Stellenabbau-Welle Juni: Österreich und Deutschland streichen Tausende Jobs
04.06.2026 - 01:12:04 | boerse-global.de
Die erste Juniwoche 2026 bringt eine Serie massiver Stellenstreichungen in Österreich und Deutschland – Gewerkschaften kritisieren fehlende Transparenz.
Österreich: Wirtschaftskammer streicht jeden vierten Job
Am 2. Juni verkündete WKÖ-Präsidentin Martha Schultz einen radikalen Sparkurs: 200 von 800 Stellen in der Bundesorganisation fallen bis Ende 2027 weg. Das entspricht einem Viertel der Belegschaft. Ziel ist eine jährliche Einsparung von 100 Millionen Euro ab 2030 – die Entlastung soll über eine gesenkte „Kammerumlage 2" an die Mitgliedsbetriebe weitergegeben werden.
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Die von der Unternehmensberatung KPMG begleitete Restrukturierung trifft auch Institutionen: Die digitale Bildungsplattform „wise up" und der Thinktank Oecolution werden geschlossen. Das Generalsekretariat soll halbiert werden. Während Lehrlinge und Praktikanten von den Streichungen ausgenommen sind, werden rund 75 Prozent der betroffenen Stellen ab der zweiten Jahreshälfte 2026 durch Kündigungen abgebaut. Der Rest entfällt auf natürliche Fluktuation und Pensionierungen.
Betriebsratschef Andreas Taust zeigte sich nach einer Betriebsversammlung am 3. Juni empört. „Das ist eine menschliche Katastrophe", so Taust. Die Arbeitnehmervertreter seien in die Planung nicht eingebunden worden, konkrete Angaben zu Sozialplan oder betroffenen Abteilungen fehlten. Während Oppositionsparteien die Einsparungen grundsätzlich begrüßen, fordern einige ähnliche Maßstäbe für die Landeskammern. Die Kammer Vorarlberg kündigte bereits an, Einsparungen ohne betriebsbedingte Kündigungen umsetzen zu wollen.
Deutsche Industrie im Umbau
Auch die deutsche Industrie meldet tiefe Einschnitte. Der Maschinenbauer Siempelkamp strich am 3. Juni bekannt: 129 von 282 Arbeitsplätzen am Standort Zweibrücken fallen weg. Das Unternehmen begründet den Schritt mit massivem Wettbewerbsdruck aus China und monatelanger Kurzarbeit. Die Fertigung vor Ort soll komplett eingestellt werden, übrig bleibt nur das Ersatzteilgeschäft. Lokale Politiker reagierten bestürzt – ein Sozialplan oder Zeitplan existiert bislang nicht.
Bei Thyssenkrupp Steel verdichten sich die Konsolidierungspläne. Berichten zufolge sollen die in Dortmund ansässigen Forschungsabteilungen mit der Zentrale in Duisburg zusammengelegt werden. Der Betriebsrat rechnet mit rund 100 gefährdeten Stellen. Zudem erwägt der Konzern, Dienstleistungen wie Werkschutz, Logistik und Arbeitssicherheit auszugliedern.
Der Möbelriese IKEA bestätigte ebenfalls tiefe Einschnitte für den Standort Dortmund-Ellinghausen. 233 Jobs sollen bis Ende 2026 wegfallen – darunter die komplette Schließung der IKEA IT Germany GmbH und der Abbau von 170 Stellen bei der IKEA Purchasing Services Germany GmbH. Die Maßnahmen folgen einer globalen Ankündigung der Inter IKEA Group vom Mai 2026, wonach weltweit 850 Stellen gestrichen werden.
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Tarifkonflikte: Einigung und neuer Protest
Nicht alle Konflikte eskalieren. Beim Automobilzulieferer Mahle in Neustadt an der Donau stimmten die Gewerkschaftsmitglieder am 3. Juni einem Sozialtarifvertrag zu. Vorausgegangen war ein achtägiger Streik – der erste in der Firmengeschichte –, ausgelöst durch die angekündigte Werksschließung im ersten Quartal 2027. Die Einigung sieht Abfindungen von bis zu 250.000 Euro und die Einrichtung einer Transfergesellschaft vor. Die Mahle-Geschäftsführung kritisierte den Streik als kontraproduktiv für den Standortübergang.
In der saarländischen Stahlindustrie hingegen wächst der Druck. Die Arbeitnehmervertreter von Saarstahl und Dillinger Hütte haben für den 12. Juni eine Großdemonstration in Völklingen angekündigt. Hintergrund ist die wachsende Unsicherheit um das 4,3 Milliarden Euro schwere „Green Steel"-Projekt. Die Betriebsräte befürchten, dass Änderungen der EU-Regularien zu CO?-Kosten und Probleme bei der Markteinführung die Zukunft der regionalen Stahlindustrie gefährden könnten.
Siemens setzt auf Umschulung statt Kündigung
Nicht alle Restrukturierungen dieser Woche bedeuten Jobverluste. Siemens-CEO Roland Busch kündigte am 2. Juni einen Plan zur Umwandlung des Konzerns in eine „One Tech Company" an. Die Neuorganisation betrifft 20.000 der 87.000 Mitarbeiter in Deutschland – unter anderem die Zusammenlegung der Digital-Industries-Sparte. Das Unternehmen betont jedoch: Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht geplant. Stattdessen investiert Siemens jährlich 400 Millionen Euro in die Weiterbildung der Belegschaft. Die IG Metall begrüßte diesen Ansatz. Der Schritt folgt auf einen Rekordgewinn von 10,4 Milliarden Euro im Jahr 2025.
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