Stahlimporte: Zollquote um 47 Prozent gesenkt, Strafzoll verdoppelt
01.07.2026 - 17:37:19 | boerse-global.de
Auslöser ist eine Beschwerde mehrerer führender europäischer Chemieunternehmen – darunter BASF, Covestro, Shell, PCC Rokita und Chimcomplex. Sie werfen chinesischen Herstellern vor, die Produkte zu künstlich niedrigen Preisen auf den europäischen Markt zu bringen. Das soll die heimische Industrie schädigen.
Was genau wird untersucht?
Das Verfahren läuft in zwei Zeitabschnitten. Für den Dumping-Vorwurf selbst schauen die Behörden auf den Zeitraum vom 1. April 2025 bis zum 31. März 2026. Die möglichen Schäden für die europäische Wirtschaft prüfen sie über einen längeren Zeitraum – vom 1. Januar 2022 bis zum 31. März 2026.
Im Fokus stehen Polyetherpolyole. Das sind Vorprodukte für Polyurethane, die unter anderem in Möbeln, Autos und Dämmstoffen stecken. Ausdrücklich ausgenommen ist Polyethylenglykol (PEG).
Wann fallen Entscheidungen?
Die Kommission kann eine Importregistrierung anordnen. Das würde später rückwirkende Zölle ermöglichen. Erste vorläufige Schutzzölle könnten in sieben bis acht Monaten fallen. Ein endgültiges Urteil über mögliche Handelsbeschränkungen erwartet die Branche in etwa 14 Monaten.
Die Untersuchung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Manfred Weber, Chef der EVP, warnte vor einer Phase verstärkter Auseinandersetzung mit China. Sollte bis Oktober 2026 keine Einigung über das Handelsdefizit stehen, drohe ein härterer Kurs. Das Defizit lag 2025 bei 359,8 Milliarden Euro – bei Importen aus China im Wert von 559,4 Milliarden Euro. Staatliche Subventionen, so Weber, seien nicht mit den Prinzipien einer freien Marktwirtschaft vereinbar.
Die Zollquote für Stahlimporte wurde um 47% gesenkt – bei Überschreitung droht ein Strafzoll von 50%. Wer seine Lieferketten rechtzeitig anpasst, vermeidet Kostenexplosionen. Der Leitfaden zeigt, wie Sie Ihre Quote optimal nutzen und Strafzölle vermeiden. Jetzt kostenlosen Zoll-Leitfaden anfordern
Verschärfte Regeln ab heute
Das Verfahren gegen die Chemieimporte ist Teil einer breiteren Strategie. Seit dem 1. Juli 2026 gelten weitere Maßnahmen:
Stahlimporte: Die zollfreie Importquote wurde um 47 Prozent auf 18,3 Millionen Tonnen gesenkt. Wer die Quote überschreitet, zahlt künftig 50 Prozent Strafzoll – doppelt so viel wie bisher. Branchenverbände wie Eurofer rechnen mit einer Rückkehr von rund 15 Millionen Tonnen Kapazitätsauslastung in europäische Werke.
Online-Handel: Die Zollfreigrenze von 150 Euro für Pakete aus Nicht-EU-Staaten ist gefallen. Für Importe von Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress wird nun eine Pauschale von 3 Euro pro Warengruppe fällig. Die Regelung gilt vorerst bis Mitte 2028, danach soll ein vollständig digitales Verzollungssystem kommen.
Die Chemiebranche in der Zwickmühle
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Trotz der Schutzmaßnahmen steht die europäische Chemieindustrie unter Druck. In den vergangenen Jahren wurden in Europa Kapazitäten im Umfang von 37 Millionen Tonnen abgebaut. Das zeigt die ganze Ambivalenz der Branche: Während Covestro die Anti-Dumping-Beschwerde in Europa unterstützt, investiert der Konzern gleichzeitig massiv in Asien.
In Shanghai plant das Unternehmen bis Ende des Jahrzehnts eine neue MDI-Anlage mit einer Kapazität von 660.000 Tonnen pro Jahr. Das Investitionsvolumen liegt zwischen 1,5 und 2 Milliarden Euro. Der Grund: Asien wächst überproportional, während der europäische Standort mit erheblichen Kostennachteilen kämpft.
