Bayern, Verkehr

Was die Einigung im Nahverkehrs-Tarifstreit bedeutet

16.04.2026 - 13:12:42 | dpa.de

Sind FahrgÀste jetzt vor Warnstreiks sicher, werden die Tickets teurer, warum hat es so lange gedauert und wer hat sich eigentlich durchgesetzt?

  • Geht alles gut, haben die FahrgĂ€ste im bayerischen Nahverkehr jetzt erst mal Ruhe vor weiteren Warnstreiks. (Archivbild) - Foto: Peter Kneffel/dpa
  • MĂŒnchen war mehrfach von teils mehrtĂ€gigen Warnstreiks betroffen. (Archivbild) - Foto: Peter Kneffel/dpa
  • In NĂŒrnberg sind keine außerplanmĂ€ĂŸigen Preisanpassungen im Nahverkehr zu erwarten. (Archivbild) - Foto: Daniel Karmann/dpa
Geht alles gut, haben die FahrgĂ€ste im bayerischen Nahverkehr jetzt erst mal Ruhe vor weiteren Warnstreiks. (Archivbild) - Foto: Peter Kneffel/dpa MĂŒnchen war mehrfach von teils mehrtĂ€gigen Warnstreiks betroffen. (Archivbild) - Foto: Peter Kneffel/dpa In NĂŒrnberg sind keine außerplanmĂ€ĂŸigen Preisanpassungen im Nahverkehr zu erwarten. (Archivbild) - Foto: Daniel Karmann/dpa

Nach monatelangem Ringen und zahlreichen Warnstreiks gibt es eine Tarifeinigung fĂŒr den bayerischen Nahverkehr. Wie sieht sie aus, und was bedeutet sie fĂŒr BeschĂ€ftigte, Unternehmen und FahrgĂ€ste? Ein Überblick. 

Worauf haben sich die Tarifparteien geeinigt?

Der in der Nacht zum Donnerstag gefundene Kompromiss sieht Lohnerhöhungen von sieben Prozent ĂŒber zwei Jahre vor. Laut Kommunalem Arbeitgeberverband (KAV) steigen die Löhne rĂŒckwirkend zum Jahresbeginn um 4,1 Prozent, mindestens aber um 120 Euro, zum 1. September um 1 Prozent und zum 1. Januar 2027 um 1,9 Prozent. Zudem sinkt die Arbeitszeit ab 2029 von 38,5 auf 37,5 Stunden, die Mindestruhezeit wird mit 10,5 Stunden festgelegt, der Sonntagszuschlag erhöht und die Zeit, in der ein Nachzuschlag gezahlt wird, ausgeweitet. 

Ist die Einigung schon in trockenen TĂŒchern?

Nein. Beide Seiten haben bis zum 15. Mai Zeit, sich final zu erklÀren. Bei Verdi ist eine Mitgliederbefragung dazu geplant. Dass Tarifeinigungen abgelehnt werden, ist aber selten. 

Wie lange sind die FahrgÀste vor Warnstreiks sicher?

ZunĂ€chst mindestens bis zur Entscheidung ĂŒber den jetzt erreichten Kompromiss. «Im Rahmen der ErklĂ€rungsfrist wird es zu keinen Warnstreiks kommen», sagt der stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiter Sinan ÖztĂŒrk. Tritt der Tarifvertrag in Kraft, ist bis mindestens Ende kommenden Jahres Ruhe. Die Einigung hat zwar eine Laufzeit von vier Jahren, die Gehaltstabelle kann aber bereits zum 31. Dezember 2027 gekĂŒndigt werden. Da fĂŒr 2028 und 2029 keine Gehaltssteigerungen eingeplant sind, ist zu erwarten, dass Verdi dies auch tun wird. 

Welchen Geltungsbereich hat die Einigung?

