RumĂ€nien erhöht straffreie Obergrenze fĂŒr SteuersĂŒnder
10.05.2024 - 14:47:45StaatsprĂ€sident Klaus Iohannis unterzeichnete am Freitag das entsprechende, umstrittene Gesetz dazu, zuvor hatte das Verfassungsgericht grĂŒnes Licht gegeben. Bisher galt eine Obergrenze von 100 000 Euro.
Das Parlament hatte die Neuregelung kurz vor Weihnachten gebilligt, auf Antrag der groĂen Koalitionsparteien PSD (Sozialdemokraten) von MinisterprĂ€sident Marcel Ciolacu und PNL (BĂŒrgerliche) von SenatsprĂ€sident Nicolae Ciuca. Geklagt hatten dagegen zwei liberalkonservative Oppositionsparteien. Kritiker werfen Iohannis vor, dass er das Gesetz nicht zur Neuberatung an das Parlament zurĂŒckverwiesen hat - was der Staatschef trotz des Verfassungsgerichtsurteils hĂ€tte tun dĂŒrfen.
Bezahlt der SteuersĂŒnder den Schaden nicht sofort, sondern erst kurz vor einem Prozessauftakt, kann er zwar strafrechtlich belangt werden, jedoch wĂŒrde die GefĂ€ngnisstrafe um die HĂ€lfte schrumpfen, heiĂt es im neuen Gesetz. WĂ€hrend staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen kann der TatverdĂ€chtige die strafrechtlichen Folgen ebenfalls vermeiden, indem er ĂŒber seine Steuerschulden hinaus weitere 25 Prozent davon bezahlt. FĂŒr Steuerhinterziehung drohen in RumĂ€nien allgemein zwei bis acht Jahre GefĂ€ngnis.
Experten hatten seit Langem kritisiert, dass RumĂ€niens Justiz zwar effizient SteuersĂŒnder verfolge, aber weitgehend unfĂ€hig sei, den materiellen Schaden einzutreiben. Auch Generalstaatsanwalt Alex Florenta hatte jĂŒngst erklĂ€rt, Ziel des Gesetzes sei vor allem, das entgangene Steuergeld dem Staatshaushalt zukommen zu lassen. Laut Berechnungen des Finanzministeriums in Bukarest sind dem Staat im Jahr 2023 insgesamt 10,62 Milliarden Lei (2,1 Mrd. Euro) an Steuergeldern durch Hinterziehung entgangen. Das entspricht 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die HĂ€lfte dieses Betrags machen ausgebliebene Mehrwertsteuerzahlungen aus.

