Solarförderung: Einspeisevergütung fällt weg – 25 Jahre Amortisation
12.06.2026 - 11:50:18 | boerse-global.de
Das Wirtschaftsministerium setzt auf mehr Marktorientierung und Freiflächenanlagen. Aktuelle Studien warnen vor einem Einbruch bei privaten Dachanlagen.
Die geplante Streichung der festen Einspeisevergütung ab 2027 könnte Eigenheimbesitzer hart treffen. Laut Berechnungen würden sich die Amortisationszeiten für Privatanlagen auf über 25 Jahre verlängern.
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Ministerin kündigt EEG-Novelle an
Auf dem BDEW-Kongress am 10. Juni kündigte Katherina Reiche vom BMWK an: Das neue Energiepaket soll noch vor der Sommerpause ins Kabinett. Ziel ist der Abschluss der gesetzlichen Neuregelungen bis Jahresende.
Grund ist der Druck aus Brüssel. Die EU-beihilferechtliche Genehmigung für das bisherige EEG läuft aus. Ohne Anschlussregelung könnten Neuanlagen ab 2027 gar keine Förderung mehr erhalten.
Studie rechnet vor: Nulleinspeisung lohnt sich nicht
Ein zentraler Streitpunkt: der Umgang mit kleinen PV-Anlagen bis 25 Kilowatt Peak (kWp). Ein Referentenentwurf vom April sieht vor, die garantierte Einspeisevergütung für diese Klasse zu streichen.
Betreiber müssten künftig wählen: Direktvermarktung mit 50-prozentiger Einspeisebegrenzung oder Nulleinspeisung. Die Simulationsstudie „PV2027“ der Analysegesellschaft aquu zeigt die Folgen.
Bei Nulleinspeisung blieben rund 69 Prozent des Solarstroms ungenutzt. Die Stromgestehungskosten einer typischen 10-kW-Anlage mit Speicher würden von 10 auf 31 Cent pro Kilowattstunde steigen. Die Amortisationszeit? Von 15,6 Jahren auf über 25 Jahre.
Auch die Direktvermarktung hilft kaum. Bei einer 10-kW-Anlage stünden jährliche Erlöse von rund 250 Euro zusätzlichen Kosten von etwa 260 Euro gegenüber. Ergebnis: Amortisation nach etwa 24 Jahren.
Koalition streitet über den richtigen Weg
In der Regierung zeichnen sich deutliche Differenzen ab. Jens Spahn (CDU) fordert höhere Kosteneffizienz und ein Ende staatlicher Subventionen. Matthias Miersch (SPD) warnt vor einem Ausbremsen der Energiewende.
Die SPD pocht auf das Ziel von 80 Prozent erneuerbaren Energien bis 2030. Im ersten Quartal 2026 wurde ein Anteil von 53 Prozent erreicht.
Ministerin Reiche signalisierte Diskussionsbereitschaft – besonders beim umstrittenen Redispatch-Vorbehalt. Dieser sieht vor, dass neue Anlagen in netzkritischen Gebieten zehn Jahre lang keinen Anspruch auf Entschädigung bei Abregelungen haben.
Ein möglicher Kompromiss: ein Modell mit einer begrenzten Anzahl entschädigungsfreier Abregelungsstunden pro Jahr. Das würde die Netze flexibler machen.
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Rahmenbedingungen verschärfen sich
Die Branche blickt auf ein Rekordjahr zurück. 2025 wurden in Deutschland 23 Gigawatt neue Erneuerbare-Kapazitäten installiert. Gleichzeitig wuchsen die Netzprobleme: 579 Stunden mit negativen Strompreisen.
Seit August 2025 gelten reduzierte Vergütungssätze. Für Anlagen bis 10 kWp gibt es bei Teileinspeisung 7,86 Cent pro Kilowattstunde, bei Volleinspeisung 12,47 Cent. Die Sätze sinken halbjährlich um ein Prozent. Seit März 2025 gilt zudem eine Smart-Meter-Pflicht für Neuanlagen.
Flankiert wird die EEG-Reform durch die AgNes-Reform der Bundesnetzagentur vom 27. Mai. Ab 2029 sollen jährlich rund 37 Milliarden Euro umverteilt werden. Für private Solarbetreiber ist ein höherer Grundpreis geplant – die Mehrbelastung soll unter 100 Euro pro Jahr bleiben.
Heimspeicher, die vor dem 4. August 2029 in Betrieb gehen, bleiben für 20 Jahre von Netzentgelten befreit.
