Spritpreis steigt trotz Preisbremse - Diesel auf Rekordhoch
02.04.2026 - 14:05:24 | dpa.deTrotz MaĂnahmen der Bundesregierung gegen den Anstieg der Spritpreise ist Diesel in Deutschland so teuer wie nie. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt kostete ein Liter am Mittwoch 2,327 Euro und ĂŒbertraf damit den alten Rekord aus dem MĂ€rz 2022 um 0,6 Cent, wie aus Daten des ADAC hervorgeht. Die Zahl ist nicht inflationsbereinigt.Â
Auch Superbenzin E10 verteuerte sich am ersten Tag nach Inkrafttreten der neuen Tankstellenregeln weiter: Der bundesweite Durchschnittspreis lag laut ADAC bei 2,129 Euro je Liter, ein neuer Jahreshöchststand.
Neue Preisrunde am MittagÂ
FĂŒr die Bundesregierung ist das ein unglĂŒckliches Zusammentreffen von Preisrekord und neuer Vorschrift, denn am Mittwoch waren die von der Politik im Eilverfahren beschlossenen Regeln in Kraft getreten: Nun dĂŒrfen die Spritpreise an den Tankstellen nur noch einmal tĂ€glich um 12 Uhr mittags erhöht werden.
Am Donnerstagmittag sprangen die Preise dann laut ADAC bundesweit ein weiteres Mal in die Höhe: Von durchschnittlich 2,297 Euro pro Liter Diesel um 11.45h auf 2,415 Euro um 12.15 h. Super E10 verteuerte sich innerhalb dieser halben Stunde laut ADAC von 2,10 auf 2,198 Euro. Dies sind nicht Tagesdurchschnitte, sondern die Höchstwerte. Preisspitzen gab es auch vor Inkrafttreten der neuen Regel, aber nicht mittags, sondern wĂ€hrend der morgendlichen Rushhour.Â
Diesel ist fĂŒr mehrere Branchen von groĂer Bedeutung
Doch warum schieĂen die Dieselpreise besonders in die Höhe? Das liegt daran, dass Diesel - anders als Superbenzin - fĂŒr mehrere Branchen von essenzieller Bedeutung ist. Dazu zĂ€hlen Logistik, Landwirtschaft und Bau. Lkw, Baumaschinen, Traktoren und viele GĂŒterzĂŒge tanken Diesel. Private Autobesitzer haben die Möglichkeit, zumindest in ihrer Freizeit weniger zu fahren und Kosten zu sparen. Ein Bauer dagegen muss im FrĂŒhjahr seine Felder bestellen, der Lkw-Fahrer seine Fracht ausliefern.Â
ADAC: JĂŒngste Preiserhöhungen nicht notwendig
Der ADAC kritisierte die Preiserhöhungen, da der Rohölpreis zwischen 31. MĂ€rz und dem 1. April gesunken sei. «Die Sorge des ADAC scheint sich zu bestĂ€tigen, dass Mineralölkonzerne im Zweifel einen Risikoaufschlag machen, weil sie Kraftstoffpreise nur noch einmal tĂ€glich erhöhen können», sagte ein Preisexperte des Autoclubs in MĂŒnchen.Â
Die Neuregelung reduziere das hohe Preisniveau offenbar eher nicht. «Nach Ăberzeugung des ADAC ist es nun Aufgabe des Bundeskartellamtes, Mineralölkonzerne zur MĂ€Ăigung zu bewegen.»
DĂŒsteres Szenario am Horizont
Inflationsbereinigt ist Diesel in Deutschland allerdings immer noch gĂŒnstiger als vor vier Jahren: Die Teuerungsraten waren 2022 und 2023 wegen des Ukraine-Kriegs hoch. Doch sollte es US-PrĂ€sident Donald Trump nicht gelingen, den von den USA und Israel begonnenen Iran-Krieg wieder zu beenden, warnen Ăkonomen bereits vor gravierenden wirtschaftlichen Folgen, nicht nur fĂŒr Deutschland, sondern fĂŒr die ganze Welt.
Der weltweite tĂ€gliche Ălverbrauch belĂ€uft sich nach Zahlen der Internationalen Energieagentur IEA auf etwas ĂŒber 100 Millionen FĂ€sser (Barrel zu je 159 Liter). Wegen des Iran-Kriegs stehen nach SchĂ€tzung des britischen Wirtschaftsforschungsinstituts Oxford Economics dem Weltmarkt tĂ€glich etwa zehn Millionen FĂ€sser weniger zur VerfĂŒgung.Â
Zwar fĂŒhrt der Krieg auch dazu, dass die weltweite Nachfrage ein wenig sinkt. Doch sollte der Krieg ein halbes Jahr andauern, könnte Ăl im SpĂ€tsommer demnach so knapp werden, dass insbesondere SchwellenlĂ€nder ihren Verbrauch rationieren mĂŒssten, schreiben die Ăkonomen in einer Analyse. FĂŒr diesen Fall prophezeit das Institut eine globale Rezession.Â
Das MĂŒnchner Ifo-Institut hatte schon vor drei Wochen gewarnt, dass die weltweiten strategische Ălreserve begrenzt sei und innerhalb weniger Monate aufgebraucht sein könne.
Politik und VerbÀnde ringen um Lösungen
FĂŒr Politik und VerbĂ€nde in Deutschland hingegen sind der Anstieg der Energiepreise und eine womöglich drohende Knappheit Treibstoff fĂŒr Debatten. Die VorschlĂ€ge sind zahlreich und kommen aus allen Richtungen.Â
Zu den bisher vorgebrachten Ideen zĂ€hlen unter anderem: eine Entlastung ĂŒber eine temporĂ€r erhöhte Pendlerpauschale, eine befristete Senkung der Energiesteuer, eine staatlich verordnete Spritpreisbegrenzung oder eine «Ăbergewinnsteuer» fĂŒr Mineralölkonzernen. Letzterem Vorschlag hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bereits eine Absage erteilt.
