Steuerkriminalität, Deutschland

Steuerkriminalität: Deutschland verschärft Kontrollen – 15 Jahre Aufbewahrung

Veröffentlicht: 18.07.2026 um 17:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Berlin verlängert Aufbewahrungsfristen und plant schärfere Strafen. Österreich senkt parallel die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel.

Deutschland verschärft Kampf gegen Steuerbetrug mit neuem Aktionsplan
Eine Hand stempelt ein Dokument mit einem Steuersymbol vor dem Hintergrund einer modernen Stadt bei Sonnenuntergang. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Österreich macht es vor, Deutschland zieht nach: Während bei den Nachbarn die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel fällt, präsentiert Berlin einen scharfen Aktionsplan gegen Steuerkriminalität.

Ă–sterreich: Weniger Steuern auf Lebensmittel

Seit dem 1. Juli gilt in Österreich ein reduzierter Steuersatz von 4,9 Prozent für Milch, Gemüse, Obst, Getreide, Backwaren und Speisesalz. Die Regelung ist dauerhaft – kein befristeter Rabatt, sondern eine echte Entlastung. Der Nationalrat stimmte bereits im Mai zu, der Bundesrat verzichtete im Juni auf einen Einspruch.

Doch die Österreicher müssen auch tiefer in die Tasche greifen. Am 16. Juli passierte das Budgetbegleitgesetz 2027–2028 den Bundesrat. Es bringt eine Paketsteuer von zwei Euro pro Sendung ab Oktober. Hinzu kommen Anpassungen bei den Pensionen und eine höhere Körperschaftsteuer für Top-Verdiener.

Deutschland: 15 Jahre Belege aufbewahren

Das Bundesfinanzministerium und das Bundesjustizministerium stellten am 16. Juli 2026 einen Aktionsplan gegen Steuer- und Finanzkriminalität vor. Die Botschaft ist klar: Schluss mit laschen Kontrollen.

Die Kernpunkte im Ăśberblick:

  • Aufbewahrungsfristen: Von acht auf 15 Jahre verlängert. Eine VerkĂĽrzung aus dem Vorjahr wird damit rĂĽckgängig gemacht.
  • Registrierkassenpflicht: Ab 100.000 Euro Jahresumsatz wird die Nutzung ab 2027/2028 verpflichtend.
  • Strafrecht: Die strafbefreiende Selbstanzeige soll wegfallen. Schwere Steuerhinterziehung wird zum Verbrechen – mit einem Jahr Mindeststrafe und bis zu 15 Jahren Haft.
  • Unternehmenshaftung: Höhere BuĂźgelder und ein öffentliches Register fĂĽr Steuerstraftäter.
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Der Hintergrund ist brisant: Die Mehrwertsteuerlücke in Deutschland betrug 2023 rund 31 Milliarden Euro. Mit den neuen Maßnahmen rechnet der Bund ab 2027 mit jährlichen Mehreinnahmen von einer Milliarde Euro.

Neues Zentrum gegen Steuerbetrug

Herzstück des Aktionsplans ist ein gemeinsames Zentrum gegen Steuer- und Finanzkriminalität beim Zoll. Dazu kommt ein Datenanalysezentrum, das künstliche Intelligenz nutzen soll. Die Botschaft: Wer tricksen will, bekommt es künftig mit modernster Technik zu tun.

Parallel dazu konkretisieren sich die EntwĂĽrfe fĂĽr das Jahressteuergesetz 2026. Die Steuerverzinsung soll ab Januar 2027 von 0,15 auf 0,3 Prozent pro Monat steigen. Bei der Umsatzsteuer-Organschaft ist ab Juli 2028 ein antragsbasiertes System geplant.

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Kritik von Steuerberatern

Die Fachverbände zeigen sich skeptisch. Der Deutsche Steuerberaterverband und die Bundessteuerberaterkammer kritisieren die geplante Kaufpreisaufteilung bei Immobilien als streitanfällig. Auch das neue Erklärungsmodell bei der Umsatzsteuer-Organschaft sorgt für Bedenken – wegen potenzieller Haftungsrisiken. Und die Ausweitung der Datennutzung durch KI-Systeme? Aus Sicht der Berater geht das zu weit.

Wichtiges Urteil fĂĽr grenzĂĽberschreitende Unternehmen

Das Finanzgericht Köln (2 K 2009/24) hat klargestellt: Ausländische Unternehmer können das vereinfachte Vorsteuervergütungsverfahren nicht nutzen, wenn sie im Inland steuerpflichtige Werklieferungen an Privatpersonen erbracht haben. Sie müssen am allgemeinen Besteuerungsverfahren teilnehmen und eine Umsatzsteuerjahreserklärung abgeben.

Die Frist von neun Monaten nach Ablauf des Kalenderjahres ist eine Ausschlussfrist. Wer sie verpasst, hat Pech gehabt.

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