UN-Kommission, Israel

UN-Kommission: Israel und PalĂ€stinenser verĂŒben Kriegsverbrechen

12.06.2024 - 11:06:36

Sowohl Israel als auch bewaffnete palÀstinensische Gruppen im Gazastreifen haben nach einem UN-Bericht seit dem 7.

Oktober 2023 Kriegsverbrechen begangen. Zu diesem Schluss kommt die vom UN-Menschenrechtsrat bestellte Kommission unabhĂ€ngiger Expertinnen und Experten, die ihren Bericht am Mittwoch in Genf vorstellte. Auch das UN-MenschenrechtsbĂŒro hat mehrfach von Kriegsverbrechen auf beiden Seiten gesprochen.

Die Vorsitzende der Kommission des UN-Menschenrechtsrats, Navi Pillay, forderte ein Ende der Attacken palĂ€stinensischer bewaffneter Gruppen auf Israel und die Freilassung aller Geiseln. Als Kriegsverbrechen des militĂ€rischen Arms der islamistischen Hamas und weiterer sechs bewaffneter Gruppen zĂ€hlt die Kommission unter anderem ÜberfĂ€lle auf Zivilisten, Folter, unmenschliche und grausame Behandlung und Geiselnahmen. "Geiseln zu nehmen ist ein Kriegsverbrechen", sagte Pillay.

Von Israel forderte sie ein Ende der MilitĂ€raktion im Gazastreifen. Zu den Kriegsverbrechen Israels zĂ€hlt die Kommission unter anderem das Aushungern der Bevölkerung als Mittel der KriegsfĂŒhrung, vorsĂ€tzliche Angriffe auf Zivilpersonen und zivile Objekte, sexuelle Gewalt, Folter und unmenschliche oder grausame Behandlung.

Israel hat mit einem Krieg gegen bewaffnete Gruppen im Gazastreifen auf den TerrorĂŒberfall aus dem KĂŒstengebiet vom 7. Oktober 2023 reagiert. Bei dem Überfall wurden etwa 1200 Menschen in Israel getötet. Terroristen verschleppten zudem mehr als 250 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen. Einige wurden freigelassen, andere befreit. Weitere 120 Geiseln verbleiben in der Gewalt der Hamas, es wird befĂŒrchtet, dass viele bereits tot sind. Nach Angaben der palĂ€stinensischen Gesundheitsbehörde wurden durch die KĂ€mpfe im Gazastreifen seit Oktober mehr als 37 000 Menschen getötet.

Kommission kritisiert Israel

"Es ist zwingend notwendig, dass alle, die Verbrechen begangen haben, zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Pillay weiter. Israel habe die Arbeit der Kommission behindert und keinen Zugang zu den besetzten Gebieten gewehrt, hieß es. Nach UN-Lesart gehört dazu auch der Gazastreifen, wĂ€hrend Israel der Auffassung ist, dass das Gebiet seit dem RĂŒckzug des israelischen MilitĂ€rs und der Siedler 2005 nicht mehr besetzt ist. Die Kommission hat nach eigenen Angaben Tausende verifizierte Berichte, forensische Analysen, Satellitenbilder und medizinische Berichte ausgewertet sowie mit Opfern und Zeugen in der TĂŒrkei und in Ägypten gesprochen.

Israel wies den Bericht zurĂŒck. Die Kommission betrachte die Situation einseitig, hieß es in einer Stellungnahme der israelischen Botschaft in Genf. Sie ignoriere, dass die Hamas Menschen als Schutzschilde missbrauche und Zivilisten damit in die Schusslinie bringe. "Israel weist die verabscheuungswĂŒrdigen und unmoralischen Anschuldigungen gegen die IDF (Israelische StreitkrĂ€fte) zurĂŒck", hieß es in der Stellungnahme weiter.

@ dpa.de