KriminalitÀt, Recycling

Die Altfett-Mafia: Kriminelle stehlen bundesweit altes Speisefett im Millionenwert / Recherche des SaarlÀndischen Rundfunks beleuchtet GeschÀft mit ungewöhnlichem Diebesgut

03.12.2025 - 08:00:03

SaarbrĂŒcken - Kriminelle haben es nach Recherchen des SaarlĂ€ndischen Rundfunks deutschlandweit auf ein ungewöhnliches Diebesgut abgesehen. Sie stehlen von Restaurants und Fastfood-Ketten das gebrauchte Speisefett. Dabei hat das alte Frittenfett durchaus noch einen Wert: Es wird benötigt - fĂŒr die Herstellung von Biodiesel. Der Branchenverband BDE spricht von einem Millionenschaden.

Bundesweit stehlen Kriminelle das Altspeisefett von Hinterhöfen der Restaurants, wo es in speziellen Tonnen lagert. Die TĂ€ter schöpfen das Fett mithilfe von Eimern ab oder stehlen es mitsamt BehĂ€lter. Das zeigen mehrere Überwachungsvideos, die dem SR vorliegen.

Den Schaden haben sowohl die Gastronomen als auch deren Entsorgungsunternehmer. Denn die Restaurant-Besitzer verkaufen das Fett normalerweise an Recyclingunternehmen und diese verkaufen es weiter an Raffinerien oder Aufbereitungsanlagen - bis zu 900 Euro pro tausend Kilo Altfett werden dafĂŒr aktuell gezahlt. Der fĂŒr die Recycling-Unternehmen zustĂ€ndige Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) schĂ€tzt, dass der jĂ€hrliche Schaden durch Altfettdiebe in Deutschland im Millionen-Euro-Bereich liegt.

Entsorger wie der Unternehmer Stefan Henning aus dem pfĂ€lzischen Germersheim sprechen von einer "existenziellen Bedrohung" fĂŒr ihren Betrieb. "Wenn wir Touren fahren mit unseren Fahrzeugen, haben wir am Tag circa zwei bis drei DiebstĂ€hle, die wir gesichert nachweisen können", sagt er. So sei ihm durch die DiebstĂ€hle allein in diesem Jahr schon ein Schaden von rund 40.000 Euro entstanden. Insgesamt hĂ€tten betroffene Recycler schon weit mehrere hundert Strafanzeigen erstattet - ohne großen Erfolg.

Weil sich die DiebstÀhle hÀufen, vermuten die Entsorger und auch der BDE gut organisierte Banden hinter den Taten.

Diese EinschĂ€tzung teilt auch ein Informant aus dem Entsorgungsgewerbe, der aus SicherheitsgrĂŒnden anonym bleibt. Seine IdentitĂ€t ist dem SR bekannt. Er hatte Kontakt zu Mitgliedern einer Bande von Altfett-Dieben - und bestĂ€tigt: Angst, von deutschen Behörden erwischt zu werden, zeigen die Kriminellen nicht.

"Es fiel der Begriff Eldorado", erinnert sich der Informant an seine Begegnung mit TĂ€tern. Diese seien ebenso schamlos wie selbstsicher aufgetreten: "Sie klauen das alte Speisefett und sie benutzen auch den Begriff 'klauen'. Da haben die gar keine Hemmungen."

Deshalb hatte sich der BDE bereits im MĂ€rz 2023 an die Justizministerkonferenz der LĂ€nder (JuMiKo) gewandt mit der Forderung nach der Einrichtung von Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften fĂŒr dieses Delikt. Wie das Justizministerium von Sachsen, das derzeit den Vorsitz der Konferenz der Justizminister innehat, mitteilt, haben sich die Justizminister trotz Bitten des BDE bis heute aber nicht mit den Altfett-DiebstĂ€hlen befasst.

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