Steuerreform, Regierung

Steuerreform 2027: Regierung plant nur 3 Mrd. statt 8,8 Mrd. Entlastung

Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kritik an Steuerplänen: Unvollständiger Ausgleich der kalten Progression kostet Bürger bis zu 500 Euro Kaufkraft.

Steuerreform 2027: Koalitionspläne zur kalten Progression unter Beschuss
Ein Schreibtisch mit einem Taschenrechner und Papierstapeln in einem modernen Büro, symbolisch für die Steuerdebatte. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Pläne der schwarz-roten Koalition für die künftige Gestaltung der Einkommensteuer stoßen auf massiven Widerstand. Ein aktueller Referentenentwurf sieht für das Jahr 2027 eine Entlastung der Bürger um rund 3 Milliarden Euro vor, gefolgt von weiteren 7 Milliarden Euro im Jahr 2028. Kritiker aus Fachverbänden und der Opposition werfen der Bundesregierung vor, die versprochenen Entlastungsvolumina nicht einzuhalten und durch einen unvollständigen Ausgleich der kalten Progression verdeckte Steuererhöhungen vorzunehmen.

Lücke beim Ausgleich der kalten Progression

Im Zentrum der Debatte steht der Umgang mit der sogenannten kalten Progression, bei der inflationsbedingte Gehaltssteigerungen zu einer höheren Steuerlast führen, ohne dass die reale Kaufkraft steigt. Analysen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) verdeutlichen die Diskrepanz zwischen den Regierungsplänen und dem notwendigen Ausgleichsvolumen: Während die Koalition für 2027 eine Entlastung von 3 Milliarden Euro anstrebt, wäre für einen vollständigen Ausgleich der kalten Progression ein Betrag von bis zu 8,8 Milliarden Euro erforderlich. Die Differenz von knapp 6 Milliarden Euro verbleibe somit beim Staat.

Berechnungen des IW zeigen zudem, dass ein vollständiger Ausgleich für den Zeitraum 2026/2027 insgesamt gut 15 Milliarden Euro gekostet hätte. Für das Jahr 2027 allein werden die Kosten auf 8 Milliarden Euro beziffert. Die Auswirkungen auf die privaten Haushalte sind konkret bezifferbar: Bei einem Jahreseinkommen von 20.000 Euro wird mit Kaufkraftverlusten von 81 Euro gerechnet, bei 40.000 Euro mit 205 Euro und ab einem Einkommen von 70.000 Euro mit Einbußen von bis zu 500 Euro.

Geplante Tarifänderungen und Anpassungen bei Freibeträgen

Der Steuerreform-Entwurf sieht strukturelle Anpassungen im Tarifgefüge vor. Der Grundfreibetrag soll von 12.348 Euro im Jahr 2026 schrittweise auf 12.900 Euro im Jahr 2028 angehoben werden. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent soll künftig ab einem zu versteuernden Einkommen von circa 70.600 Euro greifen. Eine deutliche Verschärfung ist beim sogenannten Reichensteuersatz vorgesehen, der von derzeit 45 auf 47 Prozent für Einkommen ab 280.000 Euro steigen soll.

Anzeige

Wer sich mit der steigenden Steuerbelastung befasst, sollte auch die versteckten Kosten im eigenen Depot prüfen. Dieser kostenlose Report zeigt, wie Anleger ihre Kapitalerträge 2026 effektiv schützen und die Nettorendite durch legale Strategien steigern. Mehr Nettorendite dank legaler Steuertricks für Ihr Depot

Zusätzlich enthält der Entwurf diverse Änderungen bei weiteren steuerlichen Regelungen. So ist eine Anhebung des Arbeitnehmerpauschbetrags geplant, während gleichzeitig der Rabattfreibetrag für Arbeitnehmer gestrichen werden soll. Auch der Freibetrag bei einer Unternehmensaufgabe im Alter steht zur Disposition. Eine ursprünglich vorgesehene Senkung des Vereinsfreibetrags von 5.000 auf 1.000 Euro wurde nach massiver Kritik aus dem Entwurf zurückgezogen. Die IW-Analyse der gesamten Reformpakete zeigt, dass von den versprochenen Entlastungen rund 5 Milliarden Euro auf den Grundfreibetrag, 3 Milliarden Euro auf das Kindergeld und lediglich 1 Milliarde Euro auf die Tarifverschiebung entfallen.

Massive politische Kritik und Vorwurf des Wortbruchs

Die Reaktionen auf den Entwurf fielen am Mittwoch deutlich aus. Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, bezeichnete die Vorlage als Giftliste und sprach von einem Wortbruch gegenüber den Bürgern. Er verwies darauf, dass Bundesregierungen seit 2016 durch den Abbau der kalten Progression insgesamt rund 170 Milliarden Euro an die Steuerzahler zurückgegeben hätten. Die aktuelle Regierung schlage nun das Erbe früherer Finanzminister aus.

Anzeige

Während die politische Debatte um Entlastungen anhält, sorgen unscheinbare Regeln im privaten Depot oft für ein heimliches Abschmelzen der Rendite. Steuerexperte Cornelius Tschirdewahn erklärt in seinem Sonderreport, wie Sie den Fiskus am Mitkassieren hindern und Steuerfallen sicher umgehen. Den Steuertrick, den kaum ein Anleger kennt, jetzt entdecken

Innerhalb der Union wurde die Kritik ebenfalls laut. Melanie Bernstein (CDU) warf Finanzminister Klingbeil vor, die Bürger zu täuschen. Yannick Bury (CDU) bezeichnete die Einigung als unzureichend und forderte stattdessen Ausgabenkürzungen im Haushalt. Auch Daniel Peters, CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, warf dem Finanzminister Wortbruch vor, da von angekündigten 10 Milliarden Euro Entlastung für 2027 lediglich 2,9 Milliarden Euro übrig blieben. Kritik kam zudem von der bayerischen Staatsregierung sowie von der Finanzexpertin der Grünen, Katharina Beck. Ein Sprecher des Finanzministeriums verwies bezüglich der weiteren Planung auf den kommenden Progressionsbericht im Herbst 2026, während das Kanzleramt zu den Vorwürfen bisher schweigt.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 69941729 |