Steuerhinterziehung: 26-Punkte-Plan mit Selbstanzeige-Ende und 15 Jahren Haft
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 01:00 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Justizministerin Stefanie Hubig stellten am Donnerstag einen 26-Punkte-Plan gegen Steuerhinterziehung vor. Das Paket sieht drastische Strafverschärfungen und strukturelle Neuerungen vor. Ziel: Den Entdeckungsdruck erhöhen und jährlich rund 100 Milliarden Euro Steuerausfälle eindämmen.
Strafbefreiende Selbstanzeige fällt weitgehend weg
Ein Kernstück der Reform: Die strafbefreiende Selbstanzeige soll künftig nicht mehr generell vor Bestrafung schützen. Gleichzeitig wird Steuerhinterziehung rechtlich wieder als Verbrechen eingestuft – mit einer Mindeststrafe von einem Jahr Haft.
Bei organisierter Steuerkriminalität steigt der maximale Strafrahmen von zehn auf 15 Jahre. „Ehrliche Steuerzahler müssen geschützt werden“, betonten beide Minister bei der Vorstellung. Die Vermögensabschöpfung wird ebenfalls ausgeweitet. Künftig sollen Behörden Vermögenswerte bis zu 180 Tage ohne unmittelbaren Nachweis beschlagnahmen können.
Zoll bekommt 1.500 neue Stellen
Für die Durchsetzung der neuen Regeln rüstet der Staat personell und technologisch auf. Beim Zoll entsteht ein neues Gemeinsames Zentrum gegen Steuer- und Finanzkriminalität – mit 1.500 zusätzlichen Stellen.
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Ein Datenanalysezentrum soll künftig mit Künstlicher Intelligenz komplexe Finanzströme durchleuchten und illegale Muster frühzeitig erkennen. Ergänzt wird das durch ein elektronisches Meldesystem für die Umsatzsteuer, das mehr Transparenz in Transaktionsdaten bringen soll.
Unternehmen stärker in der Pflicht
Der Aktionsplan nimmt auch Unternehmen in die Verantwortung. Die Aufbewahrungsfrist für Buchungsbelege steigt von zehn auf 15 Jahre. Damit wollen Ermittler auch länger zurückliegende Fälle wie Cum-Ex-Geschäfte besser verfolgen können.
Für bargeldintensive Branchen mit mehr als 100.000 Euro Jahresumsatz kommt eine allgemeine Registrierkassenpflicht. Sie könnte zum 1. Januar 2028 wirksam werden. Geplant ist zudem ein öffentliches Register für Unternehmen, gegen die wegen Finanzdelikten Sanktionen verhängt wurden.
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Milliarden-Mehreinnahmen erwartet
Die Bundesregierung rechnet mit erheblichen zusätzlichen Steuereinnahmen. Allein für 2027 wird ein Plus von mindestens einer Milliarde Euro prognostiziert. Mittelfristig könnten es sogar Milliardenbeträge werden.
Das Gesetzgebungsverfahren soll zügig starten. Erste konkrete Entwürfe auf Basis des 26-Punkte-Plans werden bereits für August 2026 erwartet. Neben den nationalen Verschärfungen umfasst das Paket auch Pläne für eine Besteuerung von Krypto-Werten und ein schärferes Vorgehen gegen aggressive Steuergestaltungsmodelle.
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