Stahlkrise: Martin Schulz übernimmt Aufsichtsrat der Bremer Werke
10.06.2026 - 00:18:22 | boerse-global.de
Er tritt die Nachfolge von Walter Riester an. Der Wechsel erfolgt in einer Phase massiver Herausforderungen für die deutsche Stahlindustrie.
Schulz übernimmt entscheidende Stimme
Die Bremer Stahlwerke von Arcelor-Mittal bekommen ein neues neutrales Mitglied im Aufsichtsrat. Martin Schulz (SPD) wurde berufen und übernimmt das Mandat von Walter Riester, der die Position mehr als 20 Jahre innehatte.
Die Rolle des neutralen Mitglieds ist in der paritätischen Mitbestimmung zentral: Bei Stimmengleichheit zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern gibt diese Person den Ausschlag. Riester betonte, dass er sein Stimmrecht in der gesamten Amtszeit nie habe nutzen müssen – ein Patt sei nie eingetreten.
Schulz hob bei seinem Antritt die Bedeutung und Zukunftsperspektiven der Stahlproduktion in Deutschland hervor. Am heutigen Mittwoch tagt der Aufsichtsrat erstmals in neuer Zusammensetzung.
Stahlbranche in der Krise
Der Personalwechsel fällt in eine Zeit tiefgreifender Probleme. Die deutsche Rohstahlproduktion sank 2025 auf 34,1 Millionen Tonnen – der niedrigste Stand seit dem Krisenjahr 2009.
Besonders deutlich wird der Druck bei Thyssenkrupp Steel Europe: Dort stehen Pläne zum Abbau von rund 11.000 Arbeitsplätzen im Raum. Hinzu kommen handelspolitische Verschärfungen. Die EU hat die zollfreien Importmengen halbiert und Strafzölle von 50 Prozent auf weitere Einfuhren erhoben – ein Schutz vor Billigimporten.
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Streit um grüne Transformation
Neben der Konjunkturschwäche kämpft die Branche mit der ökologischen Wende. Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) warnte Anfang der Woche in einem Brief an Kanzler Friedrich Merz vor den Folgen einer Reform des EU-Emissionshandels. Eine Revision könne den geplanten Umbau zur klimafreundlichen Stahlproduktion gefährden.
Ein Beispiel für die Dimension: Das Projekt „Power4Steel“ der SHS im Saarland umfasst ein Gesamtvolumen von bis zu 5 Milliarden Euro, gefördert mit 2,6 Milliarden Euro Steuergeld. Rund 13.000 Arbeitsplätze hängen daran. In der Politik werden zudem Forderungen laut, grünen Schienenstahl etwa bei der Deutschen Bahn stärker zu fördern.
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Großkundgebung in Berlin geplant
Für Freitag, den 12. Juni, hat die IG Metall zu einer Großkundgebung in Berlin aufgerufen. Tausende Beschäftigte der Branche werden erwartet. Der Zug soll vom Brandenburger Tor zum Bundeswirtschaftsministerium ziehen. Ziel: Die Politik zu weiteren Maßnahmen zur Standortsicherung und Unterstützung des Wandels bewegen.
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