Steuervereinfachung, Unternehmenssteuer

Steuervereinfachung ab Juli: 25-Prozent-Ziel fĂŒr Unternehmenssteuer

23.06.2026 - 02:30:13 | boerse-global.de

Bund und LĂ€nder verzeichnen im Mai 2026 ein deutliches Steuerplus. Trotz Mehreinnahmen belasten Konjunkturflaute und steigende Sozialabgaben die Haushalte.

Steuereinnahmen im Mai 2026: Plus von 8,2 Prozent
Steuervereinfachung - Ein Diagramm mit einer aufsteigenden Linie, die finanzielle ZuwĂ€chse darstellt, mit einem dezenten Euro-Symbol im Hintergrund. 23.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Das Aufkommen lag bei 67,9 Milliarden Euro – ein Plus von 8,2 Prozent. Das zeigt der Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums vom 22. Juni.

Besonders krÀftig legten die Lohn-, die Abgeltungs- und die Mehrwertsteuer zu. Die Gemeinschaftsteuern wuchsen um 9,9 Prozent, profitierten aber auch von Einmaleffekten.

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LĂ€nder- und Bundessteuern entwickeln sich unterschiedlich

Die reinen Bundessteuern stiegen nur moderat um 0,9 Prozent. Dazu trugen der SolidaritÀtszuschlag sowie die Versicherungs- und Stromsteuer bei. Bei den LÀndern lag das Plus bei 5,8 Prozent.

Die Erbschaftsteuer zog an, die Grunderwerbsteuer ging dagegen zurĂŒck. RĂŒcklĂ€ufig entwickelten sich auch die Kfz-Steuer, die Tabaksteuer und die Energiesteuer. Letztere litt unter einem MengenrĂŒckgang bei Kraftstoffen um 4 Prozent.

Finanzpolitik bleibt trotz ZuwÀchsen angespannt

Die aktuelle SteuerschĂ€tzung prognostiziert fĂŒr Bund, LĂ€nder und Kommunen bis 2029 Mehreinnahmen von insgesamt 33,6 Milliarden Euro. FĂŒr Rheinland-Pfalz etwa bedeutet das 2025 zusĂ€tzliche 69 Millionen Euro und 2026 rund 126 Millionen Euro ĂŒber der vorherigen SchĂ€tzung. Finanzministerin Ahnen bezeichnete die Lage dennoch als herausfordernd.

Parallel bereitet die Bundesregierung strukturelle Reformen vor. Finanzminister Klingbeil plant eine umfangreiche Steuervereinfachung als Teil eines Pakets von Union und SPD. Es soll zum 1. Juli 2026 geschnĂŒrt werden und eine bĂŒrgernahe Einkommensteuer sowie eine vereinfachte Unternehmensteuer mit einer Zielbelastung von rund 25 Prozent vorsehen. Diskutiert werden Entlastungsvarianten von 10 oder 20 Milliarden Euro – die Refinanzierung ist noch offen.

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Ein Referentenentwurf des Finanzministeriums sieht zudem jĂ€hrliche Erhöhungen der Tabaksteuer ab dem 1. Januar 2027 ĂŒber vier Jahre vor. Dem Bund brĂ€chte das 2027 zusĂ€tzliche 756 Millionen Euro, bis 2030 könnten es jĂ€hrlich 3,6 Milliarden Euro sein.

Wirtschaftsdaten trĂŒben den fiskalischen Aufwind

Der positive Steuertrend steht im Kontrast zur konjunkturellen EintrĂŒbung. Die EU-Kommission senkte ihre Wachstumsprognose fĂŒr Deutschland 2026 auf 0,6 Prozent, das ifo Institut geht von 0,8 Prozent aus. GrĂŒnde sind geopolitische Spannungen – insbesondere der Iran-Krieg – und steigende Energiepreise. Die Inflation wird fĂŒr das Gesamtjahr bei rund 2,9 Prozent erwartet, nach 2,7 Prozent im Mai.

Der Mittelstand spĂŒrt die Flaute deutlich. Laut Datev-Mittelstandsindex sanken die UmsĂ€tze im Mai um 1,4 Prozent im Vorjahresvergleich. Besonders betroffen: der Handel mit minus 6,5 Prozent und das Baugewerbe mit minus 5,8 Prozent. Das Gastgewerbe verbuchte nominal ein Plus von 2 Prozent, preisbereinigt aber deutliche Verluste. Experten wie die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer diskutieren daher die RĂŒckkehr zum vollen Mehrwertsteuersatz in der Gastronomie, der den Staat jĂ€hrlich rund 3,4 Milliarden Euro kostet.

FĂŒr Steuerzahler ergeben sich 2026 gegensĂ€tzliche Effekte: Der steuerliche Grundfreibetrag stieg auf 12.348 Euro, doch gleichzeitig erhöhte sich der Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung auf 2,9 Prozent. Analysen des IW Köln zeigen: Höhere Sozialabgaben neutralisieren die steuerlichen Entlastungen bei vielen Einkommensgruppen oder fĂŒhren sogar zu einer höheren Gesamtbelastung.

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