Schokoladenpreise: Weihnachtsproduktion in Bochum läuft auf Hochtouren
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIm Bochumer Schokoladenwerk Ruth läuft knapp drei Monate vor Heiligabend die Produktion von Nikoläusen, Adventskalendern und Weihnachtsfiguren für das Weihnachtsgeschäft.
Weihnachten beginnt in der Süßwarenbranche früh
Die Fertigung startet bereits im Frühsommer, weil der Lebensmittelhandel saisonale Produkte Monate im Voraus bestellt. Ab September steigt bei vielen Menschen traditionell die Nachfrage nach Weihnachtssüßwaren.
Bei Ruth entstehen rund 70 Prozent der Produkte in Handarbeit und 30 Prozent mit maschineller Unterstützung. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen Farben und Muster mit Pinseln auf, füllen anschließend flüssige Schokolade in Formen und lassen die Figuren aushärten.
Mehr als 600 Produkte im Sortiment
Das Unternehmen stellt unter anderem Schokobären, Schneemänner, Tannenbäume und Nikolausköpfe her. Auch Pralinen werden per Hand verziert. Mehr als 600 Produkte verlassen das Werk, 60 bis 70 Prozent davon werden für andere Marken gefertigt.
Zum Sortiment gehören außerdem Adventskalender und Sonderanfertigungen für Unternehmen. Ruth verkauft seine Erzeugnisse über Fachhandelsketten, Supermärkte, Feinkostläden, ein eigenes Geschäft mit Café und den Onlinehandel.
Hohe Preise bremsen die Nachfrage
Eine belastbare Prognose für die Verbraucherpreise in der Vorweihnachtszeit 2026 gibt es nach Angaben der Branche noch nicht. Einzelne Markenhersteller haben jedoch Preissenkungen angekündigt; bei manchen Weihnachtsmann-Sorten sollen sie mehr als 20 Prozent betragen.
Im Ostergeschäft war die Nachfrage nach Markenartikeln wegen hoher Preise bereits geschwächt. Der Absatz von Weihnachtsschokolade sank 2025 nach Angaben des Marktforschungsunternehmens NIQ insgesamt um zwölf Prozent.
Schokolade braucht stabile Temperaturen
Schokolade war im April 2026 knapp zehn Prozent teurer als ein Jahr zuvor, im Januar hatte der Anstieg im Jahresvergleich 21 Prozent erreicht. Neben Kakao belasten die Hersteller Energie- und weitere Rohstoffkosten.
Auch die sommerliche Hitze stellt die Produktion vor Probleme. Bei Temperaturen über 23 Grad verarbeite sich Schokolade nicht mehr zuverlässig, weshalb Ruth zwei neue Klimaanlagen einbaut und nach weniger hitzeempfindlichen Sommerprodukten sucht.
,Hohe Rohstoffkosten prägen den Markt
Schokolade bleibt 2026 ein besonders preissensibles Lebensmittel. Der dpa-Meldung zufolge war Schokolade im April knapp zehn Prozent teurer als ein Jahr zuvor; im Januar hatte der Abstand sogar 21 Prozent betragen. Ursache sind vor allem die stark gestiegenen Kakaokosten, hinzu kommen Energie- und weitere Rohstoffpreise.
Für das Weihnachtsgeschäft bedeutet das einen Spagat: Hersteller müssen saisonale Ware Monate vor dem Verkauf planen, während Verbraucher auf höhere Preise mit Zurückhaltung reagieren. Der bereits 2025 um zwölf Prozent gesunkene Absatz von Weihnachtsschokolade zeigt, dass Preissteigerungen die Nachfrage unmittelbar beeinflussen können. Rabatte und günstigere Eigenmarken dürften deshalb für viele Haushalte an Bedeutung gewinnen.
Weihnachtsgeschäft als Belastungsprobe
Die angekündigten Preissenkungen einzelner Marken können den Wettbewerb im Handel verschärfen, ändern aber nichts an den strukturellen Kostenrisiken. Besonders kleinere und handwerklich arbeitende Produzenten müssen steigende Energie-, Kühl- und Lagerkosten auffangen. In Bochum wird zudem sichtbar, wie stark die Produktion vom Klima abhängt: Temperaturen über 23 Grad erschweren die Verarbeitung und können zusätzliche Investitionen in die Kühlung erforderlich machen.
Für Verbraucher heißt das: Die Preise einzelner Nikoläuse, Adventskalender und Pralinen werden sich stärker unterscheiden als früher. Wer vergleicht, kann von Aktionen profitieren; zugleich bleibt offen, wie weit Hersteller die Rohstoff- und Energiekosten im weiteren Jahresverlauf weitergeben müssen.
