Rekordverlust, Siemens

Rekordverlust bei Siemens Energy

15.11.2023 - 11:54:07 | dpa.de

Siemens Energy hat den höchsten Verlust seiner Geschichte bekanntgegeben, schuld sind Probleme im WindkraftgeschÀft. Im Rest des Konzerns lÀuft es eigentlich gut.

  • Siemens Energy hat den höchsten Verlust seiner Geschichte bekanntgegeben. Schuld sind Probleme im WindkraftgeschĂ€ft. Im Rest des Konzerns lĂ€uft es eigentlich gut. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
    Siemens Energy hat den höchsten Verlust seiner Geschichte bekanntgegeben. Schuld sind Probleme im WindkraftgeschÀft. Im Rest des Konzerns lÀuft es eigentlich gut. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
  • Christian Bruch, der Vorstandsvorsitzende von Siemens Energy, muss tiefrote Zahlen erklĂ€ren. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
    Christian Bruch, der Vorstandsvorsitzende von Siemens Energy, muss tiefrote Zahlen erklÀren. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
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Nach der BĂŒrgschaft kommt der Rekordverlust: Siemens Energy hat im abgelaufenen GeschĂ€ftsjahr 4,6 Milliarden Euro Verlust gemacht, wie der Konzern bekanntgab. Das ist das mit Abstand grĂ¶ĂŸte Minus in der jungen Geschichte des Energietechnikkonzerns. Ursache sind die Probleme im WindkraftgeschĂ€ft, die Energy regelmĂ€ĂŸig die Bilanz verhageln und die im vergangenen GeschĂ€ftsjahr einen Höhepunkt erreichten.

Obwohl sie weiter drĂŒcken, erwarten die MĂŒnchner im seit Oktober laufenden GeschĂ€ftsjahr 2024 dank VerkĂ€ufen einen Gewinn von einer Milliarde Euro. Ohne die VerkĂ€ufe wĂ€re ein Verlust in der Dimension von 1 bis 1,5 Milliarden Euro zu erwarten.

Einen Ausstieg aus der Windenergie soll es nicht geben

Das WindkraftgeschĂ€ft wird allerdings auch 2024 Verluste anhĂ€ufen: Vor Sondereffekten erwartet der Konzern dort ein Minus von rund zwei Milliarden Euro. Erst 2026 werde der Windbereich profitabel arbeiten. Dazu soll auch eine Fokussierung auf rentable MĂ€rkte und eine langsamere Schlagzahl bei der EinfĂŒhrung neuer Produkte beitragen, wie Konzernchef Christian Bruch sagte. Man mĂŒsse sich die Frage stellen, in wie vielen MĂ€rkten man ĂŒberhaupt sein mĂŒsse, sagte er. Als gesetzt dĂŒrften seinen Äußerungen zufolge aber Europa und die USA gelten.

Die ganze Windkraftindustrie leide an Wachstumsschmerzen, die man unterschĂ€tzt habe, erklĂ€rte Bruch das Dilemma, dass trotz hoher Nachfrage keine Gewinne erwirtschaftet werden. Bei Siemens Energy kommen noch teure QualitĂ€tsprobleme bei einigen Anlagentypen hinzu. Einen Ausstieg aus der Windkraft schließt Bruch derzeit aber aus.

Die IG Metall forderte das Management auf, bald eine Perspektive fĂŒr das WindgeschĂ€ft aufzuzeigen. «Nur damit werden das Unternehmen und seine BeschĂ€ftigten wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen und ihr großes Potential im Rahmen der Energiewende umsetzen können», erklĂ€rte der Zweite Vorsitzende JĂŒrgen Kerner. Er lobte die staatliche BĂŒrgschaft und das Engagement von Siemens.

Die restlichen GeschĂ€fte von Energy laufen solide. Sie können die Verluste im Windbereich aber nicht ausgleichen. «In einem Ă€ußerst herausfordernden Jahr fĂŒr Siemens Energy wachsen zwei Drittel unserer GeschĂ€fte profitabel und haben ihre Jahresziele erreicht oder ĂŒbertroffen», betonte Bruch.

Die Nachfrage nach den Produkten von Siemens Energy ist bei alledem weiter hoch. Im abgelaufenen GeschÀftsjahr lag der Auftragseingang mit gut 50 Milliarden Euro rund ein Drittel höher als 2022. Der Auftragsbestand wuchs um gut ein Siebtel auf 112 Milliarden. Der Umsatz legte rund 10 Prozent auf 31,1 Milliarden Euro zu.

«Stark beschleunigtes Wachstum»

«Die aktuell große Nachfrage nach unseren Produkten bringt auch Herausforderungen mit sich», sagte Bruch. «Wir sind daher froh, dass wir nach sehr konstruktiven GesprĂ€chen eine gute Lösung mit allen Beteiligten gefunden haben, unser durch die Energiewende stark beschleunigtes Wachstum sicherzustellen.»

Am Dienstag hatte das Bundeswirtschaftsministerium im Ringen um Garantien fĂŒr Siemens Energy einen Durchbruch gemeldet. Kern ist eine BĂŒrgschaft des Bundes ĂŒber 7,5 Milliarden Euro. Auch die ehemalige Konzernmutter Siemens, Privatbanken und weitere Akteure sind im Boot. Insgesamt geht es um 15 Milliarden. 12 Milliarden davon kommen aus dem Paket mit Bundesregierung, Banken und Siemens. 3 weitere Milliarden sollen von den weiteren Akteuren kommen. Das sind unter anderem LĂ€nder wie Spanien sowie die EU, wie Bruch sagte.

Zudem wird Siemens Energy 18 Prozent an der indischen Gesellschaft Siemens Limited an Siemens verkaufen. Bisher hÀlt Energy als Folge seiner Ausgliederung aus dem Siemens-Konzern im Jahr 2020 noch 24 Prozent daran. Der Erlös soll bei rund 2,1 Milliarden Euro liegen. In der Folge soll auch die Trennung der GeschÀfte in separate Gesellschaften beschleunigt werden.

Die Börse reagierte positiv auf die aktuelle Lage bei Siemens Energy. Die Aktie, die im laufenden Jahr bisher massiv an Wert verloren hatte, lag am Mittwochvormittag krĂ€ftig im Plus und gehörte zu den grĂ¶ĂŸten Gewinnern im DAX.

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