Schülerrat, Brandenburg

Schülerrat Brandenburg: Zehn-Punkte-Plan für mehr Mitsprache in Schulen

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 10:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Landesschülerrat Brandenburg verlangt mehr Mitbestimmung in Schulen, während Jugendparlamente und Beiräte neue Beteiligungswege schaffen.

Jugendbeteiligung: Brandenburgs Schüler fordern politische Reformen
Ein heller, leerer Schulsaal mit moderner Architektur und großen Fensterfronten. Illustration mit AI erstellt.

Die aktive Teilhabe junger Menschen an demokratischen Prozessen gewinnt auf kommunaler Ebene sowie in Bildungseinrichtungen zunehmend an Bedeutung. Ob über Schülervertretungen, kommunale Jugendparlamente oder institutionalisierte Beiräte auf Bundesebene: Jugendliche und zivilgesellschaftliche Organisationen pochen verstärkt auf verlässliche Strukturen, um eigene Interessen wirksam in politische Entscheidungen einzubringen.

Forderungen nach Reformen im Bildungswesen

Ein deutliches Signal für mehr Mitsprache setzte der Landesschülerrat Brandenburg. Das Gremium legte am 18. September 2026 einen Zehn-Punkte-Plan an Politik und Verwaltung vor.

Zu den Kernforderungen gehören die Schaffung von einer Schulsozialarbeiterstelle pro 150 Schüler, die Abschaffung unangekündigter Leistungstests sowie die Einführung von Politischer Bildung als Pflichtfach von der fünften Klasse bis zum Schulabschluss.

Zudem verlangt die Vertretung Medienbildung ab Klasse 3 als eigenständiges Fach, eine Überarbeitung des Benotungssystems und die Abkehr vom Frontalunterricht als Standard.

Ergänzend fordert der Schülerrat die Umwandlung von Schülertickets in Deutschlandtickets, eine stärkere Förderung von Gesamtschulen, gesetzlich verankerte Streikrechte für Schüler sowie eine verbindliche Beteiligung an Rahmenlehrplänen.

Landesschülersprecher Jakob Stamm erklärte, dass gelebte Beteiligung dazu beitrage, Zukunftsängste abzubauen. Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) kündigte an, die Vorschläge prüfen zu wollen, verwies zugleich jedoch auf die finanziellen Grenzen des Landes.

Auch direkte Aktionen zeigen Wirkung: Vor der Stadthalle Apolda demonstrierten Schüler, Lehrkräfte und Eltern für den Wiederaufbau einer abgebrannten Schulaula. Der Kreistag Apolda entschied daraufhin, dass das Gymnasium Bergschule einen Neubau nach Sanierungsvariante B erhalten wird.

Kommunale Jugendgremien etablieren feste Beteiligungsrechte

Auf kommunaler Ebene schaffen Städte vermehrt feste Plattformen für die Jugendbeteiligung. In der Stadt Hannover steht die erste Wahl zum Jugendparlament an. Vom 21. bis zum 26. September 2026 können 12- bis 20-Jährige, die seit mindestens drei Monaten dort wohnen, digital ihre Stimme abgeben.

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Für Jugendliche ohne eigenes Endgerät stehen Wahlmöglichkeiten in Jugendzentren bereit. Um die 25 Sitze bewerben sich 63 Kandidaten. Das neu gewählte Gremium, dessen konstituierende Sitzung für den 12. November 2026 im Hodlersaal des Neuen Rathauses angesetzt ist, erhält Antrags- und Rederechte in zwölf Ratsausschüssen.

Ähnliche Strukturen bestehen in Maulbronn, wo im November 2026 die Wahl des Jugendgemeinderats stattfindet. Das Gremium verfügt über ein eigenes Budget, während die Geschäftsordnung Rede-, Anhörungs- und Antragsrechte im Gemeinderat bei allen jugendrelevanten Angelegenheiten garantiert.

In Lengerich wird die Beteiligung mit Fördergeldern des Landes Nordrhein-Westfalen über eine eigene App und Website ausgebaut. Zu den weiteren Vorhaben der Stadt gehören eine Bürgermeistersprechstunde für Acht- bis Elfjährige sowie Treffen für Zwölf- bis 25-Jährige. Im Jugendzentrum „Loeschwerk 10“ in Marktredwitz gestaltet ein vierköpfiger Hausrat die Abläufe mit, um Verantwortung vor Ort demokratisch zu organisieren.

Impulse auf Bundesebene und zum Weltkindertag

Zum Weltkindertag 2026 präsentierten UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk ein bundesweites Stimmungsbild, an dem über 1.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 17 Jahren teilnahmen. Zu den zentralen Anliegen zählten Sicherheit, Schutz, faire Bildungschancen sowie mehr Mitsprache.

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Viele Kommunen haben noch keine feste Vertretung für junge Menschen — dabei sichern eigene Gremien wie Jugendparlamente Rede-, Anhörungs- und Antragsrechte in Ausschüssen. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie Beteiligungssatzungen aufsetzen, Budgets einplanen und Wahlverfahren rechtssicher organisieren. Checkliste Jugendparlament jetzt sichern

Die Verbände verlangen konsequente Investitionen in Schutz, Bildung und Gesundheit – einschließlich mentaler Gesundheit –, eine Beteiligung junger Menschen auf allen politischen Ebenen und die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz. Einen Koffer mit gesammelten Wünschen übergaben die Organisationen an Staatssekretärin Mareike Lotte Wulf.

Parallel dazu bindet auch die Bundespolitik junge Perspektiven ein: Die Grünen-Bundestagsfraktion berief einen beratenden, nicht öffentlich tagenden Jugendbeirat ein, für den 23 Jugendorganisationen Vertreter unter 27 Jahren entsandten. Die jugendpolitische Sprecherin Denise Loop betonte das Ziel, Nachwuchsperspektiven strukturell in der parlamentarischen Arbeit zu verankern.

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