SAP-Betriebsrat, Metall

SAP-Betriebsrat: IG Metall holt 11 Sitze, Stimmung auf Tiefstand

30.05.2026 - 05:12:55 | boerse-global.de

Interne SAP-Umfrage zeigt sinkendes Vertrauen in den Vorstand, während jüngere Mitarbeiter die KI-Transformation positiv sehen.

SAP-Betriebsrat: IG Metall holt 11 Sitze, Stimmung auf Tiefstand - Foto: über boerse-global.de
SAP-Betriebsrat: IG Metall holt 11 Sitze, Stimmung auf Tiefstand - Foto: über boerse-global.de

Während die Stimmung insgesamt angespannt ist, zeigt sich vor allem bei jungen Mitarbeitern überraschende Zuversicht.

Stimmungstief trotz KI-Euphorie

Nathalie Boulay, Vorsitzende des SAP-Gesamtbetriebsrats, hat eine zunehmende Polarisierung unter den Beschäftigten ausgemacht. Die im April 2026 durchgeführte interne Umfrage „#Unfiltered“ zeigt ein differenziertes Bild: Ein negativer Grundton bleibt aufgrund der Restrukturierung und globaler politischer Veränderungen bestehen. Gleichzeitig gibt es unter jüngeren Mitarbeitern eine spürbare positive Dynamik im Hinblick auf die laufende KI-Transformation.

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Nur noch 54 Prozent der Befragten vertrauen dem Vorstand – ein Rückgang um fünf Prozentpunkte. Das Vertrauen in die Fähigkeit des Vorstands, die Unternehmensstrategie umzusetzen, sank um sieben Punkte auf 63 Prozent.

Der Engagement-Index, ein zentraler Indikator für die Mitarbeitermotivation, liegt aktuell bei 73 Prozent. Das ist ein deutlicher Einbruch gegenüber dem Wert von über 80 Prozent vor drei Jahren und der niedrigste Stand seit 2020. Die Begeisterung für die Zukunft des Unternehmens fiel um acht Prozentpunkte – nur noch 62 Prozent der Belegschaft blicken optimistisch auf SAPs Richtung.

Reibungspunkte im Unternehmen

Als Hauptursachen für die abgekühlte Stimmung gelten die jüngsten Restrukturierungsmaßnahmen, eine strengere Rückkehr-ins-Büro-Politik und ein neues Leistungsbewertungssystem. Positiv sticht hervor: Das Vertrauen in die direkten Vorgesetzten bleibt mit 86 Prozent vergleichsweise hoch.

SAP-Personalchefin Gina Vargiu-Breuer hat im Frühjahr auf die Ergebnisse reagiert. Geplante Maßnahmen umfassen eine Überarbeitung des Vergütungssystems, mehr Rollenklarheit und verstärkte KI-Weiterbildungen. Das Unternehmen verweist zudem auf positive Impulse der Sapphire-Messe Ende Mai, die in den April-Daten noch nicht abgebildet sein dürften.

Betriebsratswahl und Gehaltsfragen

Die veränderte Stimmungslage spiegelt sich auch in der neuen Arbeitnehmervertretung wider. Bei der Betriebsratswahl im März 2026 wurde IG Metall mit 24 Prozent der Stimmen und 11 von 45 Sitzen stärkste Kraft. Die Wahlbeteiligung lag bei 37 Prozent – 8.236 von 22.188 Wahlberechtigten stimmten ab.

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Die aktuellen Gehaltsanpassungen sorgen für zusätzlichen Zündstoff. Mitarbeiter in niedrigeren Gehaltsstufen erhielten Erhöhungen von rund vier Prozent, höhere Stufen nur etwa 2,5 Prozent. Die Arbeitnehmervertretung kritisiert, dass diese Anpassungen weder Inflation noch Produktivitätssteigerungen angemessen berücksichtigen.

Strategische Neuausrichtung trotz interner Spannungen

Ungeachtet der internen Konflikte treibt SAP seine technologische Agenda voran. Auf der Sapphire-Konferenz am 28. Mai 2026 präsentierte das Unternehmen seine Vision der „Autonomen Unternehmung“. Im Zentrum steht der KI-Copilot Joule als zentrale Interaktionsebene. Für 2026 kündigte SAP 15 neue Assistenten für das Personalmanagement an, die Technologie der 2025 übernommenen SmartRecruiters integrieren.

Dieser Wandel vollzieht sich vor dem Hintergrund eines gesamten Softwaremarkts unter Druck. Salesforce meldete für das erste Quartal 2026 einen Umsatzanstieg von 13 Prozent auf 11,1 Milliarden Dollar. Trotz besserer Gewinnerwartungen fiel der Ausblick verhalten aus – ein Zeichen dafür, dass große Tech-Konzerne mit den hohen Kosten und organisatorischen Herausforderungen der KI-Einführung kämpfen.

Arbeitsmarkt im Wandel

Die Situation bei SAP spiegelt breitere Trends auf dem deutschen Arbeitsmarkt wider. Eine Studie von HR WORKS vom 28. Mai 2026 ergab, dass 30 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in Deutschland in den letzten fünf Jahren beendet wurden – fast die Hälfte davon allein in den Jahren 2024 und 2025.

Auch andere große deutsche Arbeitgeber stehen unter Druck. Mercedes-Benz bestätigte kürzlich Gespräche mit Sozialpartnern über Kostensenkungen in Deutschland. Bei Zalando begannen am 29. Mai 2026 Verhandlungen über die Schließung eines Logistikzentrums in Erfurt, von der rund 2.000 Arbeitsplätze betroffen sein könnten.

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