Steuerpaket 2. Juli: Reichensteuer auf 47%, keine Erbschaftssteuer-Erhöhung
03.07.2026 - 03:49:53 | boerse-global.de
WirtschaftsverbÀnde warnen dennoch vor einer drohenden VerschÀrfung durch ein anstehendes Verfassungsgerichtsurteil.
Nach zĂ€hen Verhandlungen im Koalitionsausschuss prĂ€sentierte die Regierung am 2. Juli ihr MaĂnahmenpaket. Die Kernbotschaft: Keine Erhöhung der Erbschaftssteuer, kein Anstieg des Spitzensteuersatzes. Stattdessen sollen untere und mittlere Einkommen entlastet werden â ein Durchschnittshaushalt um bis zu 600 Euro pro Jahr.
Doch der vermeintliche Kompromiss hat Haken. Die sogenannte Reichensteuer wird angehoben: 45 Prozent ab 250.000 Euro Jahreseinkommen, 47 Prozent ab 280.000 Euro. Hinzu kommen MaĂnahmen zum BĂŒrokratieabbau, lĂ€ngere Befristungsmöglichkeiten bei ArbeitsvertrĂ€gen (bis zu 48 Monate) und die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung.
âDie Existenz von Betrieben ist bedrohtâ
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Die Wirtschaft bleibt skeptisch. Uwe Goebel, PrĂ€sident der IHK OsnabrĂŒck, warnte am Tag der Einigung: Ein bevorstehendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts könne die Erbschaftssteuer doch noch verschĂ€rfen. âBetriebsvermögen ist oft nicht liquidierbarâ, so Goebel. Höhere Steuerforderungen könnten die Existenz ganzer Betriebe gefĂ€hrden. Die IHK fordert daher in einem Positionspapier den Erhalt der bestehenden Verschonungsregelungen.
Schon vor dem Koalitionsausschuss hatte der Verband der Familienunternehmer Alarm geschlagen. Verbandschefin Marie-Christine Ostermann kritisierte die PlĂ€ne von Finanzminister Klingbeil scharf. Dieser hatte zwei Modelle vorgelegt â eines davon sah eine umfassende Reform der Erbschaftssteuer vor, um Entlastungen von 28 Milliarden Euro gegenfinanzieren zu können.
Kritik an der Reichensteuer
Auch Ăkonomen ĂŒben deutliche Kritik. Ifo-PrĂ€sident Clemens Fuest bemĂ€ngelte vor allem die Anhebung der Reichensteuer. Ein Sprung auf 47 Prozent innerhalb eines schmalen Einkommenskorridors sei ökonomisch wenig sinnvoll. Inklusive SolidaritĂ€tszuschlag erreiche die Gesamtbelastung die 50-Prozent-Marke â das schrecke Investitionen ab.
Die Industrie- und Handelskammern kritisieren zudem die Methodik der Unternehmensbewertung. Ilona Grönniger von der IHK bezeichnete die Verfahren als realitĂ€tsfern und beklagte die hohe bĂŒrokratische Last. Dr. Frank ThomĂ©, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der IHK Saarland, nannte das Paket zwar einen âSchritt in die richtige Richtungâ, vermisste aber einen echten Befreiungsschlag. Deutschland bleibe ein Hochkostenstandort.
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Handwerk und Handel: Verhaltene Zustimmung
Das Handwerk und der Einzelhandel reagierten verhalten positiv. ZDH-PrĂ€sident Hans Peter Dittrich begrĂŒĂte, dass Erbschaftssteuer und Spitzensteuersatz unangetastet blieben. Auch der Erhalt des Handwerkerbonus wurde gelobt â auch wenn dieser auf 15 Prozent von maximal 6.000 Euro reduziert wurde.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) zeigte sich erleichtert ĂŒber den Verzicht auf eine Mehrwertsteuererhöhung. Allerdings bezweifelt der Verband, dass die Einkommensteuerentlastung ausreicht, um den privaten Konsum nachhaltig zu beleben. Positiv aufgenommen wurden der BĂŒrokratieabbau und die neuen Regelungen zu Arbeitszeitbefristungen.
Die grundsĂ€tzliche Skepsis bleibt: Wie hoch wird die steuerliche Belastung des Mittelstands kĂŒnftig wirklich sein?
