Schichtwechsel, Menschen

Schichtwechsel 2026: 20 Menschen mit Behinderung starten in Kita-Jobs

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Behörden und Unternehmen ermöglichten Menschen mit Behinderungen Einblicke in neue Tätigkeiten und erprobten Wege in den allgemeinen Arbeitsmarkt.

Aktionstag Schichtwechsel: Inklusion und Jobtausch bundesweit im Fokus
Heller und freundlich gestalteter Gruppenraum einer Kindertagesstätte mit kindgerechtem Mobiliar und Spielmaterialien. Illustration mit AI erstellt.

Im Rahmen des bundesweiten Aktionstags „Schichtwechsel“ hat der niedersächsische Sozialminister Dr. Andreas Philippi am 24. September 2026 die Kindertagesstätte Ruther Straße in Pattensen besucht.

Der Besuch galt insbesondere dem Projekt „Inklusion in Kita-Teams“, das vom Paritätischen Niedersachsen initiiert und von der Aktion Mensch gefördert wird. Ziel der Initiative ist die nachhaltige Eingliederung von Menschen mit Behinderungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt.

Im Mittelpunkt des Termins stand der Werdegang von Christina Nolte, die seit dem 15. Mai 2026 als angehende Kita-Assistentin in der Einrichtung des MOBILE e.V. tätig ist. Sie zählt zu den ersten 20 Personen in Niedersachsen, denen über dieses spezifische Projekt der Übergang in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung innerhalb des Kita-Sektors ermöglicht wurde. Das Projekt ist bis August 2027 befristet, wobei im Anschluss eine Ausweitung auf weitere Regionen und Tätigkeitsfelder geplant ist.

Behörden und öffentliche Institutionen stärken Austausch

Der Aktionstag, der 2026 zum achten Mal stattfand und von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) koordiniert wird, verzeichnete eine breite Beteiligung öffentlicher Arbeitgeber.

Bundesweit öffneten 19 Hauptzollämter ihre Türen für Beschäftigte aus Werkstätten. In Kiel erhielten 30 Beschäftigte der Stiftung Drachensee Einblicke in die Arbeit des Hauptzollamts, während sechs Zollbeamte im Gegenzug in verschiedenen Bereichen der Stiftung mitarbeiteten.

Ähnliche Kooperationen wurden in Münster und Erfurt umgesetzt. Das Hauptzollamt Erfurt tauschte Personal mit den Werkstätten des Lebenshilfewerks Ilmenau/Rudolstadt. In diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass die Beschäftigungsquote schwerbehinderter Menschen beim Hauptzollamt Erfurt bei rund 9 % liegt, womit die Behörde die gesetzlichen Mindestvorgaben übertrifft.

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In Potsdam besuchte Oberbürgermeisterin Noosha Aubel die DRK-Werkstätten am Silbergraben, um sich über Arbeitsbereiche wie Elektrorecycling und Industriereinigung zu informieren. Ein Gegenbesuch einer Werkstatt-Beschäftigten im Rathaus wurde für den 28. September 2026 angekündigt.

Regionale Premieren und wirtschaftliche Vernetzung

Erstmals beteiligte sich im Jahr 2026 auch der Kreis Lippe an der Initiative. Unter Koordination der Lebenshilfe Detmold erhielten sieben Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt zu erproben. So war Adrian Dück in einem Malerbetrieb im Einsatz, während im Gegenzug der Maler-Auszubildende Gabriel Töws in der Tischlerei der Werre-Werkstatt Detmold hospitierte.

In Lübeck beteiligten sich insgesamt 35 Unternehmen an dem Format, um über die Marli GmbH potenzielle Arbeitskräfte für den regulären Arbeitsmarkt zu identifizieren. In Leverkusen ermöglichten Unternehmen wie Currenta, die Pronova BKK und die Volksbank Raiffeisenbank den Arbeitsplatztausch.

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Hierbei wurde auf das Modell der betriebsintegrierten Arbeitsplätze (BiAP) verwiesen, bei dem Beschäftigte weiterhin über ihre Werkstatt angestellt bleiben und von Jobcoaches begleitet werden, während sie direkt in den Betrieben arbeiten.

Fokus auf Gesundheitswesen und Dienstleistungen

Auch im Gesundheitssektor fand ein reger Austausch statt. Das Sana-Herzzentrum Cottbus beteiligte sich zum zweiten Mal. Eine Beschäftigte der lokalen Lebenshilfe-Werkstätten begleitete einen Servicetechniker durch die Klinik, die jährlich mehr als 4.500 stationäre Patienten behandelt. Die Pflegedirektorin Manuela Lehmann hob hervor, dass Integration für die Klinik ein zentrales Anliegen sei.

In Ludwigshafen und Frankenthal nutzten Teilnehmer die Gelegenheit zur beruflichen Orientierung. Ein sehbehinderter Mitarbeiter der Ludwigshafener Werkstätten wechselte für den Aktionstag in ein Dialysezentrum nach Frankenthal. In Norden (Niedersachsen) wurde der Austausch zwischen der Behindertenhilfe Norden und der AG Reederei Norden-Frisia organisiert, wobei eine Teilnehmerin als Besatzungsmitglied auf einem Elektrokatamaran eingesetzt wurde.

Hintergrund und bundesweite Bedeutung

Der Aktionstag „Schichtwechsel“ wurde 2019 ins Leben gerufen, um Berührungsängste abzubauen und die Durchlässigkeit zwischen Werkstätten für behinderte Menschen und dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu erhöhen. Dass die Initiative an Bedeutung gewinnt, zeigen die Teilnehmerzahlen des Vorjahres: 2025 beteiligten sich bundesweit rund 370 Werkstätten mit etwa 4.800 Teilnehmenden.

In Baden-Württemberg nahmen am aktuellen Aktionstag rund 90 Betriebe und 30 Werkstätten teil. Ein Beispiel für die langfristige Wirkung lieferte die Stiftung Liebenau in Leutkirch: Ein Teilnehmer des Jahres 2025 absolviert seither ein regelmäßiges Praktikum in einem Ferienpark, um sich dauerhaft für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren.

Mehr zum Thema bei SWR: „Schichtwechsel: Jobtausch für Menschen mit und ohne Behinderung“

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