Stahlindustrie, Beschäftigte

Stahlindustrie: 10.000 Beschäftigte protestieren gegen Wirtschaftspolitik

13.06.2026 - 05:48:08 | boerse-global.de

Tausende Stahlarbeiter demonstrieren gegen die Wirtschaftspolitik. IG Metall warnt vor Jobverlusten und fordert verlässliche Rahmenbedingungen für die grüne Transformation.

Stahlproteste in Berlin und Völklingen: 10.000 Beschäftigte fordern klare Politik
Stahlindustrie - Tausende Stahlarbeiter demonstrieren vor einem Stahlwerk, halten Schilder und Transparente. Fokus auf entschlossene Gesichter. 13.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Rund 10.000 Beschäftigte der Stahlindustrie haben am Freitag in Berlin und Völklingen gegen die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung demonstriert. Die Gewerkschaft IG Metall warnte vor massiven Jobverlusten und forderte verlässliche Rahmenbedingungen für die Transformation zur klimaneutralen Produktion.

Massenproteste in zwei Bundesländern

In Berlin zählte die IG Metall rund 1.700 Teilnehmer aus etwa 40 Betrieben. Die Polizei bezifferte die Zahl der Demonstranten auf 900. Parallel dazu fand im saarländischen Völklingen ein großer Stahl-Aktionstag statt. Nach polizeilichen Angaben versammelten sich dort rund 8.500 Menschen, andere Berichte sprachen von bis zu 12.000 Teilnehmern.

Unter den Protestierenden waren Belegschaften von Saarstahl und der Dillinger Hütte. Unterstützung kam von der Linken-Vorsitzenden Ines Schwerdtner und Grünen-Chef Felix Banaszak. „Die Stahlindustrie ist systemrelevant“, betonte Schwerdtner.

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Produktion auf Tiefstand wie 2009

Die Branche steckt in einer tiefen Krise. 2025 fiel die Produktion auf 34,1 Millionen Tonnen Rohstahl – der niedrigste Stand seit dem Krisenjahr 2009. Als Ursachen gelten die Wirtschaftsflaute, hohe US-Zölle und Billigimporte aus Asien. Kritik gibt es auch an den jährlich rund drei Millionen Tonnen Stahl aus Russland.

Der Druck zeigt bereits konkrete Folgen: Thyssenkrupp Steel Europe will rund 11.000 Stellen streichen. Während Salzgitter und Saarstahl auf „grünen Stahl“ setzen, stoppte ArcelorMittal entsprechende Pläne bereits 2025.

Streit um Industriestrompreis und Emissionshandel

Die IG Metall kritisiert den Industriestrompreis als zu kurz befristet und zu niedrig. IG-Metall-Vize Jürgen Kerner warnte zudem vor einer Aufweichung des EU-Emissionshandels (ETS). Dessen Revision ist für Juli geplant. „Eine Änderung der Regeln gefährdet die Planungssicherheit und könnte zehntausende Jobs kosten“, so Kerner. Betriebe, die bereits in klimafreundliche Technologien investiert haben, dürften nicht benachteiligt werden.

Auch die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger schaltete sich ein. In einem Brief an Kanzler Friedrich Merz warnte sie vor einer Abkehr von zugesagten Klimazielen. Rehlinger verwies auf bereits bewilligte Förderungen von 2,6 Milliarden Euro aus dem Jahr 2023. „Vorreiter der Transformation dürfen nicht bestraft werden“, forderte sie.

Stefan Rauber, Vorstandschef der saarländischen Stahlholding, unterstrich die Notwendigkeit stabiler politischer Leitplanken. Nur so lasse sich der eingeschlagene Weg zur Dekarbonisierung fortsetzen.

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