Steuerfahndung, Strafrahmen

Steuerfahndung: Strafrahmen soll von 10 auf 15 Jahre erhöht werden

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die LBF NRW bündelt in Düsseldorf Steuerermittlungen und nutzt KI zur Analyse von bis zu einem Terabyte Daten ohne externe Cloud.

LBF NRW eröffnet Zentrale mit KI für Steuerfahndung
Modernes Bürogebäude in Düsseldorf als Sitz der Behörde zur Bekämpfung von Finanzkriminalität. Illustration mit AI erstellt.

In Düsseldorf hat der nordrhein-westfälische Finanzminister Marcus Optendrenk die neue Zentrale der Landeskasse für Bekämpfung der Finanzkriminalität (LBF NRW) offiziell eingeweiht. Die im Jahr 2024 gegründete Behörde gilt mit mehr als 1.200 Beschäftigten als größte Steuerfahndung in Deutschland. Gut die Hälfte der dort tätigen Mitarbeiter ist als Steuerfahnder im Einsatz, um gegen komplexe Formen des Steuerbetrugs vorzugehen.

Gebündelte Expertise am Standort Düsseldorf

Seit Beginn des Jahres 2025 konzentriert die LBF NRW ihre Aktivitäten am Standort in der Johannstraße 35. Dort werden die Steuerfahndung sowie die Bearbeitung von Straf- und Bußgeldsachen zentral zusammengeführt.

Ein wesentlicher Bestandteil der Behörde ist ein Lagezentrum, das internationale Durchsuchungsmaßnahmen in Abstimmung mit dem Zoll und der Polizei koordiniert. Zudem verfügt die Landeskasse über ein spezialisiertes IT-Kompetenzzentrum, welches für die digitale Beweismittelauswertung zuständig ist.

Die Behörde bearbeitet derzeit mehrere tausend Strafverfahren. Schätzungen zufolge liegt der prognostizierte Steuerschaden in diesen Fällen im Milliardenbereich.

Ein bedeutender Teil der Arbeit erfolgt in grenzüberschreitender Zusammenarbeit; so werden aktuell 39 Verfahren gemeinsam mit der Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA) geführt. In einem konkreten Fall von Umsatzsteuerbetrug wird die Schadenssumme im mittleren dreistelligen Millionenbereich beziffert.

KI-gestützte Analyse riesiger Datenmengen

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Ein technischer Schwerpunkt der neuen Zentrale liegt auf dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zur Aufdeckung illegaler Finanzströme. Wie im Rahmen der Einweihung bekannt wurde, setzt die LBF auf ein KI-Tool, das in enger Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) aus Sankt Augustin entwickelt wird. Diese Zusammenarbeit besteht bereits seit dem Jahr 2025.

Das Ziel der Technologie sei es laut Optendrenk, die stetig wachsenden Datenmengen überhaupt erst auswertbar zu machen. Das System ist in der Lage, Datenmengen von bis zu 1 Terabyte zu verarbeiten. Um den Datenschutz und die Sicherheit sensibler Informationen zu gewährleisten, findet die Analyse in einem geschützten Raum ohne Anbindung an eine externe Cloud statt.

Eine Besonderheit des Tools besteht darin, dass Fahnder mit den sichergestellten Asservaten in einer Art Chat-Funktion interagieren können, um relevante Informationen schneller zu identifizieren. Die finale Entscheidungsgewalt über die Verwertung der Ergebnisse bleibe jedoch stets beim menschlichen Ermittler.

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Herausforderungen durch internationale Großverfahren

Die Notwendigkeit solch leistungsfähiger IT-Systeme verdeutlichen vergangene Einsätze wie die Aktion „Huracán“. Bei dieser internationalen Operation im Jahr 2023 waren mehr als 3.000 Beamte beteiligt, die über 500 Objekte in sieben Staaten durchsuchten. Dabei fielen rund 42 Terabyte an Daten sowie 72.000 Aktenseiten an. Auch in diesem Fall bewegte sich der festgestellte Steuerschaden im mittleren dreistelligen Millionenbereich.

Flankiert werden die Bemühungen auf Landesebene durch einen Aktionsplan der Bundesregierung zur Verschärfung der Bekämpfung von Steuerhinterziehung. Geplant ist unter anderem, den Strafrahmen für besonders schwere Fälle von bisher 10 auf bis zu 15 Jahre anzuheben.

Zudem soll die Selbstanzeige in ihrer bisherigen Form abgeschafft werden. Erste Gesetzentwürfe für diese Vorhaben sowie für den Aufbau eines bundesweiten Datenanalysezentrums mit KI-Unterstützung werden für den Herbst 2026 erwartet.

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