Sozialplan: 220 Brauerei-Mitarbeiter erhalten bis 150.000 Euro Abfindung
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Haus Cramer Gruppe hat sich am 30. Juli 2026 mit den Arbeitnehmervertretern auf einen umfassenden Sozialtarifvertrag für die rund 220 betroffenen Beschäftigten der Brauereien in Herford und Paderborn geeinigt. Nach intensiven und als hart beschriebenen Verhandlungen, die bereits am Vortag ihren Abschluss fanden, steht nun der finanzielle Rahmen für das Ausscheiden der Mitarbeiter fest. Von der Einigung sind etwa 100 Angestellte am Standort Herford sowie rund 120 Beschäftigte in Paderborn betroffen.
Abfindungsregelungen und finanzielle Leistungen
Kernpunkt der Einigung ist eine Staffelung der Abfindungszahlungen. Je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit erhalten die Beschäftigten zwischen 50 und 70 Prozent ihres Bruttomonatslohns pro Beschäftigungsjahr. Die maximale Summe der Abfindung wurde auf 150.000 Euro pro Person begrenzt. Zusätzlich sieht der Sozialplan einen Anreiz für den Verzicht auf Kündigungsschutzklagen vor: Mitarbeiter, die diesen Weg wählen, erhalten einen Zuschlag in Höhe von 20 Prozent eines Monatslohns pro Beschäftigungsjahr.
Über die reinen Abfindungen hinaus enthält das Paket soziale Komponenten. So wurde eine einmalige Zahlung von 3000 Euro pro Kind vereinbart. Zudem regelt der Vertrag den Umgang mit geleisteten Mehrstunden; demnach werden 90 Prozent der Überstunden an die Belegschaft ausgezahlt. Für jene Mitarbeiter, die im Rahmen der Standortabwicklungen Aufräumarbeiten übernehmen, wurde eine zusätzliche Vergütung von 1000 Euro pro Monat festgeschrieben.
Transferangebote und betriebliche Perspektiven
Die Warsteiner Brauerei, die zur Haus Cramer Gruppe gehört, bietet den Betroffenen eine berufliche Perspektive am Stammsitz im Sauerland an. Insgesamt stehen 50 Arbeitsplätze in Warstein für die Beschäftigten aus Herford und Paderborn zur Verfügung. Um diesen Wechsel attraktiv zu gestalten, übernimmt das Unternehmen Umzugskosten bis zu einem Höchstbetrag von 3500 Euro. Für Pendler wurde eine Pauschale von 35 Cent pro Kilometer vereinbart.
Wer sich mit den komplexen Verhandlungen rund um Interessenausgleich und Abfindungsregelungen befasst, benötigt rechtssichere Unterstützung. Dieser kostenlose Ratgeber bietet Betriebsräten wertvolle Musterdokumente und Anleitungen für die Gestaltung fairer Sozialpläne. Kostenlosen Ratgeber für Betriebsräte jetzt herunterladen
Trotz dieser Angebote halten lokale Politiker wie Christian Dahm, Christian Obrock und Eva Hellmann einen großflächigen Wechsel der Belegschaft nach Warstein für unwahrscheinlich. Die Kündigungen an den betroffenen Standorten erfolgen zeitlich versetzt: In Herford sind betriebsbedingte Beendigungsschreiben frühestens ab September vorgesehen, in Paderborn beginnt dieser Prozess ab November.
Ende der Brautradition und politische Reaktionen
Mit der Einigung geht eine fast 150-jährige Ära der Bierproduktion in Hiddenhausen zu Ende. Bereits am 30. Juli 2026 liefen die letzten 40.000 Kisten Herforder Pils vom Band, bevor die Abfüllanlage stillgelegt wurde. Der Abbau der Anlagen in Hiddenhausen-Sundern sowie der Abtransport der Abfülltechnik sind bereits für den Beginn der nächsten Woche geplant. Die Marke Herforder wird künftig am Standort Warstein produziert und abgefüllt.
Die rechtzeitige Vorbereitung auf betriebsbedingte Kündigungswellen ist entscheidend, um die Interessen der Belegschaft wirksam zu vertreten. Erfahren Sie in diesem kostenlosen PDF-Report, wie Arbeitnehmervertreter ihre Mitbestimmungsrechte beim Interessenausgleich optimal nutzen können. Gratis E-Book zum Sozialplan sichern
Die Gewerkschaft NGG kritisierte im Zuge der Einigung die generelle Unternehmensstrategie der Haus Cramer Gruppe. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Stefan Schwartze bezeichnete die Schließung zwar weiterhin als falsch, lobte jedoch die Arbeit der Gewerkschaft sowie die Übernahme von Auszubildenden durch die Brauerei Barre. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Joachim Ebmeyer sprach von einem herben Schlag für die Region, betonte jedoch, dass der nun vorliegende Plan den Beschäftigten finanzielle Sicherheit gebe.
Für die Zukunft plant die Haus Cramer Gruppe eine Neuausrichtung in der Verbandsstruktur. Ab dem Jahr 2029 ist eine Rückkehr in den Brauereiverband Nordrhein-Westfalen vorgesehen.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
