SteuerkriminalitÀt: 26-Punkte-Plan mit bis zu 15 Jahren Haft
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung hat Mitte Juli 2026 ein umfassendes Paket gegen FinanzkriminalitÀt beschlossen. Gleichzeitig sollen Steuerzahler ab 2027 entlastet werden.
26-Punkte-Plan gegen Steuerhinterziehung
Finanzminister Klingbeil und Justizministerin Hubig stellten am 16. Juli einen Aktionsplan vor, der den Druck auf SteuerbetrĂŒger massiv erhöht. KernstĂŒck ist ein neues Zentrum gegen Steuer- und FinanzkriminalitĂ€t beim Zoll, das mit KĂŒnstlicher Intelligenz arbeitet. 1.500 neue Stellen sind dafĂŒr geplant.
Die Strafen werden drastisch verschĂ€rft: Bei schwerer Steuerhinterziehung drohen kĂŒnftig bis zu 15 Jahre Haft, mindestens aber ein Jahr. Die Möglichkeit einer strafbefreienden Selbstanzeige entfĂ€llt komplett. Besonders brisant: Der Zoll darf Vermögen bei Verdacht fĂŒr 180 Tage ohne Gerichtsbeschluss beschlagnahmen â mit umgekehrter Beweislast.
Der Handlungsdruck ist enorm. Die Steuer-Gewerkschaft beziffert den jĂ€hrlichen Schaden durch FinanzkriminalitĂ€t auf rund 100 Milliarden Euro. Allein die EU-weite MehrwertsteuerlĂŒcke lag 2023 bei 31 Milliarden Euro. Cum-Ex und Cum-Cum verursachten SchĂ€den von mindestens 10 beziehungsweise 28,5 Milliarden Euro.
Neue Pflichten fĂŒr Unternehmen
Ab 2028 mĂŒssen Gewerbetreibende mit mehr als 100.000 Euro Jahresumsatz eine Registrierkasse nutzen. Die Aufbewahrungsfrist fĂŒr Steuerbelege steigt von zehn auf 15 Jahre. Auch Krypto-Investoren trifft es: Die Haltefrist von einem Jahr fĂŒr steuerfreie Gewinne fĂ€llt weg.
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Ein weiteres Gesetz zielt auf den automatischen Datenaustausch mit Drittstaaten ab. Plattformen wie Airbnb oder Uber mĂŒssen EinkĂŒnfte ihrer Nutzer kĂŒnftig jĂ€hrlich melden â basierend auf OECD- und G20-Standards. Der Bundesrat hatte bereits am 10. Juli keine EinwĂ€nde erhoben.
Entlastung fĂŒr Familien â KĂŒrzungen anderswo
Ab 2027 plant die Regierung eine Einkommensteuerreform mit einem Entlastungsvolumen von zehn Milliarden Euro jÀhrlich. Der Grundfreibetrag steigt bis 2028 schrittweise auf 12.900 Euro. Das Kindergeld erhöht sich auf 272 Euro monatlich, der Arbeitnehmerpauschbetrag auf 1.430 Euro.
Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift kĂŒnftig ab 70.600 Euro. Neu ist eine Reichensteuer von 47 Prozent ab 280.000 Euro. Familien mit 60.000 Euro Jahreseinkommen sollen laut Regierung um mehr als 600 Euro entlastet werden.
DafĂŒr gibt es KĂŒrzungen: Der Handwerkerbonus sinkt von maximal 1.200 auf 900 Euro. Die Pauschalsteuer fĂŒr Minijobs steigt von zwei auf fĂŒnf Prozent.
BĂŒrokratieabbau â oder doch nicht?
Parallel verabschiedete die Koalition ein Programm fĂŒr Aufschwung und BeschĂ€ftigung. Ein neues Berichtsentlastungsgesetz soll innerhalb von zwölf Monaten jede vierte Berichtspflicht streichen â sofern keine EU-Vorgaben dagegenstehen.
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Das deutsche Lieferkettengesetz soll durch die EU-Richtlinie CSDDD ersetzt werden. Sie gilt fĂŒr Unternehmen ab 5.000 BeschĂ€ftigten und 1,5 Milliarden Euro Umsatz. Die CSRD-Umsetzung ist fĂŒr Herbst 2026 angekĂŒndigt.
WirtschaftsverbĂ€nde reagierten kritisch. Marie-Christine Ostermann von den Familienunternehmern bemĂ€ngelt, der Aktionsplan fĂŒhre zu mehr BĂŒrokratie und Misstrauen. Statt neuer Behörden und lĂ€ngerer Aufbewahrungsfristen fordert sie eine bessere Digitalisierung der Finanzverwaltung.
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