SBTi-Standard, V20

SBTi-Standard V2.0: Neue Regeln für Scope-3-Emissionen und Zertifikate

16.06.2026 - 07:13:05 | boerse-global.de

Die SBTi lockert Regeln für Scope-3-Emissionen, verschärft aber Auflagen für direkte Energie. Unternehmen erhalten mehr Spielraum bei Klimazielen.

SBTi V2.0: Neue Klimaziele mit mehr Flexibilität für Firmen
SBTi-Standard - Ein stilisiertes globales Netzwerk aus Linien und Knoten, das Lieferketten und Emissionen darstellt, mit integrierten grünen Energiesymbolen. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

0 veröffentlicht. Die neuen Richtlinien geben Unternehmen mehr Spielraum bei der Erreichung ihrer Klimaziele – vor allem bei Emissionen in der Wertschöpfungskette.

Mehr Flexibilität bei Scope 3

Die wichtigste Neuerung: Erstmals dürfen Unternehmen unter bestimmten Bedingungen Umweltzertifikate einsetzen, um indirekte Emissionen (Scope 3) auszugleichen. Bisher lag der Fokus fast ausschließlich auf direkter Reduktion in den eigenen Lieferketten.

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Außerdem wurde die Pflicht zur Festlegung von Langfristzielen unter speziellen Voraussetzungen aufgehoben. Neu ist auch eine „Best efforts“-Klausel: Sie greift, wenn Unternehmen ihre Zwischenziele trotz nachweisbarer Bemühungen nicht erreichen.

SBTi-Vorsitzender David Kennedy beschrieb die Organisation als Partner für die praktische Umsetzung von Klimastrategien.

Strengere Vorgaben für Strom und Standorte

Während die Regeln für die Wertschöpfungskette gelockert wurden, gelten für direkte Emissionen (Scope 1) und eingekaufte Energie (Scope 2) strengere Auflagen. Unternehmen müssen Stromverbrauch und andere Emissionen künftig getrennt behandeln.

Emissionsgutschriften und Grünstromzertifikate unterliegen nun verschärften geografischen Anforderungen: Projekte müssen in derselben Region liegen, in der die Emissionen anfallen. Beim Strombezug bleibt ein jährliches Matching mit kohlenstoffarmen Quellen wie PPAs zulässig. Große Verbraucher mit über 10 Gigawattstunden Jahresbedarf sollen jedoch künftig stündlich berichten.

Geteiltes Echo aus Wirtschaft und Verbänden

Die Reform sorgt für gemischte Reaktionen. Marktakteure wie die Rating-Agentur Sylvera begrüßten die Entscheidung als notwendigen Realitätsscheck. Auch der WWF zeigte sich grundsätzlich positiv, mahnte aber klare und transparente Umsetzungsregeln an.

Kritik kommt von mehreren NGOs und Pensionsfonds. Sie befürchten, dass die Aufweichung auf Lobbyarbeit großer Tech-Konzerne zurückgeht. Umweltverbände wie der NRDC warnen vor einer Schwächung etablierter Protokolle wie dem Greenhouse Gas Protocol. Rikke Berg Jacobsen vom Pensionsfonds AkademikerPension zeigt sich besorgt über eine mögliche Entwertung der Standards.

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Unternehmen ziehen trotzdem weiter

Trotz der Debatte setzen viele Firmen ihre Transformation fort. Der US-Konzern Promega erhielt kürzlich die Validierung für seine Ziele bis 2030: 47 Prozent weniger Scope-1- und Scope-2-Emissionen sowie 42 Prozent weniger Scope-3-Emissionen gegenüber 2023. In Indonesien wurde der Net-Zero-Plan von BDO bestätigt – mit einer Reduktion um 90 Prozent bis 2050.

Auf kommunaler Ebene zeigt sich ein differenziertes Bild: Während Mannheim sein Ziel der Klimaneutralität bis 2030 aufgab, hält Bremen am Vorhaben fest, bis 2038 eine Reduktion um 95 Prozent zu erreichen. Parallel dazu hat die EU Reformen am Emissionshandel ETS2 beschlossen – unter anderem eine Ausweitung der Marktstabilitätsreserve auf 600 Millionen Zertifikate, um die Preise für Endverbraucher ab 2028 abzufedern.

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