Steuerberatung: KI-Agenten generieren 22 Millionen Vorschläge monatlich
12.06.2026 - 03:39:14 | boerse-global.de
Statt nur Belege digital abzulegen, setzen Unternehmen und Kanzleien zunehmend auf autonome Systeme. KI-Agenten übernehmen komplexe Kontierungs- und Prüfungsaufgaben, die bisher manuell erledigt wurden.
Automatisierung auf Rekordniveau
Ein führender Softwareanbieter für Steuerberater gab Mitte der Woche bekannt: Sein Service für Bankbuchungen läuft in rund 7.400 Kanzleien. Monatlich generiert das System etwa zehn Millionen Buchungsvorschläge für über 100.000 Buchführungen. Noch stärker genutzt wird der automatisierte Rechnungs-Service. 9.000 Kanzleien setzen ihn ein – für 150.000 Buchführungen und rund zwölf Millionen Vorschläge pro Monat.
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Die digitale Transformation verändert die Steuerberatungsbranche stärker als gesetzliche Reformen. Treiber sind der Fachkräftemangel und der demografische Wandel. Kanzleien und Unternehmen müssen ihre Prozesse optimieren – oder verlieren den Anschluss.
„Agentic Finance“: KI übernimmt Routine
Ein zentraler Trend heißt „Agentic Finance“. Spezialisierte KI-Agenten erledigen Routineaufgaben im Rechnungswesen und Controlling. Ein mittelständischer Softwarehersteller präsentierte diese Woche eine Strategie: KI-Agenten bereiten auditfeste Entscheidungsunterlagen vor, der Mensch gibt die finale Freigabe.
Auch internationale Fintechs setzen darauf. Ein Anbieter für Ausgabenmanagement startet im Juli 2026 eine Beta-Phase für mehrere KI-Agenten. Sie decken Kreditorenbuchhaltung, Treasury und Buchhaltung ab. Eine begleitende Umfrage zeigt: 73 Prozent der EU-Unternehmen sehen die Zukunft der Finanzteams in der KI-Anwendung. Doch 63 Prozent fehlen die nötigen Fachkenntnisse.
Rechnungsprüfung wird effizienter
Die Logistikbranche liefert konkrete Ergebnisse. Die Roland Spedition arbeitet mit T-Systems Österreich zusammen. Eine KI-Lösung ordnet Eingangsrechnungen automatisch den passenden Auftragspositionen zu. Die Geschäftsführung erwartet sinkende Prozesskosten und einen schnellen Return on Investment.
Ähnliche Potenziale bieten KI-gestützte Kontierungen in SAP-Umgebungen. Die Durchlaufzeiten im Purchase-to-Pay-Bereich lassen sich um bis zu 80 Prozent reduzieren – durch intelligente Buchungsvorschläge und sogenannte Dunkelbuchungen. Auch Treasury und Buchhaltung wachsen zusammen. Neue Schnittstellen ermöglichen Echtzeit-Datenaustausch. Manuelle Überträge, die bisher 60 bis 70 Prozent der Arbeitszeit in Treasury-Teams banden, entfallen.
Continuous Accounting und E-Rechnungen
Über die Software hinaus etabliert sich „Continuous Accounting“ als neues Organisationsprinzip. Abschlussaktivitäten laufen nicht mehr gebündelt am Periodenende, sondern kontinuierlich im Betrieb. Das verkürzt Abschlusszyklen und verbessert die Datenqualität. Voraussetzung: präzise Governance und integrierte Systeme.
Der Verband elektronische Rechnung (VeR) legte ein Strategiepapier für ein digitales Meldesystem vor. Auf Basis der verpflichtenden B2B-E-Rechnung und des Peppol-Netzwerks sollen steuerrelevante Kerndaten künftig automatisiert übermittelt werden.
Mit der Einführung digitaler Meldesysteme und der verpflichtenden E-Rechnung stehen viele Buchhaltungen vor einem massiven Umbruch. Dieser kostenlose Experten-Ratgeber erklärt Ihnen Schritt für Schritt, welche Formate und Archivierungsregeln Sie jetzt kennen müssen, um rechtssicher und effizient umzustellen. Kostenlosen E-Rechnungs-Ratgeber hier herunterladen
Die öffentliche Verwaltung zieht nach. Die Gemeinde Bernau stellt ihre Finanzverwaltung auf eine webbasierte Lösung um. Rund 85.000 Buchungen pro Jahr sollen effizienter verarbeitet werden. Die einmaligen Kosten: 22.000 Euro, die laufenden Kosten: etwa 26.700 Euro jährlich.
