Steuerreform ab Januar 2027: Zehn Milliarden Euro fĂĽr Familien und Geringverdiener
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 08:42 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das jährliche Entlastungsvolumen: rund zehn Milliarden Euro. Doch die Verteilung fällt höchst ungleich aus.
Während Familien und Bezieher niedriger Einkommen finanziell gestärkt werden sollen, müssen Gutverdiener mit erheblichen Mehrbelastungen rechnen. Steigende Beitragsbemessungsgrenzen in den Sozialversicherungen könnten die steuerlichen Vorteile für viele Erwerbstätige zudem weitgehend neutralisieren.
Höhere Freibeträge, mehr Kindergeld
Kernstück der Reform, die am 1. Januar 2027 in Kraft tritt, ist die Anhebung steuerlicher Freibeträge. Der Grundfreibetrag soll bis 2028 schrittweise auf 12.900 Euro steigen. Parallel dazu erhöht sich das Kindergeld im gleichen Zeitraum auf monatlich 272 Euro pro Kind. Auch der Arbeitnehmerpauschbetrag wird angepasst – auf 1.430 Euro.
Änderungen gibt es zudem beim Steuertarif. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift künftig erst ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 70.600 Euro. Bisher lag die Grenze bei knapp 70.000 Euro. Zur Gegenfinanzierung wird die sogenannte Reichensteuer verschärft: Ab 250.000 Euro sind 45 Prozent fällig, ab 280.000 Euro sogar 47 Prozent.
Sozialbeiträge steigen – vor allem für Spitzenverdiener
Trotz der steuerlichen Erleichterungen droht vielen Beschäftigten eine Mehrbelastung durch höhere Beitragsbemessungsgrenzen. In der Krankenversicherung steigt die Grenze auf 76.050 Euro, in der Pflegeversicherung auf 84.800 Euro. Für die Renten- und Arbeitslosenversicherung ist eine Anhebung auf 106.200 Euro vorgesehen.
Angesichts der geplanten Anhebungen der Sozialbeiträge wird es für Arbeitgeber und Besserverdiener immer wichtiger, die exakten Schwellenwerte für die Gehaltsabrechnung zu kennen. Dieser kostenlose Download bietet eine präzise Übersicht der aktuellen Grenzwerte und hilft Ihnen, die Abgabenlast korrekt zu berechnen. Die aktuellen Beitragsbemessungsgrenzen hier kostenlos herunterladen
Spitzenverdiener müssen laut Berechnungen jährlich bis zu 3.400 Euro mehr an Abgaben leisten. Für Durchschnittsverdiener fallen die Effekte moderater aus: Ein kinderloser Single mit 50.000 Euro Bruttoeinkommen kann mit einer Netto-Entlastung zwischen 124 und 178 Euro rechnen. Eine Familie mit zwei Kindern und gleichem Einkommen profitiert hingegen deutlich stärker – bis zu 666 Euro mehr im Jahr.
34 Einzelmaßnahmen – von Rente bis Krankschreibung
Das Reformpaket umfasst insgesamt 34 Einzelmaßnahmen, die weit über das Steuersystem hinausgehen. Bei der Altersvorsorge ist die Abschaffung der „Rente mit 63“ vorgesehen. Ab 2028 soll zudem ein zusätzlicher Beitrag von zunächst 0,5 Prozent für die neu eingeführte Kapitalrente erhoben werden.
Im Gesundheitswesen müssen sich Versicherte auf höhere Zuzahlungen einstellen. Die Gebühr für Krankenhausaufenthalte steigt auf 15 Euro pro Tag, bei Medikamenten sind 7,50 Euro geplant. Zudem wird die beitragsfreie Ehegatten-Mitversicherung eingeschränkt.
Weitere Änderungen im Überblick:
- Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft – ärztliche Konsultation ab dem ersten Krankheitstag verpflichtend
- Sachgrundlose Befristungen werden bis zu 48 Monaten ermöglicht
- Der Handwerkerbonus sinkt von 20 auf 15 Prozent der Lohnkosten (maximal 900 Euro)
- Die Pauschalsteuer fĂĽr Minijobs steigt von zwei auf fĂĽnf Prozent
- Die Einkommensteuererklärung soll künftig automatisch digital vorausgefüllt werden
Viele Unternehmen und Selbstständige stehen vor der Herausforderung, ab welchem Gehalt für ihre Mitarbeiter eigentlich keine weiteren Sozialabgaben mehr fällig werden. Die Beitragsbemessungsgrenzen liefern hier die entscheidende Antwort – eine übersichtliche PDF erklärt Ihnen alle Details und Rechenbeispiele Schritt für Schritt. Gratis-Report: Grenzwerte zur sicheren Gehaltsabrechnung sichern
Kritik: Netto-Entlastung verpufft
Wirtschaftsexperten und Verbände bewerten die Reformpläne unterschiedlich. Ein Experte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wies darauf hin, dass die geplanten Steuerentlastungen durch die steigenden Sozialbeiträge für viele Bürger faktisch verpuffen würden. DIW-Präsident Marcel Fratzscher bezeichnete die Reform als wenig ambitioniert – sie gleiche die kalte Progression nicht vollständig aus.
Kritik kam auch vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der das Paket als Enttäuschung für die wirtschaftliche Entwicklung einstufte. Dagegen nannte der Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr den Kompromiss nachvollziehbar. Finanzminister Lars Klingbeil betonte hingegen die gezielte Unterstützung für Familien. Durch die Kombination aus Steuerreform und Kindergelderhöhung könnten sie spürbare Zuwächse bei den verfügbaren Einkommen erwarten.
Und noch eine Nachricht am Rande: Der Rundfunkbeitrag steigt im Zuge der allgemeinen Kostenanpassungen auf 18,64 Euro.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
