Satellitenproduktion in Berlin: Planet Labs baut erstmals auĂerhalb der USA
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 13:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas US-Unternehmen Planet Labs will noch in diesem Herbst mit dem Bau von Satelliten in Berlin beginnen und dort erstmals auĂerhalb der USA eine vollstĂ€ndige Fertigung samt Erprobung aufbauen.
Erster Satellit noch vor Jahresende
Der erste in Berlin gebaute Satellit solle vor Ende des Jahres fertig sein, sagte der Deutschland-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Martin Polak der Deutschen Presse-Agentur. Die ProduktionsstĂ€tte könne auf eine KapazitĂ€t von bis zu 60 Satelliten pro Jahr erweitert werden.
Planet Labs machte keine genaue Investitionssumme bekannt, erwartet nach eigenen Angaben aber einen Betrag von mehr als zehn Millionen Euro. In der Berliner Niederlassung arbeiten derzeit knapp 150 Menschen; 70 weitere Stellen sollen hinzukommen.
Hochauflösende Bilder fĂŒr die Erdbeobachtung
In Berlin sollen sogenannte Pelican-Satelliten entstehen. Sie liefern nach Angaben des Unternehmens hochauflösende Bilder der Erde, die unter anderem fĂŒr Wetter- und Klimabeobachtung sowie zur Analyse militĂ€rischer Anlagen genutzt werden können.
Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) betonte bei der Vorstellung die Bedeutung von Satelliten fĂŒr Sicherheit und technologische SouverĂ€nitĂ€t. Das gelte sowohl fĂŒr zivile Anwendungen als auch fĂŒr Spannungs- und VerteidigungsfĂ€lle.
Fragen zu US-Zugriffen auf sensible Daten
Mit Blick auf mögliche Einflussmöglichkeiten der US-Regierung und amerikanischer Behörden verwies Polak auf die langjĂ€hrige Betreuung europĂ€ischer Regierungskunden. Planet Labs wolle AbhĂ€ngigkeiten dort verringern, wo sie fĂŒr europĂ€ische Kunden besonders wichtig seien, und deren operative WiderstandsfĂ€higkeit und Kontrolle stĂ€rken.
Das Unternehmen nannte dafĂŒr die Fertigung und den Missionsbetrieb von Deutschland aus, europĂ€ische Bodenstationen sowie die Speicherung von Daten in europĂ€ischer Cloud-Infrastruktur. Detailfragen zu einem möglichen Zugriff oder Einfluss US-amerikanischer Behörden beantwortete Polak nicht.
Reiche sagte mit Blick auf Russland: «Russland bedroht die EU tĂ€glich. Russland bedroht Deutschland tĂ€glich.» Deutschland und Europa mĂŒssten in der Lage sein, Erdbeobachtung eigenstĂ€ndig und mit eigenen Daten zu betreiben.
Satellitendaten als Sicherheitsfaktor
Der Berliner Produktionsstart fĂ€llt in eine Phase, in der Erdbeobachtung nicht mehr nur fĂŒr Wetter- und Klimamodelle relevant ist. Satellitenbilder liefern auch Informationen ĂŒber Infrastruktur, Truppenbewegungen und VerĂ€nderungen an militĂ€rischen Anlagen. Im Ukraine-Krieg haben kommerzielle Anbieter gezeigt, dass solche Daten staatliche AufklĂ€rung ergĂ€nzen und in kurzer Zeit fĂŒr eine groĂe Zahl von Nutzern verfĂŒgbar machen können.
Die geplante Fertigung stĂ€rkt Deutschlands industrielle FĂ€higkeiten im Raumfahrtsektor, beseitigt aber nicht automatisch bestehende AbhĂ€ngigkeiten. FĂŒr eine belastbare europĂ€ische Kontrolle sind neben dem Bau der Satelliten auch Startmöglichkeiten, Bodenstationen, Missionsbetrieb, VerschlĂŒsselung und die Speicherung sowie Verarbeitung der Daten entscheidend. Planet Labs will diese Teile nach eigenen Angaben teilweise in Europa bĂŒndeln.
US-Unternehmen, europÀische Interessen
Gerade bei sicherheitsrelevanten Aufnahmen bleibt die EigentĂŒmer- und Rechtsstruktur des Anbieters bedeutsam. Ein Standort in Berlin kann europĂ€ische Lieferketten und ArbeitsplĂ€tze schaffen, beantwortet jedoch fĂŒr sich genommen nicht jede Frage nach möglichem Zugriff auf Systeme oder Daten. Diese Fragen dĂŒrften bei kĂŒnftigen RegierungsauftrĂ€gen, bei der Auswahl der Cloud-Infrastruktur und bei den technischen Zugriffsrechten eine zentrale Rolle spielen.
FĂŒr Berlin bedeutet das Vorhaben zunĂ€chst Investitionen im mindestens zweistelligen Millionenbereich und perspektivisch zusĂ€tzliche hochqualifizierte Stellen. Die angekĂŒndigte KapazitĂ€t von bis zu 60 Satelliten jĂ€hrlich wĂ€re zudem ein sichtbarer Ausbau der europĂ€ischen Produktionsbasis. Ob daraus dauerhaft gröĂere UnabhĂ€ngigkeit entsteht, hĂ€ngt davon ab, ob weitere europĂ€ische Kunden, Zulieferer und öffentliche Programme hinzukommen.
