Schmerztherapie, Cannabis-Extrakt

Schmerztherapie: Cannabis-Extrakt VER-01 reduziert Rückenschmerzen um 1,9 Punkte

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 07:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Artikel beleuchtet multimodale Schmerztherapie, neue Arzneioptionen, regionale Gesundheitszentren und politische Impulse für bessere Versorgung.

Chronische Schmerzen: Neue Therapien und Versorgungskonzepte im Fokus
Ein heller, steriler Flur in einem modernen Krankenhaus mit sanftem Tageslichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Weender Visite“ thematisiert das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende am Dienstag, den 15. September, die Behandlung chronischer Schmerzen. Im Seminarraum des Hauses 6 referiert Chefarzt Dr. Philipp Altmannsberger ab 18 Uhr über die Ansätze der multimodalen Schmerztherapie.

Die Veranstaltung, die bei freiem Eintritt besucht werden kann, richtet sich an Betroffene und Interessierte, um über komplexe Behandlungsstrategien aufzuklären. Ein weiterer Termin der Reihe ist bereits für den 17. November geplant, bei dem Prof. Peter Neumann über Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten informieren wird.

Fortschritte in der Schmerzbehandlung und neue Therapieoptionen

Die Bedeutung spezialisierter Schmerztherapie zeigt sich auch in internationalen Entwicklungen. Am Hospital Universitario de Dénia ist seit etwa sechs Monaten eine Einheit für akute Schmerzen (Unidad de Dolor Agudo) in Betrieb, die bereits rund 100 stationäre Patienten betreut hat.

Dort kommen verstärkt kontinuierliche Nervenblockade-Katheter zum Einsatz, insbesondere bei komplexen Frakturen, Amputationen oder abdominalen Eingriffen. Diese Maßnahmen ergänzen die bestehende Versorgung für chronische Schmerzpatienten.

Parallel dazu zeichnen sich neue pharmakologische Optionen ab. Für die Monotherapie bei chronischen unteren Rückenschmerzen mit neuropathischer Komponente wurde das Cannabis-Vollspektrumextrakt VER-01 zugelassen, sofern Nicht-Opioid-Analgetika keine ausreichende Wirkung zeigen.

Eine Phase-III-Studie mit 820 Teilnehmern belegte über zwölf Wochen eine Schmerzreduktion von 1,9 Punkten im Vergleich zu 0,6 Punkten unter Placebo. Eine weitere Untersuchung über sechs Monate zeigte eine Reduktion um 2,50 Punkte gegenüber 2,16 Punkten in der Opioid-Vergleichsgruppe. Die Markteinführung in Deutschland und Österreich ist für September vorgesehen.

Zudem lieferte ein umfassender Review Anfang des Jahres neue Erkenntnisse zur Behandlung von Kniearthrose. Die Analyse von 113 randomisierten Studien mit knapp 8.000 Teilnehmern deutet darauf hin, dass die tägliche Einnahme von 5 bis 10 Gramm hydrolysiertem Kollagen über acht bis zwölf Wochen Schmerzen und Steifigkeit moderat lindern kann.

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Ein Nachweis für den Aufbau von Knorpelgewebe konnte jedoch nicht erbracht werden; Experten betonen weiterhin die Bedeutung von Krafttraining als primäre Maßnahme.

Ausbau der regionalen Versorgungsstrukturen

Um die Versorgung in der Fläche zu verbessern, entstehen derzeit zahlreiche neue Einrichtungen. In Wörgl nahm am Montag die vierte Primärversorgungseinheit (PVE) Tirols unter der Leitung des Diakoniewerks ihren Betrieb auf.

Das Team im Palais Stawa besteht aus sechs Ärzten sowie Fachkräften aus den Bereichen Diätologie, Sozialarbeit und klinische Psychologie. Die Ärztekammer äußerte im Zuge dieser Eröffnung jedoch Kritik an einem möglichen Personalabzug aus ländlichen Regionen.

In Nordrhein-Westfalen hat das MVZ Schwalm-Nette seinen Betrieb an den Standorten Brüggen und Schwalmtal aufgenommen, nachdem die beteiligten Räte im März 2025 eine interkommunale Lösung beschlossen hatten. Mit 13 Ärzten und 50 nichtärztlichen Mitarbeitenden wird dort angestrebt, rund 90 Prozent der medizinischen Anliegen direkt vor Ort zu klären. Ein Großteil der Patienten, etwa 45 Prozent, ist älter als 60 Jahre.

Weitere Neuerungen im Gesundheitssektor betreffen die Eröffnung des Gesundheitszentrums Werneck, das unter anderem Praxen für Physiotherapie und Ergotherapie beherbergt, sowie die geplante Eröffnung einer Praxis für Heilmassage und Schmerztherapie durch Patrick Suklitsch-Wilplinger in Judenburg zum 1. Oktober.

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In der Provinz Namur wurde zudem das erste spezialisierte Zentrum für Endometriose unter der Leitung von Dr. Julie Duerinckx eingeweiht, um der chronischen Erkrankung, die jede zehnte Frau betrifft, multidisziplinär zu begegnen.

Prävention am Arbeitsplatz und politische Forderungen

Neben der akuten Therapie rückt die Prävention in den Fokus. Die Deutsche Hochdruckliga hat ihr Informationsangebot für Betriebsärzte erweitert, da laut Gesundheitsatlas Deutschland etwa 20 bis 40 Prozent der 20- bis 64-Jährigen von Bluthochdruck betroffen sind.

Im ersten Halbjahr 2026 wurden bereits über 55.000 Informationsmaterialien von mehr als 150 Betrieben abgerufen, was einer Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Die AOK Rheinland/Hamburg fordert unterdessen ein Primärversorgungsgesetz, um ärztliche Leistungen verstärkt durch Physician Assistants oder Community Health Nurses zu substituieren. Nach Ansicht der Versicherung setze das aktuelle System Fehlanreize durch die Belohnung häufiger Arztkontakte.

Daten des Barmer Versorgungskompasses stützen die Debatte um Ambulantisierung: Demnach wäre im Jahr 2025 fast jede fünfte vollstationäre Behandlung (ca. 3,5 Millionen Fälle) grundsätzlich ambulant durchführbar gewesen.

Abschließend mahnen arbeitsrechtliche Entscheidungen zur Vorsicht im Umgang mit krankheitsbedingten Fehlzeiten. Das Landesarbeitsgericht Hamm bestätigte die Wirksamkeit einer fristlosen Kündigung in einem Fall, in dem ein Arbeitnehmer nach einem abgelehnten Urlaubsantrag den Gang zum Arzt ankündigte und sich unmittelbar darauf krankmeldete. Ein solches Verhalten könne den Beweiswert einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erschüttern, so das Gericht.

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