Stahlimporte: EU senkt Kontingent um 47 Prozent, Zölle verdoppelt
01.07.2026 - 20:39:56 | boerse-global.de
In einer gemeinsamen ErklÀrung am Mittwoch mahnten Unternehmen wie Outokumpu, SSAB, die Salzgitter AG sowie Saarstahl und Dillinger eine stabile Klimapolitik an. Konkret verlangen sie die Beibehaltung des bestehenden Emissionshandels (ETS1) und eine VerschÀrfung des CO2-Grenzausgleichssystems (CBAM).
Der Zeitpunkt ist brisant: Zeitgleich traten am heutigen Mittwoch verschĂ€rfte EU-SchutzmaĂnahmen gegen Stahlimporte in Kraft. Sie sollen den Druck durch weltweite ĂberkapazitĂ€ten mindern.
Milliardeninvestitionen brauchen Planungssicherheit
Die Unterzeichner verwiesen auf laufende Investitionen von mehr als zehn Milliarden Euro in emissionsarme Produktionstechnologien. Um diese Vorhaben abzusichern, mĂŒsse der lineare Reduktionsfaktor im Emissionshandel bis mindestens 2035 bei 4,4 Prozent stabil bleiben. Zudem forderten die Industrievertreter, den geplanten Abbau kostenloser Emissionszertifikate beizubehalten und das Angebot am Markt nicht kĂŒnstlich zu erhöhen.
Die Einnahmen aus dem ETS1 sollten nach Ansicht der Unternehmen gezielt in die industrielle Dekarbonisierung zurĂŒckflieĂen.
Beim Grenzausgleichssystem CBAM fordern die Hersteller, bestehende Schlupflöcher zu schlieĂen. Besonders stahlintensive Folgeprodukte mĂŒssten einbezogen werden, um Wettbewerbsnachteile fĂŒr die heimische Industrie zu vermeiden. Zudem plĂ€dierte die Branche fĂŒr eine Exportlösung, die die internationale WettbewerbsfĂ€higkeit europĂ€ischer Produkte sichert.
Importflut wird drastisch eingedÀmmt
Flankierend zu den klimapolitischen Forderungen traten am Mittwoch neue EU-Regeln gegen Stahlimporte aus Drittstaaten wie China, Indien und der TĂŒrkei in Kraft. Die zollfreie Einfuhrmenge wurde um 47 Prozent auf jĂ€hrlich 18,3 Millionen Tonnen reduziert. Bei Ăberschreitung dieser Kontingente verdoppelt sich der Strafzoll auf nunmehr 50 Prozent.
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Hintergrund sind massiv steigende weltweite ĂberkapazitĂ€ten. FĂŒr das laufende Jahr werden sie auf 620 Millionen Tonnen geschĂ€tzt â bis zum kommenden Jahr könnten sie auf 721 Millionen Tonnen anwachsen. Das entsprĂ€che dem FĂŒnffachen des jĂ€hrlichen EU-Verbrauchs. Der Branchenverband Eurofer erwartet durch die neuen Schutzregeln eine RĂŒckkehr von rund 15 Millionen Tonnen ProduktionskapazitĂ€t an europĂ€ische Standorte.
Uneinigkeit in der Industrie
Trotz der gemeinsamen Forderungen zeigt sich die Branche in Detailfragen gespalten. WĂ€hrend Unternehmen wie SSAB, das allein sechs Milliarden Euro in CO2-arme Produktion investiert, vor einer Aufweichung des ETS warnen, fordern andere Akteure wie BASF, ArcelorMittal und Thyssenkrupp ein sofortiges Stoppen steigender ETS-Kosten.
Branchenanalysten von Goldman Sachs schĂ€tzen, dass grĂŒne Technologien ab einem CO2-Preis von etwa 100 Euro pro Tonne konkurrenzfĂ€hig werden. Aktuell liegt der Preis bei rund 80 Euro.
Politische Weichenstellung in BrĂŒssel
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Die politische Umsetzung dieser Themen fĂ€llt in eine Phase des Umbruchs. Irland hat am 1. Juli 2026 den EU-Ratsvorsitz fĂŒr die kommenden sechs Monate ĂŒbernommen. Zu den erklĂ€rten Schwerpunkten der irischen PrĂ€sidentschaft gehören neben der WettbewerbsfĂ€higkeit auch die Verhandlungen ĂŒber den EU-Haushalt 2028-2034 sowie die anstehende Reform des Emissionshandels. Eine entsprechende Revision des ETS wird seitens der EU-Kommission fĂŒr Mitte des Monats erwartet.
UnterstĂŒtzung fĂŒr das Verursacherprinzip kommt derweil aus der Bevölkerung. Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage sprechen sich 72 Prozent der BĂŒrger in sechs groĂen EU-Staaten dafĂŒr aus, dass die gröĂten Verschmutzer höhere Abgaben leisten sollten. Rund 50 Prozent der Befragten befĂŒrworten zudem, die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung direkt in den industriellen Umbau zu investieren.
