Sonntagsarbeit, Regierung

Sonntagsarbeit: Regierung lockert Regeln fĂŒr BĂ€cker ab Januar 2027

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 01:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Bundesregierung plant eine moderate Ausweitung der Sonntagsarbeit fĂŒr BĂ€ckereien und Bibliotheken ab Januar 2027. Handel und Politiker fordern weitergehende Öffnungen, wĂ€hrend Kirchen und Gewerkschaften protestieren.

Bundesregierung plant vorsichtige Lockerung der Sonntagsarbeit ab 2027
Sonntagsarbeit - Ein stilisiertes Bild einer Uhr, die auf Sonntag zeigt, umgeben von Elementen aus Handel und Arbeit, die Konflikte darstellen. 08.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Doch Handel und Politiker fordern mehr, wÀhrend Kirchen und Gewerkschaften auf die Barrikaden gehen.

Geplante Reform: Mehr Zeit fĂŒr BĂ€cker und Bibliotheken

Das Programm fĂŒr Aufschwung und BeschĂ€ftigung sieht moderate Änderungen vor. BĂ€ckereien und Konditoreien sollen ihre Mitarbeiter kĂŒnftig bis zu acht Stunden sonntags beschĂ€ftigen dĂŒrfen. Bisher lag die Grenze bei drei Stunden.

Auch Bibliotheken profitieren: Sie dĂŒrfen dann bis zu sechs Stunden am Sonntag öffnen. Der Zentralverband des Deutschen BĂ€ckerhandwerks begrĂŒĂŸt die Gleichstellung. Kritiker sehen die Reform dagegen als unzureichend oder ökumenisch bedenklich.

Wichtig zu wissen: Die PlÀne betreffen nur das Bundes-Arbeitszeitrecht. Die konkreten Ladenschlusszeiten bleiben LÀndersache.

Handel und Politiker drÀngen auf mehr

Die Debatte nutzen fĂŒhrende Vertreter fĂŒr weitergehende Forderungen. Christian von Stetten (CDU), Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses, und FDP-Chef Wolfgang Kubicki sprechen sich fĂŒr deutlich mehr Sonntagsöffnungen aus. UnterstĂŒtzung kommt von Tourismuskoordinator Christoph Ploß (CDU).

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Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert die Freigabe fĂŒr den gesamten Einzelhandel. HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Stefan Genth verspricht sich davon stĂ€rkere InnenstĂ€dte und mehr Rechtssicherheit. Nils Busch-Petersen vom Handelsverband Berlin-Brandenburg nennt das aktuelle System schlicht ĂŒberholt. Sein Argument: Der Verkauf einfacher Waren am Sonntag erfĂŒlle derzeit strafbewehrte TatbestĂ€nde – das sei nicht mehr zeitgemĂ€ĂŸ.

Sonntagsallianz schlÀgt Alarm

Kirchen und Gewerkschaften laufen Sturm gegen die PlĂ€ne. Die „Sonntagsallianz“ sieht den arbeitsfreien Sonntag als wertvolles gesellschaftliches Gut. Ein Sprecher der Evangelischen Kirche (EKD) betont: Dieser Schutz mĂŒsse unabhĂ€ngig von religiösen Überzeugungen gelten.

Die Gewerkschaften Verdi und NGG warnen vor steigenden Belastungen. Silke Zimmer vom Verdi-Bundesvorstand lehnt eine Aufweichung des Verbots ab. Auch Michaela Engelmeier vom Sozialverband Deutschland (SoVD) spricht sich gegen weitere Flexibilisierung aus.

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Blick ĂŒber die Grenzen

Die deutsche Debatte spiegelt unterschiedliche EU-Regelungen wider. Schweden verfolgt bereits seit 1972 eine sehr liberale Praxis. In den Niederlanden entscheiden weitgehend die Kommunen. Frankreich erlaubt Öffnungen an zwölf Sonntagen pro Jahr. Großbritannien hat kaum BeschrĂ€nkungen.

Ganz anders Polen und Österreich: Dort gelten weitgehende Verkaufsverbote an Sonntagen – Ă€hnlich der bisherigen deutschen Regelung.

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