Tesla hat bisher 26 Umwelt-VorfĂ€lle in GrĂŒnheide gemeldet
28.09.2023 - 06:04:18Der US-Elektroautohersteller Tesla hat in seiner Fabrik in GrĂŒnheide bei Berlin seit der Eröffnung vor eineinhalb Jahren 26 Umwelt-Havarien gemeldet. Das geht aus Informationen des Brandenburger Landesamts fĂŒr Umwelt hervor, ĂŒber die der «Stern» berichtet und die auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.
Dazu zĂ€hlen ausgelaufene Stoffe wie Lack, Diesel sowie BrĂ€nde. Bei den VorfĂ€llen handelt es sich laut Landesumweltamt um Betriebsstörungen, nicht um StörfĂ€lle im Sinn der Störfallverordnung. Ein Teil des GelĂ€ndes liegt im Wasserschutzgebiet. Tesla weist Bedenken zurĂŒck.
Der Autobauer rĂ€umte ein, dass es auf dem FabrikgelĂ€nde wĂ€hrend der Bauarbeiten und seit der Inbetriebnahme mehrere VorfĂ€lle gegeben habe. Bei keinem der VorfĂ€lle habe es sich um einen Störfall nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz gehandelt, bei keinem Vorfall sei es zu UmweltschĂ€den gekommen, heiĂt es bei dem Unternehmen. Wenn nötig, seien KorrekturmaĂnahmen umgesetzt worden.
GefĂ€hrdung fĂŒr Trinkwasser
Der Leiter Ăkosysteme am Leibniz-Institut fĂŒr GewĂ€sserökologie und Binnenfischerei, Martin Pusch, sprach von einer grundsĂ€tzlich hohen GefĂ€hrdung mit Blick auf das Trinkwasser. «Es ist ein hohes Risiko der BeeintrĂ€chtigung der Trinkwasserversorgung aufgrund der geringen RĂŒckhaltekapazitĂ€t des Untergrunds», sagte Pusch der dpa.
Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (GrĂŒne) rĂ€umte auf Anfrage des «Sterns» ein, dass Probleme auf dem WerksgelĂ€nde aufgetaucht seien, sah aber keine Gefahr. Auf die Frage, ob er ausschlieĂen könne, dass das Grundwasser unter der Fabrik verseucht ist, sagte er laut «Stern»: «Kann ich ausschlieĂen. Die Ăberwachung funktioniert.»
Zu den Havarien zĂ€hlen Austritte von 15.000 Litern Lack, 13 Tonnen Aluminium sowie 50 und 150 Litern Diesel. Nach Informationen des Landesumweltamtes wurden Lack und Aluminium fachgerecht oder ordnungsgemÀà entsorgt. Bei Diesel sei der Boden in einem Fall ausgekoffert worden. Der «Stern» berichtete ĂŒberdies, nach einem Brand versickerten im September 2020 bis zu 300 Liter Löschwasser im Boden; in einer Tankstelle auf dem GelĂ€nde liefen 250 Liter Diesel im Mai 2023 aus. Das Landesumweltamt machte dazu keine Angaben.
Die Havarie vom April 2022 in der Lackiererei mit 15.000 Litern Farbmischung war bereits bekannt. Die untere Wasserbehörde des Landkreises Oder-Spree ordnete die FlĂŒssigkeit damals als schwach wassergefĂ€hrdend ein, sie sei nicht ins Grundwasser gelangt. Der Wasserverband Strausberg-Erkner sprach aber von einem Störfall.
Acht BrÀnde seit MÀrz 2022
Seit MÀrz 2022 gab es zudem acht BrÀnde. In einem Fall wurde laut Landesumweltamt ein Brand auf einem illegalen Abfallplatz im September 2022 durch eine geschredderte Batterie in einer Holztransportbox ausgelöst. Löschwasser sei aufgenommen, der betroffene unbefestigte Bereich ausgekoffert worden. Wenige Tage spÀter gerieten dort Pappe und Holz in Brand. Löschwasser sei versickert, die Bodenproben seien aber unauffÀllig gewesen.
Tesla stellt seit MĂ€rz 2022 in GrĂŒnheide Elektroautos her. Umwelt- und NaturschĂŒtzer sehen Gefahren, weil ein Teil der Fabrik in einem Wasserschutzgebiet liegt. Tesla hat Bedenken zurĂŒckgewiesen. In der Fabrik in GrĂŒnheide arbeiten nach jĂŒngsten Angaben des Unternehmens rund 11.000 Mitarbeiter, die hochgerechnet etwa 250.000 Fahrzeuge im Jahr herstellen. Tesla will das Werk ausbauen.


