Postdienste, Deutschland

Post scheitert mit Antrag auf Briefporto-Erhöhung

07.08.2023 - 09:36:44

Seit gut anderthalb Jahren kostet der Versand eines Standardbriefs 85 Cent. Geht es schon bald nach oben mit dem Preis? Solche PlÀne hatte die Post, bekam nun aber eine Abfuhr von einer Bonner Behörde.

Deutschlands Verbraucherinnen und Verbraucher bleiben von einer Erhöhung des Briefportos verschont. Ein Antrag auf eine vorzeitige Preisanhebung sei abgelehnt worden, teilte die Bundesnetzagentur am Montag in Bonn mit. Der Konzern hatte das Schreiben im Mai eingereicht, damit er den Versand von Briefen und Postkarten schon 2024 erhöhen darf und nicht erst 2025.

Den Antrag hatte die Post im Mai mit höheren Kosten begrĂŒndet, etwa fĂŒr Personal und Energie. Nach PrĂŒfung der eingereichten Daten teilte die Regulierungsbehörde aber mit, dass die Post die Kostensteigerungen nicht hinreichend nachgewiesen habe. «Wir sehen das herausfordernde Umfeld im Brief- und PaketgeschĂ€ft, aber nach den vorgelegten Daten reichen die Briefpreise aus, um die StĂŒckkosten zu decken», sagte Netzagentur-Chef Klaus MĂŒller und fĂŒgte hinzu, dass die Post in diesem Bereich weiterhin Gewinne erwirtschafte.

Nach ihren Berechnungen, die auf Basis des Post-Antrags getĂ€tigt wurden, liegen die StĂŒckkosten sogar leicht unter der Prognose von 2021. Die von der Post festgestellten deutlichen Abweichungen nach oben kann die Regulierungsbehörde nicht nachvollziehen.

RegelmĂ€ĂŸige Portoerhöhungen

Beim regulierten Bereich geht es um die Sendungen, die in BriefkĂ€sten eingeworfen oder in Filialen abgegeben wurden, also vor allem von Privatkunden. Die Preise fĂŒr GeschĂ€ftspost - ob Werbung oder Versicherungsschreiben - sind hingegen frei verhandelbar.

Das Porto von Standard-, Kompakt-, Groß- und Maxibriefen sowie Postkarten erhöht sich in der Regel alle drei Jahre. 2012 kostete zum Beispiel der Versand eines Standardbriefs im Inland noch 55 Cent, danach wurde er schrittweise teurer. Heute sind es 85 Cent. Die Firma ist bei der Verteuerung auf die Zustimmung der Bundesnetzagentur angewiesen. Dass die nun abwinkt, ist eine faustdicke Überraschung.

Die Post reagierte mit KopfschĂŒtteln. Man halte die Entscheidung der Bundesnetzagentur fĂŒr falsch, sagte Konzernchef Tobias Meyer. Der Kostendruck im Briefbereich verschĂ€rfe sich und Klimaschutz-Investitionen wĂŒrden unmöglich gemacht. Es gebe «ganz klar eine Erhöhung der StĂŒckkosten», sagte der Manager und verwies darauf, dass der Gewinn im Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland im ersten Halbjahr 2023 um 56,3 Prozent eingebrochen sei. Hierbei sind auch Pakete und GeschĂ€ftsbriefe eingerechnet.

Die Firma prĂŒft nun, wie sie den Effekt der Kostensteigerungen durch Kostensenkungen mildern kann. Ob und wo genau der Rotstift angesetzt werden könnte, ließ Meyer offen - denkbar ist, dass der Ausbau der Elektrofahrzeug-Flotte verlangsamt wird.

Die Gewerkschaft Verdi bezeichnete die Behördenentscheidung als «völlig unverstĂ€ndlich». Sie werde negative Folgen fĂŒr die Post-BeschĂ€ftigten haben, sagte Verdi-Vize Andrea Kocsis. Nötige Investitionen in eine nachhaltige flĂ€chendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Post-Dienstleistungen «werden nicht im erforderlichen Umfang umgesetzt werden können», warnte die Gewerkschafterin.

Dreistelliger Millionen-Euro-Betrag

Klar ist, dass dem Großkonzern ein nennenswerter Betrag entgeht: Die vorzeitige Portoerhöhung hĂ€tte der Firma nach eigenen Angaben im kommenden Jahr schĂ€tzungsweise einen unteren dreistelligen Millionen-Betrag an Umsatz gebracht. Auf eine Klage gegen den Behördenbeschluss wird die Post wohl verzichten, weil dafĂŒr die Zeit fehlt. «Es hilft uns nicht, 2025 Recht zu bekommen», sagte Meyer. Das jetzige Porto lĂ€uft im Januar 2025 aus - dann wird die Post höchstwahrscheinlich ohnehin ihre Preise anheben dĂŒrfen.

Beim Porto reicht die Post Zahlen ein, die von der Bundesnetzagentur ĂŒberprĂŒft werden. Dass die Firma und die Behörde auf Basis derselben Zahlen zwei völlig unterschiedliche SchlĂŒsse ziehen - die eine Seite hĂ€lt eine Portoerhöhung fĂŒr ĂŒberfĂ€llig, die andere fĂŒr nicht angebracht -, ist kurios. Hierbei könnte eine Rolle spielen, dass die Post gewisse finanzielle Lasten stĂ€rker gewichtet als die Behörde.

Folgen der Inflation strittig

Zudem bezieht sich die Firma in ihrer Pro-Erhöhungs-Argumentation unter anderem auf eine Inflationsquote von 6,9 Prozent im Jahr 2022, wĂ€hrend die Netzagentur in Bezug auf das Porto nur von 2,0 Prozent ausging. Allerdings sind beide Werte nur schwer miteinander vergleichbar, schließlich handelt es sich bei den 6,9 Prozent um die allgemeine Teuerungsrate inklusive Lebensmitteln - und die sind fĂŒr das Post-GeschĂ€ft unerheblich. Nach Darstellung der Bundesnetzagentur sind die Kosten des Postdienstleisters lĂ€ngst nicht so stark gestiegen, wie die hohe Inflationsrate vermuten lasse.

Im Internetzeitalter sinkt die Briefmenge seit Jahren. 2017 beförderte die Post in Deutschland laut Zahlen der Bundesnetzagentur 12,9 Milliarden Sendungen im Briefbereich, fĂŒnf Jahre spĂ€ter waren es nur noch 10 Milliarden - ein Minus von 22 Prozent.

Reaktionen aus der Politik

Der SPD-Abgeordnete Sebastian Roloff sagte, dass es nachvollziehbare Argumente fĂŒr eine vorzeitige Portoerhöhung gegeben habe. Daher sei er von der Ablehnung «etwas ĂŒberrascht». Der Liberale Reinhard Houben sagte, dass die Netzagentur ĂŒber nicht-öffentliche Zahlen verfĂŒge, «die es ihr ermöglichen, genau zu prĂŒfen, ob die Briefpreise hoch genug sind, um die Zustellkosten zu decken».

Die Bundespolitik befasst sich derzeit mit der Reform des veralteten Postgesetzes, ein erster Entwurf der Gesetzesnovelle dĂŒrfte im SpĂ€tsommer oder Herbst auf den Tisch kommen. Die Post wirbt hierbei fĂŒr Rahmenbedingungen, die sie entlastet. 

@ dpa.de