Steuerplan, Entlastung

Steuerplan 2027: Entlastung von nur 2,9 Mrd. Euro statt 10 Mrd.

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Steuerplan von Klingbeil und Merz sieht 2027 nur 2,9 Mrd. Euro Entlastung vor. Gegenfinanzierung und SozialbeitrÀge schmÀlern die Nettoeffekte erheblich.

Steuerreform-Entwurf: Nettoentlastung fÀllt geringer aus als geplant
Ein Taschenrechner und MĂŒnzen auf einem Schreibtisch vor einem modernen BĂŒrogebĂ€ude als Symbol fĂŒr Steuerpolitik. Illustration mit AI erstellt.

Ein aktueller Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums zum Steuerplan von Klingbeil und Merz verdeutlicht, dass die steuerlichen Netto-Entlastungen fĂŒr BĂŒrger erheblich geringer ausfallen könnten als ursprĂŒnglich in Aussicht gestellt. WĂ€hrend die Koalition ab dem Jahr 2028 Entlastungen von rund 10 Mrd. Euro pro Jahr versprochen hatte, sieht der Entwurf fĂŒr das Jahr 2027 lediglich eine Entlastung von 2,9 Mrd. Euro vor. FĂŒr 2028 ist ein Volumen von 6,99 Mrd. Euro geplant, wobei die tatsĂ€chliche Nettoentlastung nach Verrechnung der Gegenfinanzierung insgesamt bei 4,9 Mrd. Euro liegen soll.

Geplante Anpassungen bei FreibetrÀgen und Kindergeld

Der Entwurf sieht punktuelle Erhöhungen bei den steuerlichen FreibetrĂ€gen und Sozialleistungen vor. Der Grundfreibetrag soll im Jahr 2027 um 216 Euro und im Jahr 2028 um weitere 336 Euro steigen, womit er einen Wert von 12.900 Euro erreichen wĂŒrde. Parallel dazu ist eine schrittweise Anhebung des Kindergeldes geplant: Nach einer Steigerung um 8 Euro im Jahr 2027 und weiteren 5 Euro im Jahr 2028 soll der monatliche Betrag auf 272 Euro anwachsen.

Gleichzeitig plant das Ministerium VerschĂ€rfungen bei der Einkommensteuer fĂŒr hohe Einkommen. Ab dem Jahr 2027 soll ein Steuersatz von 45 Prozent fĂŒr Einkommen ab 250.000 Euro greifen. FĂŒr Einkommen ab 280.000 Euro ist eine Anhebung auf 47 Prozent vorgesehen.

Neue Belastungen durch Gegenfinanzierung

Kritik entzĂŒndet sich vor allem an den Maßnahmen zur Gegenfinanzierung, die der Bund der Steuerzahler als belastend einstuft. Der Entwurf sieht vor, den steuerlichen Freibetrag fĂŒr Vereine von bisher 5.000 Euro auf 1.000 Euro ab dem Jahr 2027 abzusenken, was Mehreinnahmen von 45 Mio. Euro generieren soll. FĂŒr Betriebsinhaber entfĂ€llt der Freibetrag bei BetriebsverĂ€ußerungen in Höhe von 45.000 Euro ersatzlos, was mit 300 Mio. Euro zu Buche schlĂ€gt.

Weitere Einschnitte betreffen die Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen, die von 20 Prozent auf 15 Prozent sinken soll. Zudem ist vorgesehen, die Pauschalsteuer fĂŒr Minijobber von derzeit 2 Prozent auf 5 Prozent anzuheben. Ein Vertreter der CDU/CSU-Fraktion, Fritz GĂŒntzler, kritisierte, dass eine wirksame Reform ein Entlastungsvolumen von 15 Mrd. Euro erfordern wĂŒrde. Der Bund der Steuerzahler gab an, dass allein zum Ausgleich der kalten Progression 8 Mrd. Euro notwendig wĂ€ren.

Kaufkraftverlust durch steigende SozialbeitrÀge

Berechnungen der FAZ verdeutlichen, dass die geplanten steuerlichen Erleichterungen fĂŒr viele Arbeitnehmer durch steigende SozialversicherungsbeitrĂ€ge aufgezehrt werden. So wird der Rentenbeitrag bis 2028 voraussichtlich auf 19,9 Prozent steigen. In der Krankenversicherung wird eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze um 300 Euro pro Monat fĂŒr das Jahr 2027 erwartet, wĂ€hrend in der Pflegeversicherung zusĂ€tzliche Belastungen von 937,50 Euro im Raum stehen.

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Diese Entwicklungen fĂŒhren dazu, dass insbesondere mittlere und höhere Einkommen real weniger Netto zur VerfĂŒgung haben könnten. Laut den Berechnungen verliert ein Single mit einem Bruttoeinkommen von 3.000 Euro jĂ€hrlich 9 Euro. Bei einem Einkommen von 6.500 Euro belĂ€uft sich das Minus auf 639 Euro, bei 9.000 Euro sogar auf 904 Euro pro Jahr. Eine Familie mit zwei Kindern und einem gemeinsamen Bruttoeinkommen von 9.000 Euro (verteilt auf 6.000 und 3.000 Euro) kĂ€me hingegen auf ein leichtes Plus von 44 Euro im Jahr. Doppelverdiener mit jeweils 7.000 Euro Bruttoeinkommen mĂŒssten jedoch Einbußen von 1.045 Euro hinnehmen.

Kritik aus Wirtschaft und VerbÀnden

Branchenvertreter Ă€ußerten sich besorgt ĂŒber die Auswirkungen der Reform. Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt merkte an, dass Alleinstehenden lediglich 13 bis 20 Euro mehr pro Monat verbleiben wĂŒrden. Der Verband fordert stattdessen einen dauerhaft ermĂ€ĂŸigten Umsatzsteuersatz sowie eine Lebensmittel-Entlastungspauschale von 300 Euro.

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Massiver Widerstand kommt zudem aus dem Baugewerbe. BauverbĂ€nde in NRW kritisieren eine geplante EntlastungsprĂ€mie von 1.000 Euro, da diese zusĂ€tzlichen Erwartungsdruck in den Betrieben erzeuge. Der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Dr. Bernhard Baumann wies darauf hin, dass dies kleine und mittlere Unternehmen belaste. Eine Umfrage unter Handwerksbetrieben ergab, dass 51 Prozent der Betriebe keine Auszahlung dieser PrĂ€mie planen, wobei oft auf die finanzielle Belastung und mangelnde FlexibilitĂ€t verwiesen wurde. Marcus Nachbauer von der Bundesvereinigung Bauwirtschaft bezeichnete die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen als enttĂ€uschend, da Kosten zunehmend auf die Unternehmen abgewĂ€lzt wĂŒrden.

Abweichende Informationen veröffentlichte die ZEIT, wonach Berichte ĂŒber KĂŒrzungen nicht korrekt seien. Demnach betrage die Entlastung im Jahr 2027 rund 5,6 Mrd. Euro und im Jahr 2028 etwa 4,2 Mrd. Euro, was einem Gesamtvolumen von 9,8 Mrd. Euro entsprĂ€che. Die Reform solle in zwei Wellen erfolgen und ihre volle Wirkung erst ab 2028 entfalten.

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