Sicherheit am Arbeitsplatz: Neue Brandschutzgesetze in Brandenburg und Liechtenstein
13.05.2026 - 19:25:38 | boerse-global.de
Brandenburg und Liechtenstein verschärfen ihre Brandschutzgesetze – Betriebe müssen umdenken.
Am 12. Mai 2026 verabschiedeten gleich zwei Kabinette wegweisende Entscheidungen für den Brandschutz. Das Brandenburger Landeskabinett billigte einen Gesetzesentwurf zur Novelle des Brand- und Katastrophenschutzgesetzes, während die Regierung Liechtensteins eine Totalrevision des Feuerwehrgesetzes auf den Weg brachte. Beide Vorhaben zielen darauf ab, die Sicherheitsstrukturen an moderne Anforderungen anzupassen.
Werksfeuerwehren werden Teil der öffentlichen Sicherheit
Der Brandenburger Entwurf sieht eine formelle Integration von Werksfeuerwehren in die kommunale Feuerwehrstruktur vor. Das ist eine direkte Antwort auf ein wachsendes Problem: Viele freiwillige Feuerwehrleute pendeln weite Strecken zu ihren Arbeitsplätzen, sodass die örtlichen Einheiten während der Geschäftszeiten oft unterbesetzt sind.
Die Neuregelung erlaubt zudem die Gründung gemeinsamer Werksfeuerwehren in Industriegebieten und präzisiert die Dienstpflichten von Ehrenamtlichen. Ergänzend führt das Gesetz aktualisierte Datenschutzbestimmungen für den Drohneneinsatz bei Rettungseinsätzen ein und schafft neue Richtlinien für den Kinder- und Jugendschutz in der Feuerwehr. Der Entwurf geht nun in den Landtag.
Parallel dazu verabschiedete Liechtensteins Regierung eine Stellungnahme zur Totalrevision des Feuerwehrgesetzes, das in seiner jetzigen Form seit 1974 gilt. Das modernisierte Regelwerk hält an den bewährten VKF-Brandschutzbestimmungen fest, räumt dem Amt für Bevölkerungsschutz aber die Befugnis ein, bei hoher Gefahr Feuerverbote auszusprechen. Die zweite Lesung im Landtag ist für Juni 2026 angesetzt, das Inkrafttreten für den 1. Januar 2027.
Um die gesetzliche Pflicht zur aktuellen Sicherheitsbewertung rechtssicher zu erfüllen, bieten spezialisierte Checklisten eine wertvolle Unterstützung. Dieser kostenlose Report hilft Sicherheitsfachkräften und Arbeitgebern dabei, Gefährdungsbeurteilungen zu erstellen, die von Aufsichtsbehörden sofort anerkannt werden. Kostenlose Vorlagen und Checklisten zur Gefährdungsbeurteilung jetzt sichern
Erste Hilfe: 94 Prozent der Beschäftigten fordern ausgebildete Helfer
Die menschliche Komponente der Arbeitssicherheit bleibt für deutsche Arbeitnehmer ein zentrales Thema. Laut dem aktuellen Newsletter der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) vom Mai 2026 halten 94 Prozent der Beschäftigten ausgebildete Ersthelfer für unverzichtbar im Arbeitsumfeld.
Diese deutliche Zustimmung kommt nicht von ungefähr: Die DGUV bereitet für den 19. Mai 2026 eine hochkarätige Veranstaltung in Berlin unter dem Titel „Wie krisenfest ist Deutschland?" vor. Die Konferenz soll die nationale Resilienz und die Wirksamkeit der aktuellen Präventionsstrategien bewerten.
Parallel dazu hat die DGUV aktualisierte Technische Regeln veröffentlicht, darunter die DGUV Regel 109-003 für Tätigkeiten mit Kühlschmierstoffen sowie neue Informationsblätter zur Arbeitssicherheit. Für Unternehmen, die ihre interne Expertise ausbauen wollen, bietet die DEKRA Academy ab Juni 2026 neue Qualifikationskurse zur Gefährdungsbeurteilung an – an 27 Standorten bundesweit. Die zweitägigen Programme richten sich an Unternehmer und Sicherheitsbeauftragte und fokussieren auf die gesetzliche Pflicht zur aktuellen Sicherheitsbewertung.
Spezielle Sicherheitsanforderungen in Industrie und Gewerbe
Neben dem allgemeinen Brandschutz verschärfen sich die technischen Anforderungen in bestimmten Branchen. Im medizinischen Bereich werden Thermodesinfektoren für bestimmte Dentalinstrumente praktisch zur Pflicht – vorgegeben durch die KRINKO/BfArM-Richtlinien. Die Anschaffungskosten für neue Geräte liegen zwischen 6.000 und 15.000 Euro, die jährlichen Betriebskosten können bis zu 3.000 Euro betragen. Das zeigt: Hygiene- und Sicherheitsstandards werden zunehmend teurer.
Im Logistik- und Lagerbereich erfordert der Brandschutz ein komplexes Zusammenspiel aus baulichen, technischen und organisatorischen Maßnahmen. Zwar sind Stahlregalanlagen nicht brennbar, doch sie verlieren bei großer Hitze ihre Tragfähigkeit – weshalb aktive Löschanlagen wie Sprinkler oder Sauerstoffreduzierungssysteme notwendig sind. Die hohe Brandlast durch Verpackungsmaterialien und dichte Lagerung macht diese Vorkehrungen unverzichtbar.
