Schwerbehinderte: 1,14 Millionen beschĂ€ftigt, doch nur 39% der Betriebe erfĂŒllen Pflicht
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
1,14 Millionen schwerbehinderte Menschen waren 2024 auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschĂ€ftigt. Das ist ein neuer Höchststand, wie die Bundesagentur fĂŒr Arbeit (BA) meldet. Der Zuwachs von 1,5 Prozent lag deutlich ĂŒber dem allgemeinen BeschĂ€ftigungswachstum von 0,4 Prozent.
Noch viel Luft nach oben
Trotz des positiven Trends bleibt die ErwerbstĂ€tigenquote schwerbehinderter Menschen mit 50,9 Prozent weit hinter der allgemeinen Quote von 77,2 Prozent zurĂŒck. Auch bei der Arbeitslosigkeit zeigt sich die Kluft: WĂ€hrend die Gesamtarbeitslosenquote bei rund 6 Prozent liegt, waren schwerbehinderte Menschen 2024 mit etwa 12 Prozent doppelt so hĂ€ufig ohne Job.
FĂŒr 2025 verzeichnete die BA sogar einen Anstieg der Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe um 5,4 Prozent auf 185.000 Betroffene. Dabei liegt hier ein enormes Potenzial: Rund 52 Prozent der arbeitslosen Schwerbehinderten haben eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen akademischen Abschluss â im Vergleich zu 45 Prozent bei allen Arbeitslosen. Qualifizierte Bewerber mit Behinderung haben dennoch statistisch schlechtere Karten.
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Viele Unternehmen drĂŒcken sich vor der Pflicht
Arbeitgeber ab 20 BeschĂ€ftigten sind gesetzlich verpflichtet, einen Teil ihrer Stellen mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Doch von den rund 181.000 anzeigepflichtigen Betrieben erfĂŒllen nur 39 Prozent diese Vorgabe vollstĂ€ndig. 36 Prozent besetzen die Stellen teilweise, 25 Prozent beschĂ€ftigen gar keine schwerbehinderten Mitarbeiter.
Einige BundeslĂ€nder gehen mit eigenen Programmen voran. Schleswig-Holstein stellt etwa 5 Millionen Euro fĂŒr die Modernisierung von Inklusionsbetrieben bereit. Ein Modellprojekt zur beruflichen Teilhabe wurde bis 2027 verlĂ€ngert â mit jĂ€hrlich 1,5 Millionen Euro. Es locken PrĂ€mien von bis zu 10.000 Euro fĂŒr neue AusbildungsplĂ€tze, weitere 10.000 Euro bei unbefristeter Ăbernahme. Bisher wurden 146 Teilnehmer registriert. Die zustĂ€ndige Sozialministerin sieht einen inklusiven Arbeitsmarkt als âGewinn fĂŒr die gesamte Gesellschaftâ.
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Praxisprojekte zeigen neue Wege
Auch abseits klassischer Werkstattstrukturen entstehen innovative AnsÀtze. Beim Festival in Neukirchen-Vluven wurden Menschen mit Behinderung in Aufbau, Abbau und Logistik eingebunden. Ein Professor der IST-Hochschule begleitet das Projekt wissenschaftlich, um die Eignung neuer Arbeitsfelder zu evaluieren.
Finanziert werden solche MaĂnahmen unter anderem aus der Ausgleichsabgabe â jenen Strafzahlungen, die Unternehmen leisten mĂŒssen, wenn sie ihre BeschĂ€ftigungspflicht nicht erfĂŒllen.
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