Steuerbetrug Dieselhandel: 20-Mio.-Euro-Schaden vor Gericht
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vor dem Landgericht Berlin hat am 2. September 2026 der Prozess gegen zwei Personen wegen des Verdachts der großangelegten Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Handel von Dieselkraftstoff begonnen.
Ein 36-jähriger Geschäftsmann sowie eine 31-jährige Frau müssen sich wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung, der Beihilfe dazu sowie der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verantworten. Die Anklage wirft ihnen vor, über einen Zeitraum von einem Jahr ein komplexes System zur Umgehung von Steuerzahlungen betrieben zu haben.
Systematischer Betrug mit rund 3.100 Lieferungen
Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft beläuft sich der entstandene Steuerschaden auf eine Summe von rund 20 Mio. Euro. Dieser Betrag soll im Rahmen von knapp 3.100 einzelnen Lieferungen generiert worden sein. Den Angeklagten wird zur Last gelegt, die Taten in einem Zeitraum zwischen November 2023 und November 2024 begangen zu haben.
Die Ermittlungen, die zu der jetzigen Anklage führten, wurden von den zuständigen Behörden unter dem Codenamen „Water into Wine“ geführt. Dieser Name deutet auf die systematische Verschleierung der Warenströme oder die Umdeklaration von Kraftstoffen hin, um die fälligen Energiesteuern und Abgaben zu umgehen. Details zur genauen technischen oder organisatorischen Abwicklung des mutmaßlichen Betrugs werden im Laufe der Beweisaufnahme erwartet.
Die Angeklagten und verbundene Verfahren
Bei den Hauptangeklagten im Berliner Verfahren handelt es sich um Tobias Hoffmann und Viktoria R. Zum Prozessauftakt am 2. September 2026 ließen die Verteidiger der beiden Beschuldigten verlauten, dass ihre Mandanten bereit seien, Aussagen zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen zu machen.
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Solche Einlassungen könnten den weiteren Verlauf des Verfahrens maßgeblich beeinflussen, insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Aufklärung der Hintermänner oder weiterer Strukturen der kriminellen Vereinigung.
Das Verfahren weist zudem Verflechtungen in andere Bundesländer auf. Wie im Rahmen des Prozessauftakts bekannt wurde, ist der Vater des 36-jährigen Angeklagten Tobias Hoffmann ebenfalls in die Ermittlungen involviert.
Dessen Verfahren wurde jedoch abgetrennt und wird separat vor einem Gericht in Hof (Bayern) verhandelt. Dies deutet darauf hin, dass die Aktivitäten der Gruppe über Berlin hinausgingen und möglicherweise ein bundesweites Netzwerk zur Steuerhinterziehung im Kraftstoffsektor bestand.
Umfangreiche Beweisaufnahme bis Ende November
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Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Berlin hat für die Klärung des Sachverhalts ein straffes Programm vorgesehen. Insgesamt wurden zunächst 19 weitere Verhandlungstage terminiert, um die Vorwürfe gegen Hoffmann und R. umfassend zu prüfen. Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass der Prozess bis zum 25. November 2026 andauern wird.
Innerhalb dieser Termine wird das Gericht zahlreiche Zeugen vernehmen und die Beweismittel der Ermittlungsgruppe „Water into Wine“ sichten müssen. Angesichts der hohen Schadenssumme von 20 Mio. Euro und der Komplexität des Dieselmarktes wird der Fokus der kommenden Wochen vor allem auf der Frage liegen, inwieweit die Angeklagten die treibenden Kräfte hinter dem System waren und welche Rollenverteilung innerhalb der mutmaßlichen kriminellen Vereinigung herrschte.
