche StĂ€rkung prĂ€ventiver MaĂnahmen an. Verena Bentele, PrĂ€sidentin des Sozialverbands VdK und Mitglied der Rentenkommission des Deutschen Gewerkschaftsbundes, fordert einen klaren Vorrang fĂŒr gesundes Arbeiten vor einer Anhebung von Altersgrenzen.
Der Verband plĂ€diert fĂŒr flĂ€chendeckende, frĂŒhzeitige und wohnortnahe Rehabilitationsangebote, eine engere Verzahnung von Gesundheitsversorgung, Arbeitsförderung und Reha sowie fĂŒr die Abschaffung des sogenannten Reha-Deckels in der Rentenversicherung. Zudem fordert der VdK ein verpflichtendes Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM).
Auch die Nationale PrĂ€ventionskonferenz betonte anlĂ€sslich einer EU-weiten Arbeitskampagne in einem gemeinsamen Positionspapier, dass der Schutz der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz gestĂ€rkt werden mĂŒsse. Nötig sei eine strukturelle Verzahnung von Arbeitsschutz, betrieblicher Gesundheitsförderung und betrieblichem Eingliederungsmanagement.
Mit niedrigschwelligen Projekten wie âRV Proaktivâ unternimmt die Rentenversicherung in Rheinland-Pfalz nun einen praktischen Schritt, um von lĂ€ngeren Krankheitsphasen betroffene Arbeitnehmer vor dem dauerhaften Ausscheiden aus dem Beruf abzufangen.