Sie betrifft mehr als 20 Unternehmen mit - je nach Quelle - 9.000 beziehungsweise rund 10.000 Mitarbeitern. Dabei geht es um den kommunalen Nahverkehr - also von stĂ€dtischen Gesellschaften betriebene Bus-, Tram- und U-Bahnlinien. S-Bahnen, RegionalzĂŒge und Regionalbusse sind nicht Teil der Einigung, da sie von anderen Unternehmen betrieben werden. Das gilt auch fĂŒr kommunale Buslinien, die an Drittfirmen vergeben sind. Sie waren dementsprechend auch nicht von den Warnstreiks betroffen.

Warum dauerte der Konflikt so lange?

Insgesamt gab es fĂŒnf Verhandlungsrunden und zahlreiche, teils mehrtĂ€gige Warnstreiks in vielen großen bayerischen StĂ€dten, bei denen der Nahverkehr teilweise weitgehend lahmgelegt wurde. Allein MĂŒnchen war nach Angaben der dortigen Verkehrsgesellschaft MVG sechsmal betroffen. 

Die beiden Tarifparteien waren mit ihren Vorstellungen weit voneinander entfernt. Verdi hatte unter anderem eine Entgeltsteigerung von 668,75 Euro und eine höhere Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden gefordert. Die hohe Summe erklĂ€rte sich dabei auch damit, dass der letzte Tarifabschluss bereits 2023 erreicht worden und 2024 ausgelaufen war. Verdi hatte sich damals jedoch entschieden, den bayerischen Tarif nicht separat neu zu verhandeln, sondern abzuwarten, bis auch in den ĂŒbrigen BundeslĂ€ndern wieder Verhandlungen anstehen.

Die Kommunen hatten die Forderung allerdings als unrealistisch zurĂŒckgewiesen und auf ihre klammen Kassen verwiesen. Anfang der Woche hatten sich mehrere KĂ€mmerer großer StĂ€dte in einem offenen Brief an Verdi gewandt und vor steigenden Nahverkehrspreisen oder sinkenden Angeboten gewarnt, weil es keinen Spielraum in den kommunalen Haushalten gebe, um zusĂ€tzliche Verluste der Verkehrsbetriebe auszugleichen.

Wer hat sich durchgesetzt?

Wie ĂŒblich ist das Ergebnis der Verhandlungen ein Kompromiss. Die VerhandlungsfĂŒhrerin der KAV, Magdalena Weigel, sprach von einem fĂŒr alle Seiten ausgewogenen Tarifergebnis. Die lange Laufzeit bringe Planungssicherheit und die finanziellen Auswirkungen wĂŒrden ĂŒber einen langen Zeitraum verteilt. 

Die zustĂ€ndige Verdi-GewerkschaftssekretĂ€rin Katharina Wagner sagte, die Reduzierung der Arbeitszeit auf 37,5 Stunden sei «ein wichtiges Signal», sie rĂ€umt aber auch ein, dass die Gewerkschaft beim Lohnplus hinter den eigenen Erwartungen zurĂŒckgeblieben sei. «Wir hĂ€tten uns gerade fĂŒr die Kolleginnen und Kollegen in den unteren Entgeltgruppen eine stĂ€rkere Erhöhung gewĂŒnscht. Am Verhandlungstisch war mit den 7 Prozent jedoch das Maximum erreicht.» Der stellvertretende Landesbezirksleiter von Verdi Bayern, Sinan ÖztĂŒrk, betonte die «spĂŒrbaren Verbesserungen bei Arbeitszeit und ZuschlĂ€gen». 

Wird der ÖPNV jetzt teurer?

Das muss jedes Nahverkehrsunternehmen selbst entscheiden. Angesichts des aktuellen Abschlusses sind außerplanmĂ€ĂŸige Preisanhebungen aber unwahrscheinlich. Von der VAG NĂŒrnberg hieß es dazu: «Eine außerplanmĂ€ĂŸige Erhöhung nach einem Tarifabschluss gab es noch nie und wird es auch dieses Mal nicht geben.» 

Bei den regelmĂ€ĂŸigen Preisanpassungen der Nahverkehrsunternehmen wird der Tarifvertrag dagegen sicherlich eine Rolle spielen. Alleine in NĂŒrnberg geht die VAG von zusĂ€tzlichen Kosten in Höhe von 12 Millionen Euro aus.

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