SteuererklÀrung, Klick

SteuererklÀrung per Klick: 11,5 Millionen nutzen okElster ab heute

01.07.2026 - 08:18:11 | boerse-global.de

Ab Juli 2026 ermöglicht die App MeinELSTER+ eine vereinfachte Steuerabgabe, wÀhrend das Handwerk eine Verschiebung der E-Rechnungspflicht fordert.

Digitalisierung in Deutschland: Steuer-Klick und E-Rechnungs-Streit
SteuererklĂ€rung - HĂ€nde eines Handwerkers, die ein Tablet mit Buchhaltungssoftware bedienen, im Hintergrund verschwommen Werkzeuge und BauplĂ€ne. 01.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Am 1. Juli 2026 startet die SteuererklĂ€rung per Klick fĂŒr Millionen BĂŒrger. Gleichzeitig warnt das Handwerk vor der E-Rechnungspflicht und fordert mehr Zeit.

Der Digitalisierungsgrad der deutschen Wirtschaft steigt spĂŒrbar. Der entsprechende Index kletterte von 100 Punkten im Jahr 2020 auf zuletzt 113,6 Punkte. Kleine und mittlere Unternehmen investierten 2023 rund 31,9 Milliarden Euro in Digitalisierungsprojekte.

Doch das GefĂ€lle ist enorm: Die IT-Branche fĂŒhrt mit 285 Punkten, das Baugewerbe bildet mit 68 Punkten das Schlusslicht. Große Betriebe mit mehr als 200 Mitarbeitern liegen deutlich vor Kleinstbetrieben.

SteuererklÀrung mit einem Klick

Die Funktion „okElster“ in der App MeinELSTER+ macht es möglich. Rund 11,5 Millionen Menschen können ihre SteuererklĂ€rung kĂŒnftig per Knopfdruck abgeben. Das Angebot richtet sich zunĂ€chst an ledige, kinderlose Arbeitnehmer und Rentner ohne weitere EinkĂŒnfte.

Das System fĂŒllt die SteuererklĂ€rung mit vorhandenen Daten vor. Entwickelt wurde es von den bayerischen Finanzbehörden im Rahmen des KONSENS-Projekts. VerfĂŒgbar ist es in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-WĂŒrttemberg.

Kritiker warnen: Die automatisierte Erstellung könnte individuelle Steuervorteile ĂŒbersehen.

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Handwerk fordert Aufschub bei E-Rechnung

WĂ€hrend die Finanzverwaltung auf digitale Lösungen setzt, blickt das Handwerk sorgenvoll auf die kommenden Fristen. Seit Anfang 2025 gilt eine Empfangspflicht fĂŒr E-Rechnungen im B2B-Bereich. Ab dem 1. Januar 2027 mĂŒssen Unternehmen mit ĂŒber 800.000 Euro Umsatz elektronisch Rechnungen stellen. Ein Jahr spĂ€ter gilt das fĂŒr nahezu alle Betriebe.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) fordert eine Verschiebung um ein Jahr. Zwei Drittel der Handwerksbetriebe haben demnach Schwierigkeiten beim Empfang digitaler Rechnungen. HÀufig kommt es zu Validierungsfehlern oder Abweichungen zwischen DatensÀtzen und PDF-Ansichten.

Eine FristverlĂ€ngerung bis Anfang 2028 soll Softwareanbietern Zeit geben, Standards wie die CEN-Norm EN 16931 fehlerfrei umzusetzen. VerstĂ¶ĂŸe können Bußgelder von bis zu 5.000 Euro pro Rechnung nach sich ziehen und den Vorsteuerabzug gefĂ€hrden.

KI und Automatisierung drÀngen auf den Markt

Trotz der regulatorischen HĂŒrden bringen neue Technologien Schwung in die Branche. Das Unternehmen Lucanet stellte im Juni 2026 spezialisierte KI-Agenten vor. Sie sollen Aufgaben wie die CO2-Bilanzierung oder Finanzberichte beschleunigen. Ein Agent könne den Aufwand fĂŒr die XBRL-Kennzeichnung um bis zu 95 Prozent senken.

FĂŒr Handwerker im Bereich Solar und WĂ€rmepumpen startete die Deutsche Sanierungsberatung ein Portal zur automatisierten Auftragsgenerierung. Bis Juni 2026 registrierten sich dort 200 Fachbetriebe.

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Anbieter wie Swissbrain adressieren KMU mit Cloud-basierten Systemen. Sie unterstĂŒtzen gĂ€ngige Formate wie XRechnung und ZUGFeRD. Auch die digitale Arbeitszeiterfassung rĂŒckt in den Fokus – vor allem offline-fĂ€hige Systeme mit projektbezogenen Auswertungen fĂŒr die Nachkalkulation auf Baustellen.

Trotz aller Technologie pflegt die Branche ihre Traditionen: Dietmar Ahle vom Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz wurde im Juni 2026 als Ehrenmeister des deutschen Maler- und Lackiererhandwerks ausgezeichnet.

## Kapitalfluss und Marktprognosen

Der Sektor fĂŒr HR-Software und Prozessoptimierung zieht weiter hohe Investitionen an. Das Unternehmen Warp schloss eine Finanzierungsrunde ĂŒber 55 Millionen Euro ab. Ziel ist der Ausbau einer KI-nativen HR-Plattform fĂŒr den Mittelstand.

Auch im Deep-Tech-Bereich tut sich etwas: Das Dresdner Start-up Fusion Bionic sicherte sich 8,2 Millionen Euro fĂŒr bionische OberflĂ€chenstrukturen in der Solar- und Halbleiterindustrie.

Experten rechnen mit einem grundlegenden Wandel der Softwarelandschaft. Laut Bitkom-Prognosen könnten KI-Agenten klassische Lizenzmodelle zunehmend ablösen. Abrechnungen wĂŒrden sich dann stĂ€rker an messbaren Ergebnissen orientieren – statt an genutzten Stunden.

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