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Social Engineering: 82% der Cyberangriffe ohne Schadsoftware

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 00:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Automatisierte Social-Engineering-Angriffe nehmen zu: KI-gestützte Vishing-Kampagnen, Token-Diebstahl und getarnte Spionagesoftware bedrohen Organisationen.

Social Engineering: KI macht Phishing und Spionage professioneller
Ein dunkler, steriler Serverraum mit langen Reihen metallischer Racks in einem modernen Rechenzentrum. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte und Fachseminare verdeutlichen die zunehmende Komplexität und Professionalisierung von Social-Engineering-Angriffen. Kriminelle Akteure setzen dabei verstärkt auf automatisierte Prozesse und Künstliche Intelligenz, wodurch Unternehmen und Anwender vor neue sicherheitstechnische Herausforderungen gestellt werden.

Abkehr von klassischer Schadsoftware

Die Verlagerung hin zur direkten Manipulation menschlicher Nutzer spiegelt sich deutlich in den Angriffsmustern wider. Laut dem Crowdstrike 2026 Global Threat Report wurden im Jahr 2025 bereits 82 Prozent der erfassten Angriffe ohne den Einsatz klassischer Schadsoftware abgewickelt. Fünf Jahre zuvor hatte dieser Anteil noch bei 51 Prozent gelegen.

Diese Einschätzung teilen auch die Verantwortlichen in den Betrieben. In der aktuellen Cybersicherheitsumfrage des Softwareanbieters Kaseya gaben 89 Prozent der befragten IT-Fachleute das Nutzerverhalten als die größte sicherheitsrelevante Herausforderung an. Demnach machten Phishing-Attacken 58 Prozent der Angriffe aus, während Viren und Malware 44 Prozent sowie Kompromittierungen geschäftlicher E-Mails 34 Prozent betrugen.

Vollautomatisierte Vishing-Kampagnen und Token-Diebstahl

Eine neue Dimension der Professionalisierung dokumentierte das IT-Sicherheitsunternehmen Group-IB. Die Plattform Balonx stellt kriminellen Akteuren ein Phishing-as-a-Service-Modell zur Verfügung, dessen Modul CallFlow telefonische Vishing-Angriffe vollständig ohne menschliche Beteiligung durchführt.

Für die Anrufe werden vier KI-Systeme kombiniert: GPT-4o-mini, Elevenlabs Carolina, OpenAI-Voice sowie OpenAI-Whisper. Während ein einzelner Operator hunderte Anrufe parallel koordinieren kann, lag der bisherige Schwerpunkt der Kampagnen gegen mehrere Banken in Mexiko.

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Parallel dazu verzeichnete der Analyse-Dienst ANY.RUN eine fortschrittliche Phishing-Kampagne unter dem Namen N0va, die auf Organisationen in Europa und Nordamerika abzielt. Als Köder dienen angebliche Benachrichtigungen weitverbreiteter Kollaborations- und Signaturdienste wie Microsoft Teams, SharePoint, OneDrive, DocuSign, Google Drive, Dropbox, Zoom oder Adobe Sign.

Über ein Gerätecode-Phishing und das URL-Muster /api/verification/init?session=*&flow=*prompt_profile= greifen die Angreifer im Anschluss an eine legitime Authentifizierung Zugriffs- und Aktualisierungs-Tokens ab, um über Geräteregistrierungen dauerhaften Zugriff auf Single-Sign-On-Systeme zu erhalten.

Manipulierte Anhänge und getarnte Spionagesoftware

Auch klassische E-Mail-Attacken werden in großem Stil automatisiert. Nach Erhebungen von Check Point Research wurden zwischen dem 17. und 31. August über 58.000 bösartige E-Mails an mehr als 7.800 Organisationen versendet.

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Die Täter nutzten dazu über 38.400 gefälschte Absenderadressen und mehr als 9.300 manipulierte Domains. Die Nachrichten trugen Betreffzeilen, die mit „Automated transcript“ begannen, und enthielten schädliche SVG-Dateien, die als angebliche Anrufaufzeichnung getarnt waren und auf Phishing-Websites weiterleiteten.

Dass Social Engineering zudem gezielt zur Platzierung von Spionagewerkzeugen dient, zeigt eine gemeinsame Warnung von Sicherheitsbehörden aus den USA, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden zusammen mit dem FBI.

Staatsnahe iranische Akteure nutzen direkte Ansprachen über Messaging-Dienste wie WhatsApp und Telegram, um Windows-Schadsoftware namens CHOSEN BRICK auf Systemen von Journalisten, Aktivisten und Dissidenten zu platzieren.

Die Software wird dabei als legitime Programme wie Pictory, RunwayML, Norton Antivirus, Telegram, KeePass oder Adobe Flash Player getarnt und dient dem gezielten Abgriff von E-Mails, Bildschirminhalten, Tonaufnahmen sowie Chatprotokollen.

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