Soziale Arbeit: 79 Prozent der Teams berichten von QualitÀtsabstrichen
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 16:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen der im Sommer 2026 durchgefĂŒhrten Befragung âRealitĂ€ts-Check Soziale Arbeitâ hat die Gewerkschaft ver.di auf eine kritische Situation in der Branche aufmerksam gemacht.
Die Erhebung, die unter wissenschaftlicher Begleitung von Professor Meyer aus Fulda und Professor Kutlu aus Mannheim entstand, dokumentiert anhand von 373 Team-Meinungsbildern erhebliche Defizite bei der Personalausstattung sowie weitreichende qualitative EinbuĂen in der tĂ€glichen Arbeit.
Steigende Arbeitslast und qualitative EinbuĂen
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen eine hohe Belastung der BeschĂ€ftigten auf. Demnach berichten 79 Prozent der beteiligten Teams von einer deutlich gestiegenen Arbeitsmenge. Ein ebenso hoher Anteil von 79 Prozent gab an, Abstriche bei der ArbeitsqualitĂ€t machen zu mĂŒssen. Knapp 79 Prozent der Befragten sehen sich zudem an ihrer persönlichen Belastungsgrenze angekommen.
Besonders deutlich treten die Folgen des Personalmangels bei der Betreuung der Zielgruppen hervor. Laut der Befragung können 77 Prozent der Teams die Rechte und BedĂŒrfnisse der Adressaten, insbesondere von Kindern, Jugendlichen und Familien, oft oder sehr hĂ€ufig nicht mehr realisieren.
Diese Ăberlastung wirkt sich auch auf die langfristige Perspektive der FachkrĂ€fte aus: Ăber 87 Prozent der BeschĂ€ftigten Ă€uĂerten die Sorge, ihren Beruf nicht bis zum Erreichen des Renteneintrittsalters ausĂŒben zu können.
Fehlende FachkrÀfte blockieren Infrastruktur
79 Prozent der befragten Teams melden eine deutlich gestiegene Arbeitsmenge â und ebenso viele machen Abstriche bei der ArbeitsqualitĂ€t. FĂŒr TrĂ€gerleitungen heiĂt das: Der Stellenbedarf muss belastbar begrĂŒndet werden, nicht geschĂ€tzt. Der kostenlose Leitfaden zeigt, wie Sie Personalbemessung sauber herleiten und Ăberlastung im Team frĂŒh sichtbar machen. Kostenlosen Leitfaden Personalbemessung anfordern
Ein zentraler Aspekt der Problematik bleibt der ungedeckte Personalbedarf. In 81 Prozent der befragten Teams besteht nach eigener EinschĂ€tzung Bedarf fĂŒr mindestens eine zusĂ€tzliche Vollzeitstelle. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der bundesweiten Situation der KindertagesstĂ€tten wider. Marktbeobachtungen zufolge fehlen in diesem Bereich aktuell ĂŒber 100.000 FachkrĂ€fte.
Dieser Mangel hat direkte Auswirkungen auf das Betreuungsangebot. Ein Bericht des ParitĂ€tischen Wohlfahrtsverbandes vom September 2026 verdeutlicht die Diskrepanz zwischen KapazitĂ€ten und Personal: Bundesweit stehen ĂŒber 550.000 Kita-PlĂ€tze ungenutzt zur VerfĂŒgung, da mehr als 100.000 pĂ€dagogische Mitarbeiter fehlen, um den Betrieb sicherzustellen.
Flankiert wird diese Entwicklung von demografischen Daten des Statistischen Bundesamtes, nach denen die Geburtenrate im Jahr 2025 bei 1,32 Kindern je Frau lag, was einem RĂŒckgang von 2,7 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr entspricht.
Politische Forderungen nach verbindlichen Standards
Ăber 87 Prozent der BeschĂ€ftigten in der Sozialen Arbeit sorgen sich, ihren Beruf nicht bis zur Rente ausĂŒben zu können. Wer erfahrene KrĂ€fte halten will, braucht mehr als Zusagen â nĂ€mlich konkrete Schritte gegen Ăberlastung und fĂŒr Bindung. Der kostenlose Leitfaden bĂŒndelt fĂŒnf Strategien gegen den FachkrĂ€ftemangel und einen Belastungs-Check fĂŒr Ihre Teams. 5 Strategien gegen den FachkrĂ€ftemangel sichern
Angesichts der Ergebnisse drĂ€ngt die Gewerkschaft auf gesetzliche Ănderungen. Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Behle forderte die EinfĂŒhrung einer verbindlichen Personalbemessung, um die Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit nachhaltig zu stabilisieren. Ohne klare Vorgaben zur personellen Ausstattung lasse sich die geforderte QualitĂ€t und die Wahrung der Adressatenrechte kaum dauerhaft sicherstellen.
Die Erhebung verdeutlicht, dass die aktuelle Personalsituation nicht nur die Gesundheit der BeschĂ€ftigten gefĂ€hrdet, sondern auch die ErfĂŒllung staatlicher Aufgaben in der Jugend- und Familienhilfe erschwert. Die dokumentierten RĂŒckmeldungen der 373 Teams dienen nun als Grundlage fĂŒr weitere Verhandlungen ĂŒber Standards in der Branche.
