Steuerreform, Milliarden

Steuerreform: 10 Milliarden Euro Entlastung bis 2028 geplant

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 23:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bundesfinanzminister Klingbeil prÀsentiert Steuerreform mit 10 Mrd. Euro Entlastung bis 2028. Opposition und Institute kritisieren fehlenden Ausgleich der kalten Progression und unzureichende Finanzierung.

Steuerreform 2027/2028: Klingbeils Entlastungsplan von 10 Mrd. Euro im Kreuzfeuer
Ein minimalistischer Schreibtisch in einem RegierungsbĂŒro mit einer Brille und einem FĂŒllfederhalter auf einem Dokument. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Bundesfinanzminister Klingbeil hat einen Entwurf fĂŒr eine umfassende Steuerreform vorgelegt, der bis zum Jahr 2028 steuerliche Entlastungen in Höhe von insgesamt 10 Milliarden Euro vorsieht. Nach den aktuellen Planungen des Bundesfinanzministeriums sollen die Entlastungen gestaffelt wirksam werden: FĂŒr das Jahr 2027 ist zunĂ€chst ein Volumen von 3 Milliarden Euro vorgesehen, wĂ€hrend der Betrag im Jahr 2028 auf 7 Milliarden Euro ansteigen soll. Der Entwurf stĂ¶ĂŸt jedoch bereits unmittelbar nach seiner Bekanntgabe auf deutliche Kritik von Opposition, VerbĂ€nden und Wirtschaftsforschungsinstituten.

Anpassungen bei FreibetrÀgen und SteuersÀtzen

Zentraler Bestandteil der ReformplĂ€ne ist die Anhebung des steuerlichen Grundfreibetrags auf 12.900 Euro. Parallel dazu soll das Kindergeld angepasst werden: Im Jahr 2027 ist eine Erhöhung auf 267 Euro vorgesehen, gefolgt von einer weiteren Steigerung auf 272 Euro im Jahr 2028. Auch bei den SteuersĂ€tzen sieht der Entwurf signifikante Änderungen vor. So soll der Spitzensteuersatz ab einem Einkommen von 250.000 Euro bei 45 Prozent liegen und ab einer Grenze von 280.000 Euro auf 47 Prozent steigen.

ErgĂ€nzend dazu hat sich der Koalitionsausschuss auf Eckpunkte verstĂ€ndigt, nach denen ein reformierter Spitzensteuersatz bereits ab einer Einkommensschwelle von 100.000 Euro greifen könnte. FĂŒr Arbeitnehmer mit einem Bruttoeinkommen von 50.000 Euro wird eine Entlastung von bis zu 750 Euro in Aussicht gestellt. Im Bereich der geringfĂŒgigen BeschĂ€ftigung ist vorgesehen, die Pauschalsteuer fĂŒr Minijobs auf 5 Prozent anzuheben.

Kritik an ausbleibendem Ausgleich der kalten Progression

Ein wesentlicher Kritikpunkt am vorliegenden Entwurf ist der Verzicht auf einen Ausgleich der kalten Progression. Berechnungen zufolge hĂ€tte eine entsprechende Korrektur allein im Jahr 2027 rund 8 Milliarden Euro gekostet. Die Union wirft dem Finanzminister in diesem Zusammenhang Wortbruch vor. Kritisiert wird insbesondere, dass fĂŒr das Jahr 2027 lediglich 3 Milliarden Euro an Entlastungen geplant sind, obwohl ursprĂŒnglich ein Volumen von 10 Milliarden Euro versprochen worden sei.

Anzeige

Wer sich mit der Optimierung seiner Steuerlast befasst, sollte auch das Thema Abschreibungen nicht vernachlÀssigen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, welche gesetzlichen SpielrÀume Gewerbetreibende und Immobilienbesitzer heute nutzen können, um ihre LiquiditÀt dauerhaft zu verbessern. Abschreibung von A-Z: Jetzt kostenlosen Ratgeber sichern

Auch der Bund der Steuerzahler Ă€ußerte massiven Unmut und bezeichnete die PlĂ€ne als unzureichend. Angesichts einer Netto-Entlastung von lediglich knapp 5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2028 sprach der Verband von einer Giftliste. In der Bevölkerung spiegelt sich diese Skepsis wider: Laut aktuellen Umfragen bewerten vier von Bundesbefragten die geplante Verteilung der steuerlichen Lasten als ungerecht. Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft (DStG) schloss sich der Kritik am Reform-Entwurf ebenfalls an.

Wirtschaftliche Einordnung und FinanzierungslĂŒcken

Wirtschaftsforschungsinstitute warnen vor den sozialen und konjunkturellen Folgen der Reform. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) weist darauf hin, dass ein Single mit einem Jahreseinkommen von 50.000 Euro durch die Neuregelungen um 114 Euro weniger entlastet werde als zuvor angenommen. Im Gegensatz dazu könne ein Ehepaar mit zwei Kindern mit einer Entlastung von 576 Euro rechnen. Das ifo-Institut hĂ€lt das gesamte Entlastungsvolumen von 10 Milliarden Euro fĂŒr deutlich zu gering, um nennenswerte BeschĂ€ftigungseffekte zu erzielen. Laut den Forschern wĂ€ren 39 Milliarden Euro notwendig, um die Schaffung von etwa 188.000 zusĂ€tzlichen Vollzeitstellen zu ermöglichen.

Anzeige

Angesichts komplexer Reformen suchen viele Steuerzahler nach verlÀsslichen Wegen, um Steuervorteile wie die degressive AfA rechtssicher zu beanspruchen. Ein gratis PDF-Ratgeber erklÀrt verstÀndlich, wie Sie vom aktuellen Wachstumschancengesetz profitieren und Investitionen steuerlich optimal gestalten. Hier kostenlosen Steuer-Spar-Ratgeber herunterladen

Ein weiteres Problem stellt die Finanzierung der Reform dar. Finanzminister Klingbeil rĂ€umte eine FinanzierungslĂŒcke von 30 Milliarden Euro ein und sprach sich dafĂŒr aus, wohlhabende Bevölkerungsschichten stĂ€rker zu belasten. Dieser Vorstoß stieß beim Unions-Kanzlerkandidaten Merz auf strikte Ablehnung.

Im Bereich des Ehrenamts gab es bereits eine Kurskorrektur innerhalb des Entwurfs. Nach breiter öffentlicher Kritik strich der Minister die geplante Freigrenze von 1.000 Euro fĂŒr steuerpflichtige Vereine. UrsprĂŒnglich war vorgesehen, einen bestehenden Freibetrag von 5.000 Euro durch diese deutlich niedrigere Grenze zu ersetzen, wobei gemeinnĂŒtzige Vereine hiervon nicht betroffen gewesen wĂ€ren. Kritische Stimmen bemĂ€ngeln zudem, dass die Reform keine echte Vereinfachung des Steuersystems darstelle, sondern sich in kleinteiligen Regelungen verliere.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 69935014 |