Auch auf kommunaler Ebene bleibt das Thema präsent: In Maintal organisierte die Stadtverwaltung am 12. Mai 2026 eine spezielle Hygieneschulung für örtliche Vereine, die die anhaltende Relevanz von Schutzmaßnahmen wie FFP2-Masken in bestimmten öffentlichen Bereichen unterstreicht. Das Städtische Klinikum Karlsruhe plant für den 19. Mai 2026 eine Fortbildung zum Thema „Hygiene im Rettungsdienst" unter Leitung von Dr. Karin Mrugalla.
Gefahrstoffe: EU bremst bei REACH-Reform
Der Umgang mit Gefahrstoffen bleibt ein Dauerbrenner. Auf den 15. Essener Gefahrstofftagen Mitte April 2026 diskutierten Branchenvertreter von Unternehmen wie BASF und Evonik über die Entwicklung der Chemikaliensicherheit – inklusive Cybersicherheit für Gefahrstoffanlagen und die anhaltenden Herausforderungen durch Asbest, der noch immer etwa 25 Prozent der vor 1995 errichteten Gebäude betrifft.
Während die REACH-Reform pausiert, rücken andere regulatorische Fristen für den Umgang mit Chemikalien näher. Viele Unternehmen unterschätzen die neuen CLP-Pflichten bis Mai 2025 und riskieren damit teure Konsequenzen bei der Gefahrstoffkennzeichnung. Experten-Report zur neuen CLP-Verordnung kostenlos herunterladen
Doch die regulatorische Entwicklung hat eine überraschende Wendung genommen: Die EU-Kommission hat ihre Pläne für eine umfassende Überarbeitung der REACH-Verordnung vorerst auf Eis gelegt. EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall begründete dies mit dem aktuellen wirtschaftlichen Umfeld – hohe Energiekosten und intensiver Wettbewerb aus Asien machten den falschen Zeitpunkt für eine solch tiefgreifende Regulierung. Diese Entscheidung entspricht den Forderungen von Bundeskanzler Friedrich Merz nach einem Bürokratieabbau und einer Lockerung von Umweltauflagen zur Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit.
Trotz dieser Pause schreiten andere Chemikaliensicherheitsmaßnahmen voran. Die Ende 2025 verabschiedete EU-Spielzeugsicherheitsverordnung führt strengere Regeln für PFAS und krebserregende Stoffe ein – mit einer Übergangsfrist bis 2030. Zudem startet die Einführung des Digitalen Produktpasses (DPP) im Februar 2027 mit Batterien, gefolgt von Textilien und Bauprodukten bis Ende des Jahrzehnts.
Infrastruktur: Sanierungsstau als Sicherheitsrisiko
Die Diskussion um Sicherheit und Brandschutz findet vor dem Hintergrund massiver Infrastrukturprobleme in deutschen Großstädten statt. In Berlin hat ein enormer Sanierungsstau zur Schließung mehrerer prominenter Gebäude geführt. Das Hauptgebäude der TU Berlin musste wegen Einsturzgefahr gesperrt werden, das Pergamonmuseum wird etappenweise saniert – die vollständige Fertigstellung ist nicht vor 2037 zu erwarten. Diese Langzeitprojekte, darunter auch die milliardenschwere Sanierung der Staatsbibliothek ab 2030, verdeutlichen den engen Zusammenhang zwischen Bauinstandhaltung und öffentlicher Sicherheit.
Die hohen Kosten der Sicherheit zeigen sich auch in der Verkehrsinfrastruktur. Die Deutsche Bahn führt derzeit eine grundlegende Reinigungs- und Instandhaltungsoffensive am Frankfurter Hauptbahnhof durch. Vom 14. April bis 29. Mai 2026 reinigen Industriekletterer 25.000 Quadratmeter Glasflächen und diverse technische Komponenten. Mit einem Budget von 350.000 Euro für das lokale Projekt ist dies Teil einer bundesweiten „Frühjahrsoffensive" an 1.400 Bahnhöfen.
Ausblick: Doppelbelastung für Sicherheitsverantwortliche
Die gesetzlichen Änderungen in Brandenburg und Liechtenstein zwingen Unternehmen, ihre Organisationsstrukturen anzupassen. Die Integration von Werksfeuerwehren in kommunale Netzwerke deutet auf eine stärkere Zusammenarbeit im Notfallmanagement hin – besonders in Industrieclustern.
Ab 2027 werden die neuen Brandschutzgesetze und die ersten Phasen des Digitalen Produktpasses Investitionen in sowohl physische Infrastruktur als auch digitale Berichtskapazitäten erfordern. Die Pause bei der REACH-Revision verschafft zwar kurzfristige Entlastung von neuen Chemikalienauflagen, doch der anhaltende Fokus auf PFAS und andere Gefahrstoffe in Produktkategorien wie Spielzeug zeigt: Der Trend zu strengeren Stoffkontrollen bleibt bestehen. Für Sicherheitsbeauftragte und Facility-Manager stehen in den kommenden Monaten akute Schulungsbedarfe und langfristige Planungen für strukturelle Resilienz gleichermaßen auf der Agenda.
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