Steuerreform: Bund der Steuerzahler kritisiert 3-Milliarden-Plan
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 04:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Bund der Steuerzahler hat die aktuellen SteuerreformplĂ€ne von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil scharf kritisiert. Verbandschef Reiner Holznagel bezeichnete den Entwurf Anfang August als eine Giftliste und Ă€uĂerte, das Vorhaben sei lediglich als Scherz oder Provokation zu verstehen. Hintergrund der Kritik ist ein bekannt gewordener Referentenentwurf des Finanzministeriums, der erhebliche Ănderungen im Steuersystem vorsieht, die nach Ansicht von Kritikern viele Steuerzahler belasten könnten.
Kritik an unzureichendem Ausgleich der kalten Progression
Ein zentraler Kritikpunkt des Bundes der Steuerzahler betrifft den Umgang mit der kalten Progression. Der Verband bemĂ€ngelt, dass die Reform keinen vollstĂ€ndigen Ausgleich dieser schleichenden Steuererhöhung enthalte. WĂ€hrend ein solcher Ausgleich fĂŒr das Jahr 2027 rund 8 Milliarden Euro gekostet hĂ€tte, sehe der Plan des Finanzministers lediglich eine Entlastung von 3 Milliarden Euro vor.
FĂŒr das Jahr 2028 prognostiziert der Bund der Steuerzahler eine Bruttoentlastung von 10 Milliarden Euro, die sich jedoch nach Abzug verschiedener Faktoren auf eine Nettoentlastung von lediglich 5 Milliarden Euro reduziere. Der Verband weist zudem darauf hin, dass die geplanten Erhöhungen beim Grundfreibetrag auf 12.900 Euro im Jahr 2028 und die Anpassungen beim Kindergeld â geplant sind 267 Euro fĂŒr 2027 sowie 272 Euro fĂŒr 2028 â nicht ausreichten, um die steigenden Belastungen zu kompensieren.
Politische Opposition spricht von Mogelpackung
Auch aus den Reihen der Opposition und vom Koalitionspartner FDP kommt deutlicher Widerspruch. Die Union bezeichnete die ReformplĂ€ne als Mogelpackung. Nach Berechnungen der CDU/CSU-Fraktion belaufe sich die Entlastung im Jahr 2027 auf lediglich 3 Milliarden Euro und im Jahr 2028 auf 7 Milliarden Euro, was einer Gesamtsumme von 10 Milliarden Euro entspreche. Der CDU-Haushaltspolitiker Olav Gutting erklĂ€rte, er fĂŒhle sich von den ursprĂŒnglichen Zusagen des Finanzministers getĂ€uscht. Statt der versprochenen 10 Milliarden Euro fĂŒr das Jahr 2027 seien nun deutlich geringere BetrĂ€ge im GesprĂ€ch. Die CDU fordert stattdessen eine Entlastung in Höhe von 15 Milliarden Euro.
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Kritisiert werden zudem spezifische KĂŒrzungen. So soll der Vereinsfreibetrag nach den PlĂ€nen des Ministeriums von bisher 5.000 Euro auf 1.000 Euro sinken, was insbesondere bei der CSU auf Widerstand stöĂt. Zudem ist eine Reduzierung des Handwerkerbonus von 20 Prozent auf 15 Prozent vorgesehen. FDP-Chef Christian Kubicki warf dem Finanzminister vor, mit diesen PlĂ€nen ein letztes Versprechen zu brechen. Auch Die Linke schloss sich der Kritik an den Reformvorhaben an.
Unterschiedliche Auswirkungen auf Einkommensgruppen
Der Referentenentwurf aus dem Finanzministerium sieht eine stufenweise Umsetzung vor. FĂŒr das Jahr 2027 wird mit einer Entlastung von etwa 2,9 Milliarden bis 3 Milliarden Euro gerechnet, die im Jahr 2028 auf knapp 7 Milliarden Euro ansteigen soll. Ab 2028 wird eine jĂ€hrliche Entlastung von 10 Milliarden Euro angestrebt. Die Nettoentlastung nach Gegenfinanzierung wird im Entwurf mit 4,9 Milliarden Euro beziffert.
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Bei den SteuersÀtzen sieht der Entwurf vor, dass der Spitzensteuersatz von 42 Prozent im Jahr 2027 ab einem Einkommen von 70.601 Euro greift. Die Reichensteuer soll gestaffelt werden: 45 Prozent ab einem Einkommen von 250.000 Euro und 47 Prozent ab 280.000 Euro.
Konkrete Berechnungen zeigen eine differenzierte Belastung der Haushalte:
- Ein Single mit einem Bruttoeinkommen von 3.000 Euro mĂŒsste mit einem jĂ€hrlichen Nettoverlust von 9 Euro rechnen.
- Bei einem Bruttoeinkommen von 6.000 Euro beliefe sich der Verlust auf 242 Euro, bei 9.000 Euro auf 904 Euro pro Jahr.
- Familien mit einem Bruttoeinkommen von 7.000 Euro wĂŒrden jĂ€hrlich 1.045 Euro weniger zur VerfĂŒgung haben.
- DemgegenĂŒber stĂŒnde eine Familie mit zwei Kindern und einem Einkommen von 60.000 Euro, die um mehr als 600 Euro pro Jahr entlastet wĂŒrde.
ZusĂ€tzlich zu den steuerlichen Ănderungen wird auf eine zu erwartende Steigerung der Sozialabgaben hingewiesen, welche die finanziellen SpielrĂ€ume der Steuerzahler weiter einschrĂ€nken könnte.
