Schwerbehinderung, Millionen

Schwerbehinderung: 1,14 Millionen arbeiten, Quote von 50,9% zu niedrig

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 01:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Zahl erwerbstätiger Schwerbehinderter erreicht 2024 einen Höchststand, doch die Erwerbsquote bleibt mit 50,9 Prozent deutlich hinter dem Durchschnitt zurück.

Schwerbehinderte am Arbeitsmarkt: Rekordbeschäftigung 2024
Ein diverses Team arbeitet in einem barrierefreien, modernen BĂĽro- und Handelsumfeld zusammen. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Die Zahl der erwerbstätigen Menschen mit Schwerbehinderung in Deutschland hat 2024 einen Höchststand erreicht. Rund 1,14 Millionen waren beschäftigt – ein Plus von 1,5 Prozent zum Vorjahr. Damit wuchs diese Gruppe fast viermal so stark wie der allgemeine Arbeitsmarkt (plus 0,4 Prozent).

Doch der Schein trügt: Die Erwerbstätigenquote liegt bei mageren 50,9 Prozent. Zum Vergleich: Im Rest der Bevölkerung sind es 77,2 Prozent. Von den rund 181.000 anzeigepflichtigen Betrieben kam gerade mal jedes dritte seiner gesetzlichen Pflicht vollständig nach. Jeder vierte Betrieb beschäftigte trotz Vorgabe gar keinen schwerbehinderten Menschen.

„Fachkräftepotenzial wird nicht ausgeschöpft“

Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, sieht hier enormen Nachholbedarf. „In dieser Gruppe liegt ein Fachkräftepotenzial, das angesichts des allgemeinen Personalmangels noch nicht ausreichend genutzt wird“, so Terzenbach.

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Arbeitslosigkeit steigt – trotz hoher Qualifikation

Paradox: Obwohl mehr Menschen mit Schwerbehinderung arbeiten, stieg 2025 auch die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe – um 5,4 Prozent auf 185.000 Personen. Die Arbeitslosenquote liegt mit 12 Prozent doppelt so hoch wie die allgemeine Quote.

Besonders brisant: Die Betroffenen sind oft besser qualifiziert als arbeitslose Menschen ohne Behinderung. Rund 52 Prozent haben einen Berufsabschluss. Für Unternehmen, die händeringend Fachkräfte suchen, wäre das eine wichtige Reserve.

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Schleswig-Holstein macht vor, wie Inklusion geht

Einige Bundesländer setzen gezielt auf Förderprogramme. Schleswig-Holstein stellte fünf Millionen Euro für die Modernisierung von Inklusionsbetrieben bereit. Das Modellprojekt „Übergänge schaffen – Arbeit inklusiv“ wurde bis 2027 verlängert – mit jährlich 1,5 Millionen Euro.

Die finanziellen Anreize fĂĽr Arbeitgeber sind konkret:

  • Bis zu 10.000 Euro Prämie fĂĽr einen neuen Ausbildungsplatz fĂĽr Menschen mit Behinderung
  • Weitere 10.000 Euro bei unbefristeter Ăśbernahme

Seit Projektstart 2021 haben 146 Personen teilgenommen. Sozialministerin Aminata Touré nennt einen inklusiven Arbeitsmarkt „einen Gewinn für alle“. Finanziert werden solche Maßnahmen aus der Ausgleichsabgabe – jenen Strafzahlungen, die Unternehmen leisten müssen, wenn sie die Beschäftigungsquote nicht erfüllen.

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