Sparquote Deutschland, Altersvorsorge

Sparquote: Deutsche legen 18,9 Prozent des Einkommens zurück

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 13:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Deutschlands private Haushalte legten 2025 fast ein Fünftel ihres verfügbaren Einkommens zurück. Der Abstand zum EU-Durchschnitt bleibt groß, doch beim Vermögensaufbau über Wertpapiere besteht weiterhin Nachholbedarf.

Altersvorsorge verändert Sparverhalten

  • Die Bruttosparquote erreichte 2020 in Deutschland mit 22,9 Prozent ihren bisherigen Höchststand.
  • Für 2025 weist das Statistische Bundesamt eine Nettosparquote von 10,1 Prozent aus.
  • Das neue Altersvorsorgedepot soll ab Januar Anlagen in ETFs, Aktienfonds und Anleihen fördern.
  • Die Haushalte in Deutschland sparen besonders viel. (Symbolbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
  • Die Menschen in Deutschland haben auch im vergangenen Jahr überdurchschnittlich viel gespart. (Symbolbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
  • Viele Menschen trauen sich nicht, Geld an der Börse anzulegen. (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa
Die Haushalte in Deutschland sparen besonders viel. (Symbolbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa Die Menschen in Deutschland haben auch im vergangenen Jahr überdurchschnittlich viel gespart. (Symbolbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa Viele Menschen trauen sich nicht, Geld an der Börse anzulegen. (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa

Deutschland spart deutlich über EU-Durchschnitt

Private Haushalte in Deutschland haben 2025 18,9 Prozent ihres verfügbaren Einkommens gespart. Damit lagen sie in Europa nur hinter der Schweiz, während der EU-Durchschnitt 14,3 Prozent betrug.

Quote sinkt gegenüber 2024

Im Jahr 2024 hatte die deutsche Bruttosparquote noch 19,6 Prozent erreicht. Die Schweizer kamen 2025 auf 27,4 Prozent; dort besitzt die private Altersvorsorge eine deutlich größere Bedeutung als in Deutschland.

Am wenigsten sparten innerhalb der EU die privaten Haushalte in Italien mit 10,8 Prozent. Die USA lagen mit 10,7 Prozent nahezu auf diesem Niveau.

Was die Bruttosparquote erfasst

Für den internationalen Vergleich verwendet das Statistische Bundesamt die Bruttosparquote, weil dafür vergleichbare Daten vorliegen. In die Berechnung fließen sowohl Rücklagen auf Sparbüchern als auch Anlagen an der Börse und neu erworbene Ansprüche aus der betrieblichen Altersvorsorge ein.

Abschreibungen, insbesondere auf Immobilien, werden nicht abgezogen. Gemeint ist damit der Substanzverzehr, also der schleichende Wertverlust von Wohnungen durch Abnutzung und Alterung.

Corona-Jahr markierte Höchststand

Den höchsten Wert erreichte die deutsche Bruttosparquote 2020 mit 22,9 Prozent. Während der Corona-Pandemie blieb vielen Menschen mehr Geld, weil Reisen ausfielen und Freizeiteinrichtungen zeitweise geschlossen waren.

Viele sparen, investieren aber vorsichtig

Die Nettosparquote liegt in Deutschland üblicherweise zwischen 10 und 11 Prozent. Für 2025 weist das Bundesamt 10,1 Prozent aus; für das erste Halbjahr 2026 ergibt sich nach vorläufigen Berechnungen ein Wert von 11,1 Prozent.

Analysen zeigen zugleich, dass Anleger in anderen Ländern häufiger an der Börse investieren. In Deutschland setzen viele Menschen weiterhin auf Tages- und Festgeld, das oft geringere Erträge bringt.

Altersvorsorgedepot soll Kapitalmarkt öffnen

Eine Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes unter mehr als 4.800 Menschen ergab, dass 75 Prozent regelmäßiges Sparen für wichtig oder sehr wichtig halten. Einen konkreten Spar- oder Anlageplan verfolgen jedoch nur 35 Prozent; 28 Prozent besitzen Aktien oder andere Wertpapiere.

Als häufigsten Grund für den Verzicht auf die Börse nannten 37 Prozent die Befürchtung, Risiken nicht einschätzen zu können. Mit dem neuen Altersvorsorgedepot soll der Staat ab Januar mehr Menschen über staatlich geförderte Anlagen in ETFs, Aktienfonds und Anleihen an den Kapitalmarkt heranführen.

Die Sparquote zeigt zunächst, welcher Anteil des verfügbaren Einkommens nicht konsumiert wird. Die Bruttosparquote erfasst dabei neben klassischen Rücklagen auch Investitionen und neu erworbene Ansprüche aus der betrieblichen Altersvorsorge. Weil Abschreibungen auf Immobilien nicht abgezogen werden, lässt sich der Wert nicht unmittelbar mit dem tatsächlichen Vermögenszuwachs eines Haushalts gleichsetzen.

Der Rückgang von 19,6 Prozent im Jahr 2024 auf 18,9 Prozent im Jahr 2025 fällt moderat aus. Zugleich liegt Deutschland weiterhin deutlich über dem EU-Mittel. Der Spitzenplatz der Schweiz hängt auch damit zusammen, dass die private Altersvorsorge dort eine größere Rolle spielt. Die Unterschiede zwischen Ländern spiegeln deshalb nicht nur Konsumneigungen, sondern auch die jeweilige Struktur der Alterssicherung wider.

Sparen und Anlegen bleiben getrennte Themen

Für die finanzielle Wirkung entscheidend ist außerdem, wie das Geld angelegt wird. Ein hoher Sparanteil schützt zwar vor kurzfristigen Engpässen, kann langfristig aber weniger Ertrag bringen, wenn Vermögen überwiegend auf niedrig verzinsten Konten liegt. In Deutschland besitzt laut der dpa-Meldung nur eine Minderheit Wertpapiere, während viele Menschen Risiken an den Kapitalmärkten schwer einschätzen können.

Das geplante Altersvorsorgedepot soll diese Lücke ab Januar schließen und staatlich geförderte Anlagen in ETFs, Aktienfonds und Anleihen ermöglichen. Für Sparer wird damit nicht nur die Höhe der Rücklagen relevant, sondern auch die Auswahl des Anlagewegs, der Zeithorizont und die persönliche Risikotragfähigkeit.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Deutsche sparen weniger - aber immer noch viel“ (27.10.2026)

Der Beitrag bestätigt die deutsche Bruttosparquote von 18,9 Prozent und stellt den Abstand zum EU-Durchschnitt sowie zur Schweiz heraus. Einen zusätzlichen Schwerpunkt setzt er auf den Höchststand während der Corona-Pandemie und die Berechnungsmethode.

n-tv: „Studie: Nur die Schweizer sparen mehr als die Deutschen“ (27.10.2026)

Der Artikel bestätigt den europäischen Vergleich und nennt weitere Länderwerte, darunter Frankreich, die Niederlande und Österreich. Anders als der tagesschau-Beitrag betont er stärker die Frage, wie viel Ertrag deutsche Sparer durch zurückhaltende Börsenanlagen möglicherweise nicht erzielen.

Beide Beiträge stimmen bei den zentralen Sparquoten und der Einordnung Deutschlands weitgehend überein. Unterschiede gibt es vor allem beim Schwerpunkt: Während die tagesschau die statistische Einordnung hervorhebt, lenkt n-tv den Blick stärker auf Anlageverhalten und mögliche Renditefragen.

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